Volkswagen hat am 28. Oktober 2026 in Hefei seine China-Strategie umgestellt: Aus „In China, for China“ wird „In China, Beyond China“. In China entwickelte Technik, darunter die mit Xpeng entstandene Elektronikarchitektur CEA, soll künftig auch Modelle für Südamerika, Afrika und Südostasien tragen. Dazu stellte VW das Technikpaket Vega vor. Europa kam in den Plänen nicht vor.

VW ID. UNYX 09
Der VW ID. UNYX 09 gehört zu den China-Modellen mit Technik aus der Kooperation mit Xpeng.
Bild-Quelle: Volkswagen

„In China, Beyond China“: Was VW in Hefei angekündigt hat

Beim ersten Technik-Tag von Volkswagen China im Entwicklungszentrum Hefei sprach der Konzern von einer „entscheidenden Veränderung“. Bisher galt das Prinzip, in China ausschließlich für den chinesischen Markt zu entwickeln. Künftig sollen die Gemeinschaftsunternehmen in China auch Märkte im Ausland beliefern, genannt wurden Südostasien, das südliche Afrika und Südamerika.

Konkret soll die Kompaktplattform CMP zusammen mit der China Electronic Architecture (CEA) in die nächste Modellgeneration für den sogenannten Globalen Süden einfließen. CEA hat VW gemeinsam mit chinesischen Partnern entwickelt, allen voran mit Xpeng. Als erste Region soll Südamerika die Technik noch vor Ende des Jahrzehnts übernehmen. Zusätzlich will VW mehr in China gebaute Volkswagen- und Jetta-Modelle nach Südamerika und Afrika verschiffen. Schon heute exportiert der Konzern Autos aus China unter anderem in den Nahen Osten, nach Kasachstan und nach Usbekistan.

Konzernchef Oliver Blume bezeichnete China als „Innovationsmotor“ und zunehmend als „Produkt- und Technologiezentrum für unsere globalen Märkte“. Das lokale Entwicklungsmodell verkürzt die Entwicklungszeit nach VW-Angaben um bis zu 30 Prozent.

Vega und L3: Die Technik hinter dem Kurswechsel

Unter dem Namen Vega fasst VW China eine in China entwickelte Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und ein Fahrerassistenzsystem zusammen. China-Chef Ralf Brandstätter will damit neue Technik schneller und günstiger entwickeln und in Serie bringen, die Position im chinesischen Markt stärken und das Geschäft über China hinaus ausbauen. Laut Berichten gehören 850-Volt-Schnellladen und die Vorbereitung auf hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 dazu, der Start ist für 2027 vorgesehen.

Passend dazu hatte VW wenige Tage vorher in Hefei eine Genehmigung für Straßentests mit L3-Systemen erhalten. Entwickelt wird die Technik vom Gemeinschaftsunternehmen Carizon, an dem VW über seine Softwaretochter Cariad 60 Prozent hält und rund 2,4 Milliarden Euro investiert hat; Partner ist Horizon Robotics. Ziel ist die L3-Serienreife 2027, für L4 nennt VW das Jahr 2029. Eine Testgenehmigung ist allerdings noch keine Zulassung für Kundenfahrzeuge.

VW und Horizon Robotics
Volkswagen entwickelt seine Fahrassistenz für China gemeinsam mit Horizon Robotics im Joint Venture Carizon.
Bild-Quelle: Volkswagen

Warum VW umsteuert: Absatzeinbruch in China

Der Druck ist enorm. Im dritten Quartal 2026 sanken die VW-Auslieferungen in China um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge; der China-Rückgang machte mehr als 80 Prozent des gesamten Konzernminus aus. Mehr zu den Quartalszahlen steht in unserem Bericht zum China-Minus von VW und Mercedes. Brandstätter erwartet, dass der chinesische Pkw-Markt in diesem Jahr um rund 20 Prozent beziehungsweise etwa 4,5 Millionen Fahrzeuge schrumpft. Der Branchenverband CPCA meldet für die ersten neun Monate ein Minus von 21,7 Prozent.

Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller ins Ausland, ihre Exporte stiegen im September um 73,7 Prozent. Aus Konzernkreisen hieß es, mit Produkten aus Europa sei diese Konkurrenz in Schwellenländern kaum zu kontern, daher wolle VW selbst aus China exportieren. Die Zusammenarbeit mit Xpeng hat in China bisher allerdings wenig gebracht: Das erste gemeinsame Modell, der ID. UNYX 08, blieb weit hinter den Erwartungen.

