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„In China, Beyond China“: Was VW in Hefei angekündigt hat
Beim ersten Technik-Tag von Volkswagen China im Entwicklungszentrum Hefei sprach der Konzern von einer „entscheidenden Veränderung“. Bisher galt das Prinzip, in China ausschließlich für den chinesischen Markt zu entwickeln. Künftig sollen die Gemeinschaftsunternehmen in China auch Märkte im Ausland beliefern, genannt wurden Südostasien, das südliche Afrika und Südamerika.
Konkret soll die Kompaktplattform CMP zusammen mit der China Electronic Architecture (CEA) in die nächste Modellgeneration für den sogenannten Globalen Süden einfließen. CEA hat VW gemeinsam mit chinesischen Partnern entwickelt, allen voran mit Xpeng. Als erste Region soll Südamerika die Technik noch vor Ende des Jahrzehnts übernehmen. Zusätzlich will VW mehr in China gebaute Volkswagen- und Jetta-Modelle nach Südamerika und Afrika verschiffen. Schon heute exportiert der Konzern Autos aus China unter anderem in den Nahen Osten, nach Kasachstan und nach Usbekistan.
Konzernchef Oliver Blume bezeichnete China als „Innovationsmotor“ und zunehmend als „Produkt- und Technologiezentrum für unsere globalen Märkte“. Das lokale Entwicklungsmodell verkürzt die Entwicklungszeit nach VW-Angaben um bis zu 30 Prozent.
Vega und L3: Die Technik hinter dem Kurswechsel
Unter dem Namen Vega fasst VW China eine in China entwickelte Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und ein Fahrerassistenzsystem zusammen. China-Chef Ralf Brandstätter will damit neue Technik schneller und günstiger entwickeln und in Serie bringen, die Position im chinesischen Markt stärken und das Geschäft über China hinaus ausbauen. Laut Berichten gehören 850-Volt-Schnellladen und die Vorbereitung auf hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 dazu, der Start ist für 2027 vorgesehen.
Passend dazu hatte VW wenige Tage vorher in Hefei eine Genehmigung für Straßentests mit L3-Systemen erhalten. Entwickelt wird die Technik vom Gemeinschaftsunternehmen Carizon, an dem VW über seine Softwaretochter Cariad 60 Prozent hält und rund 2,4 Milliarden Euro investiert hat; Partner ist Horizon Robotics. Ziel ist die L3-Serienreife 2027, für L4 nennt VW das Jahr 2029. Eine Testgenehmigung ist allerdings noch keine Zulassung für Kundenfahrzeuge.
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Warum VW umsteuert: Absatzeinbruch in China
Der Druck ist enorm. Im dritten Quartal 2026 sanken die VW-Auslieferungen in China um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge; der China-Rückgang machte mehr als 80 Prozent des gesamten Konzernminus aus. Mehr zu den Quartalszahlen steht in unserem Bericht zum China-Minus von VW und Mercedes. Brandstätter erwartet, dass der chinesische Pkw-Markt in diesem Jahr um rund 20 Prozent beziehungsweise etwa 4,5 Millionen Fahrzeuge schrumpft. Der Branchenverband CPCA meldet für die ersten neun Monate ein Minus von 21,7 Prozent.
Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller ins Ausland, ihre Exporte stiegen im September um 73,7 Prozent. Aus Konzernkreisen hieß es, mit Produkten aus Europa sei diese Konkurrenz in Schwellenländern kaum zu kontern, daher wolle VW selbst aus China exportieren. Die Zusammenarbeit mit Xpeng hat in China bisher allerdings wenig gebracht: Das erste gemeinsame Modell, der ID. UNYX 08, blieb weit hinter den Erwartungen.
Einen Tag vor dem Technik-Tag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Entwicklungszentrum in Hefei besucht und dort den ID. Aura T6 von FAW-Volkswagen sowie den ID. Era 5X von SAIC Volkswagen mit Fahrassistenz von Carizon ausprobiert. Brandstätter nennt Hefei das größte VW-Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands.
Die Ankündigung im Überblick
Die wichtigsten Punkte aus Hefei auf einen Blick:
| Neues Motto | „In China, Beyond China“ (bisher „In China, for China“) |
| Technik für den Export | Plattform CMP + Elektronikarchitektur CEA |
| Zielregionen | Südamerika (zuerst, vor 2030), Afrika, Südostasien |
| Europa | in Hefei nicht genannt |
| Entwicklungszeit | bis zu 30 % kürzer (VW-Angabe) |
| Technikpaket Vega | Elektronikarchitektur, Plattformen, Fahrassistenz; laut Berichten 850 V und L3-fähig, Start 2027 |
| L3-Testgenehmigung | Hefei, Ziel Serienreife 2027, L4 2029 |
| VW-Absatz China Q3 2026 | 405.800 (−38,5 %) |
| Marktprognose China 2026 | rund −20 % (Brandstätter) |
Stand 28.10.2026. Angaben laut Volkswagen und Berichten zum Technik-Tag in Hefei.
Kommen China-VWs damit nach Europa?
Vorerst nicht. In Hefei war ausschließlich von Märkten im Globalen Süden die Rede, Europa und Nordamerika gehören nicht zu den genannten Zielregionen. Markenchef Thomas Schäfer hatte auf dem Pariser Autosalon zwar angekündigt, ein oder mehrere Fahrzeuge aus China in weitere Märkte zu bringen, auch damals stand der Globale Süden an erster Stelle. Ein Bericht vom 26. Oktober, wonach VW die CEA-Architektur auch für große Teile der nächsten europäischen VW-, Skoda- und Cupra-Generation prüft, hat der Konzern nicht kommentiert. Für in China gebaute reine E-Autos würden in der EU zudem der Basiszoll von 10 Prozent und Ausgleichszölle fällig.
Der Kurswechsel ist ein Eingeständnis: China ist für VW nicht mehr vor allem Gewinnquelle, sondern günstige Entwicklungs- und Exportbasis. Für Europa bedeutet das zweierlei. Kurzfristig ändert sich für Käufer in Deutschland nichts, denn die China-Technik zielt auf Schwellenländer, in denen VW gegen BYD, Chery und Geely Boden verliert. Langfristig wird die Frage, ob CEA und Vega auch in europäische Modelle wandern, zum Gradmesser dafür, wie abhängig Europas größter Autobauer von chinesischer Software- und Elektronikkompetenz wird.

