Bild-Quelle: Jaecoo
12,7 gegen 11,9 Prozent: China-Marken erstmals vor Japan
Von Juli bis September 2026 haben chinesische Marken in Europa zum ersten Mal über ein ganzes Quartal hinweg die japanische Konkurrenz hinter sich gelassen. Nach Dataforce-Zahlen lag ihr Marktanteil bei 12,7 Prozent, die japanischen Hersteller einschließlich Toyota und Nissan erreichten 11,9 Prozent. Die Zulassungen chinesischer Marken haben sich im Jahresvergleich ungefähr verdoppelt.
Der Abstand von 0,8 Prozentpunkten wirkt klein, die Symbolik ist groß: Toyota verkauft seit 1963 Autos in Europa und betreibt hier mehrere Werke, Nissan baut seit 1986 im britischen Sunderland. Chinesische Marken spielten vor fünf Jahren mit rund 1 Prozent Marktanteil praktisch keine Rolle. Den Takt gab dabei vor allem der September vor: Dort erreichten sie mit 14,5 Prozent einen Rekordwert, wie wir in unserer Auswertung der September-Zahlen berichtet hatten.
Hybride treiben das Wachstum – und nicht nur BYD
Getragen wurde der Zuwachs vor allem von Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Modellen. Für sie gelten die EU-Zusatzzölle nicht, die seit Ende 2024 nur auf reine Elektroautos aus China erhoben werden. Neben BYD wächst vor allem der Chery-Konzern mit seinen Marken Chery, Omoda und Jaecoo: Im September lag er nach ACEA-Zahlen in EU, EFTA und Großbritannien mit 52.801 Neuzulassungen erstmals vor BYD mit 49.953 – mehr dazu in unserem Bericht, wie Chery an BYD vorbeizog.
Wie stark die Gewichte schon verschoben sind, zeigt Großbritannien: Der Jaecoo 7, ein Plug-in-Hybrid-SUV der Chery-Gruppe, war dort im März und im September das meistverkaufte Auto überhaupt. Bei BYD ist der Plug-in-Hybrid Seal U DM-i eines der wichtigsten Volumenmodelle in Europa.
| Marktanteil China-Marken Europa, Q3 2026 | 12,7 % |
| Marktanteil japanische Marken Europa, Q3 2026 | 11,9 % |
| Marktanteil China-Marken Europa, September 2026 | 14,5 % (Rekord) |
| Marktanteil China-Marken Europa, Januar bis September 2026 | 10,5 % |
| Marktanteil China-Marken Europa vor fünf Jahren | rund 1 % |
| Anteil China-Marken in Deutschland, September 2026 | rund 6 % |
| Anteil China-Marken in Großbritannien, September 2026 | rund 23 % |
| Absolute Q3-Zulassungszahlen nach Marken | nicht veröffentlicht |
Stand 26.10.2026. Daten: Dataforce (Europa-Marktanteile), Deutschland/Großbritannien aus den vorläufigen September-Daten.
Deutschland hinkt hinterher, Großbritannien prescht vor
Innerhalb Europas fällt der China-Anteil sehr unterschiedlich aus. In Großbritannien, wo es keine EU-Zusatzzölle gibt, kamen chinesische Marken im September auf rund 23 Prozent der Neuzulassungen. In Deutschland waren es zuletzt nur rund 6 Prozent. Hierzulande dominieren weiter VW, BMW, Mercedes und die Stellantis-Marken, und viele chinesische Marken haben ihr Händlernetz erst im Aufbau. Chery etwa startet mit eigenen Modellen erst 2027 in Deutschland.
Für deutsche Käufer heißt das: Die Auswahl wächst spürbar, der Preisdruck auf etablierte Marken ebenfalls. Gerade im Segment der Plug-in-Hybrid-SUV zwischen 30.000 und 45.000 Euro konkurrieren chinesische Modelle inzwischen direkt mit Toyota, Hyundai und VW.
Bild-Quelle: BYD
EU zieht die Zügel an – Hersteller bauen in Europa
Politisch wird der Spielraum enger. Neben den Zusatzzöllen auf chinesische Elektroautos von bis zu 35,3 Prozent haben sich EU und China im Oktober grundsätzlich darauf verständigt, die schnell wachsenden Hybrid-Exporte zu begrenzen. Laut Berichten ist eine Obergrenze von 350.000 Fahrzeugen pro Jahr mit 6 Prozent jährlichem Zuwachs im Gespräch, die Anfang Dezember greifen könnte. Zudem prüft die EU, Förderungen und Steuervorteile für Dienstwagen an eine Produktion in Europa zu knüpfen.
Die Hersteller reagieren mit eigenen Werken: BYD steht kurz vor dem Serienstart in Szeged (Ungarn), Leapmotor baut den B10 bereits bei Stellantis in Zaragoza, und Chery bereitet die Produktion in Barcelona vor. Chery erwartet, dass bis Ende 2026 mehr als die Hälfte seiner Exportfahrzeuge außerhalb Chinas gebaut wird.
Der Überholvorgang ist vor allem ein Hybrid-Erfolg: Ausgerechnet die Antriebsart, mit der Toyota Europa jahrzehntelang geprägt hat, bringt nun BYD und Chery nach vorn. Ob das Tempo hält, hängt stark von der geplanten Hybrid-Obergrenze der EU ab. Die lokalen Werke in Ungarn, Spanien und bald weiteren Ländern sind die Antwort darauf – wer in Europa baut, umgeht Quoten und Zölle. Für Deutschland ist der Effekt bisher kleiner als im europäischen Schnitt, das dürfte sich mit Chery, Xiaomi und weiteren Marktstarts 2027 ändern.

