Volkswagen bereitet sich darauf vor, in China entwickelte Elektroautos auch außerhalb Chinas anzubieten. VW-Markenchef Thomas Schäfer sagte am Rande des Pariser Autosalons, man mache sich bereit, „ein oder mehrere Fahrzeuge aus China“ einzuführen. Ein Modell, einen Termin oder ein Werk hat VW noch nicht genannt – als Kandidaten gelten die mit Xpeng entwickelte Limousine ID. UNYX 09 und das SUV ID. Aura T6.

VW ID. UNYX 09, China-Version
Der VW ID. UNYX 09 (China-Version) wurde gemeinsam mit Xpeng entwickelt und gilt als möglicher Import-Kandidat.
Bild-Quelle: Volkswagen

Was Thomas Schäfer gesagt hat

Der Chef der Marke Volkswagen Pkw äußerte sich auf dem Pariser Autosalon zu den China-Modellen des Konzerns. „Für die Zukunft bereiten wir uns darauf vor, ein oder mehrere Fahrzeuge aus China einzuführen“, sagte Schäfer. Und weiter: „Es geht nicht darum, eines der vorhandenen Fahrzeuge zu ersetzen.“ Die China-Modelle sollen das europäische Angebot also ergänzen, nicht ID.3, ID.4 oder ID.7 verdrängen.

Wichtig ist die Reihenfolge: Laut Schäfer beginnt VW jetzt mit Exporten aus China in den sogenannten globalen Süden, etwa nach Australien und in den Nahen Osten. Europa würde nach bisherigen Berichten erst danach folgen. Welche Modelle es konkret werden, wann sie kommen und ob sie importiert oder in Europa gebaut werden, ließ Schäfer offen.

Welche China-VWs als Kandidaten gelten

Genannt wird vor allem der ID. UNYX 09 mit Xpeng-Technik, eine gut 5,08 Meter lange Elektro-Limousine von Volkswagen Anhui. Sie nutzt den Turing-KI-Chip von Xpeng mit 750 TOPS und startete im September in China in den Vorverkauf. Bislang war das Modell ausdrücklich nur für China vorgesehen.

Zweiter Kandidat ist das SUV ID. Aura T6 von FAW-Volkswagen: 4,81 Meter lang, ein Motor mit bis zu 170 kW, LFP-Akku und 550 oder 620 Kilometer Reichweite nach CLTC (nach WLTP rund 15 bis 25 Prozent weniger). Es basiert auf der mit Xpeng entwickelten China-Elektronikarchitektur CEA. Bereits im Juli hatte ein Bericht das Range-Extender-SUV ID. Era 9X von SAIC-Volkswagen und ein SUV auf der neuen China-Plattform CSP als mögliche Importe genannt – mit Export frühestens Ende 2027.

AussageVW bereitet Import von „ein oder mehreren“ China-Modellen vor
WerThomas Schäfer, CEO Marke Volkswagen Pkw
Erste Zielmärkteglobaler Süden (u. a. Australien, Naher Osten)
Europa-Terminnicht bekannt (Bericht vom Juli: frühestens Ende 2027)
Kandidat LimousineID. UNYX 09 (Volkswagen Anhui, mit Xpeng)
Kandidat SUVID. Aura T6 (FAW-Volkswagen), 550/620 km CLTC
Weitere genannte ModelleID. Era 9X (Range Extender), CSP-SUV
Produktion in Europaoffen, von Schäfer nicht erwähnt

Stand 19.10.2026. Kandidaten laut Berichten, VW hat noch kein Modell offiziell bestätigt.

Volkswagen ID. Era 9X, China-Version
Das Range-Extender-SUV ID. Era 9X (China-Version) wurde schon im Sommer als möglicher Import genannt.
Bild-Quelle: Volkswagen

Zölle: Warum der Weg nach Europa teuer ist

Reine Elektroautos aus China tragen in der EU neben dem Basiszoll von 10 Prozent einen Ausgleichszoll, je nach Hersteller zwischen 20,7 und 35,3 Prozent. Plug-in-Hybride und Range-Extender sind von diesen Zusatzzöllen ausgenommen. Bisher hat VW nur für den Cupra Tavascan aus Anhui eine Ausnahme: Seit Februar 2026 gilt für ihn eine Preiszusage mit Mindestimportpreis und Mengenbegrenzung statt des Zusatzzolls.

Für jedes weitere China-Modell müsste VW entweder den Zoll zahlen, eine neue Zusage mit Brüssel aushandeln oder in Europa fertigen. Den letzten Weg gehen chinesische Marken bereits: Leapmotor baut den B10 im spanischen Zaragoza, Xpeng lässt bei Magna in Graz produzieren. Ein Bericht vom Sommer nannte für VW das Werk Zwickau als mögliche Option, bestätigt ist das nicht.

Der Hintergrund: VW verliert in China

Volkswagen hat in China mit Partnern wie Xpeng, SAIC und FAW eine eigene Elektro-Palette aufgebaut: 13 neue Modelle mit E-, Plug-in- oder Range-Extender-Antrieb sollen 2026 dort starten. Gleichzeitig brechen die Auslieferungen in China ein – im dritten Quartal um 38,5 Prozent. Die teuer entwickelten China-Modelle auch in anderen Märkten zu verkaufen, würde die Entwicklungskosten auf mehr Stückzahlen verteilen.

Für Europa wäre das ein Kurswechsel: Bisher galt, dass China-VWs in China bleiben. Erst vor wenigen Tagen hatte VW etwa die Limousine ID. Aura L5 ausschließlich für den chinesischen Markt vorgestellt. Graue Importe von China-VWs durch freie Händler hat der Konzern in der Vergangenheit ausdrücklich bekämpft.

Einordnung

Schäfers Aussage ist eine Absichtserklärung, kein Marktstart. Ein ID. UNYX 09 beim deutschen VW-Händler ist frühestens 2027 realistisch – und nur, wenn VW die Zollfrage löst. Spannend ist das Signal: Wenn selbst Volkswagen Autos mit Xpeng-Elektronik nach Europa holen will, ist chinesische Software endgültig zum Wettbewerbsfaktor geworden. Für Käufer könnte das mehr Technik zum günstigeren Preis bedeuten, allerdings müssten Assistenzsysteme und Software erst für Europa angepasst und zugelassen werden.

Bringt VW China-Modelle nach Deutschland?
VW-Markenchef Thomas Schäfer sagte auf dem Pariser Autosalon, man bereite sich darauf vor, ein oder mehrere Fahrzeuge aus China einzuführen. Ein konkretes Modell oder ein Termin für Deutschland wurde nicht genannt.
Kommt der VW ID. UNYX 09 nach Europa?
Der ID. UNYX 09 gilt laut Berichten als Kandidat, bestätigt ist das nicht. Bisher war die mit Xpeng entwickelte Limousine nur für China vorgesehen.
Wann könnten China-VWs in Europa starten?
Zuerst sollen Märkte im globalen Süden wie Australien und der Nahe Osten beliefert werden. Ein Bericht vom Juli nannte für Europa frühestens Ende 2027.
Welche Zölle fallen für Elektro-VWs aus China an?
Reine E-Autos aus China zahlen 10 Prozent Basiszoll plus je nach Hersteller 20,7 bis 35,3 Prozent Ausgleichszoll. Nur der Cupra Tavascan ist dank einer Preiszusage davon befreit.
Ersetzen China-Modelle den ID.3 oder ID.4?
Nein. Schäfer betonte, es gehe nicht darum, vorhandene Fahrzeuge zu ersetzen. Die China-Modelle sollen das Angebot ergänzen.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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