Einen Tag vor dem Technik-Tag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Entwicklungszentrum in Hefei besucht und dort den ID. Aura T6 von FAW-Volkswagen sowie den ID. Era 5X von SAIC Volkswagen mit Fahrassistenz von Carizon ausprobiert. Brandstätter nennt Hefei das größte VW-Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands.

Die Ankündigung im Überblick

Die wichtigsten Punkte aus Hefei auf einen Blick:

Neues Motto„In China, Beyond China“ (bisher „In China, for China“)
Technik für den ExportPlattform CMP + Elektronikarchitektur CEA
ZielregionenSüdamerika (zuerst, vor 2030), Afrika, Südostasien
Europain Hefei nicht genannt
Entwicklungszeitbis zu 30 % kürzer (VW-Angabe)
Technikpaket VegaElektronikarchitektur, Plattformen, Fahrassistenz; laut Berichten 850 V und L3-fähig, Start 2027
L3-TestgenehmigungHefei, Ziel Serienreife 2027, L4 2029
VW-Absatz China Q3 2026405.800 (−38,5 %)
Marktprognose China 2026rund −20 % (Brandstätter)

Stand 28.10.2026. Angaben laut Volkswagen und Berichten zum Technik-Tag in Hefei.

Kommen China-VWs damit nach Europa?

Vorerst nicht. In Hefei war ausschließlich von Märkten im Globalen Süden die Rede, Europa und Nordamerika gehören nicht zu den genannten Zielregionen. Markenchef Thomas Schäfer hatte auf dem Pariser Autosalon zwar angekündigt, ein oder mehrere Fahrzeuge aus China in weitere Märkte zu bringen, auch damals stand der Globale Süden an erster Stelle. Ein Bericht vom 26. Oktober, wonach VW die CEA-Architektur auch für große Teile der nächsten europäischen VW-, Skoda- und Cupra-Generation prüft, hat der Konzern nicht kommentiert. Für in China gebaute reine E-Autos würden in der EU zudem der Basiszoll von 10 Prozent und Ausgleichszölle fällig.

Einordnung

Der Kurswechsel ist ein Eingeständnis: China ist für VW nicht mehr vor allem Gewinnquelle, sondern günstige Entwicklungs- und Exportbasis. Für Europa bedeutet das zweierlei. Kurzfristig ändert sich für Käufer in Deutschland nichts, denn die China-Technik zielt auf Schwellenländer, in denen VW gegen BYD, Chery und Geely Boden verliert. Langfristig wird die Frage, ob CEA und Vega auch in europäische Modelle wandern, zum Gradmesser dafür, wie abhängig Europas größter Autobauer von chinesischer Software- und Elektronikkompetenz wird.

Was bedeutet „In China, Beyond China“ bei Volkswagen?
Volkswagen hat am 28. Oktober 2026 angekündigt, in China entwickelte Technik und dort gebaute Autos künftig auch in andere Märkte zu bringen. Bisher entwickelte VW in China nur für den chinesischen Markt.
In welche Länder will VW China-Technik exportieren?
Genannt wurden Südamerika, das südliche Afrika und Südostasien. Südamerika soll die Plattform CMP mit der Architektur CEA als erste Region noch vor Ende des Jahrzehnts bekommen.
Was ist VW Vega?
Vega ist ein in Hefei vorgestelltes Technikpaket aus in China entwickelter Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und Fahrerassistenz. Laut Berichten gehören 850-Volt-Schnellladen und die Vorbereitung auf Level 3 dazu, der Start ist für 2027 geplant.
Kommen VW-Modelle aus China nach Deutschland?
Das hat VW in Hefei nicht angekündigt. Europa gehörte nicht zu den genannten Zielregionen. Einen Bericht, wonach VW die CEA-Architektur auch für Europa prüft, hat der Konzern nicht kommentiert.
Wie stark ist VW in China eingebrochen?
Im dritten Quartal 2026 lieferte VW in China 405.800 Fahrzeuge aus, 38,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Das war mehr als 80 Prozent des gesamten Konzernrückgangs.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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