Mercedes-Benz hat am 27. Oktober 2026 per Ad-hoc-Mitteilung seine Prognose für 2026 gesenkt. Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft soll nur noch 2 bis 3 Prozent erreichen statt bisher 3 bis 5 Prozent. Als Gründe nennt der Konzern ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld in China und höhere Kosten im vierten Quartal. Nach BMW und Volkswagen hat damit auch der dritte große deutsche Hersteller seinen Ausblick zurückgenommen.

Xiaomi SU7 Facelift 2026
Xiaomi SU7 (Facelift 2026, China-Version): Lokale Anbieter wie Xiaomi und BYD haben Mercedes in China Marktanteile abgenommen.
Bild-Quelle: Xiaomi

Was Mercedes am Dienstag mitgeteilt hat

Die Mitteilung kam am Dienstagmorgen kurz vor 10 Uhr, einen Tag vor den regulären Quartalszahlen. Mercedes erwartet für das Gesamtjahr 2026 nun ein Konzern-EBIT auf dem Niveau des Vorjahres. Bisher hatte der Konzern ein deutlich höheres Ergebnis in Aussicht gestellt. Auch beim Geld, das im Industriegeschäft übrig bleibt, wird Mercedes vorsichtiger: Der industrielle Free Cashflow soll jetzt deutlich unter dem Vorjahr liegen, zuvor war nur von leicht darunter die Rede.

Begründet wird der Schritt mit zwei Faktoren: dem schwierigen Geschäft in China und höheren Kosten im vierten Quartal, unter anderem für Material. Für die Transportersparte (8 bis 10 Prozent Rendite) und die Finanzdienstleistungen hält Mercedes an den bisherigen Zielen fest. Die Aktie verlor am Vormittag zeitweise rund 5 Prozent.

Neue Prognose 2026 und Q3-Eckdaten im Überblick

Zusammen mit dem neuen Ausblick veröffentlichte Mercedes vorläufige, ungeprüfte Kennzahlen für das dritte Quartal. Die Pkw-Rendite lag bei 2,5 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 4,8 Prozent.

Pkw-Umsatzrendite 2026 (bereinigt), neu2 bis 3 %
Pkw-Umsatzrendite 2026, bisher3 bis 5 %
Konzern-EBIT 2026, neuauf Vorjahresniveau (bisher deutlich darüber)
Industrieller Free Cashflow 2026, neudeutlich unter Vorjahr (bisher leicht darunter)
Pkw-Umsatzrendite Q3 20262,5 % (Vorjahr 4,8 %)
Konzern-EBIT Q3 20261,77 Mrd. Euro
Industrieller Free Cashflow Q3 2026172 Mio. Euro
Transporter-Rendite Q3 20269,4 %
Pkw-Absatz China Q3 202686.800 (−31 %)
Nettogewinn Q3 2026folgt am 28.10.2026

Stand 27.10.2026. Q3-Werte vorläufig und ungeprüft laut Ad-hoc-Mitteilung von Mercedes-Benz; China-Absatz laut Absatzmeldung vom Oktober.

China: Vom Gewinnbringer zum Problemmarkt

Wie hart das China-Geschäft getroffen ist, hatten schon die Absatzzahlen gezeigt: Im dritten Quartal lieferte Mercedes in China nur noch 86.800 Pkw aus, ein Minus von 31 Prozent. Bereits im zweiten Quartal lag der Rückgang bei rund 30 Prozent. Über die ersten neun Monate summiert sich das Minus auf etwa 29 Prozent, nachdem die China-Auslieferungen schon 2025 auf den tiefsten Stand seit 2016 gefallen waren. Die Details stehen in unserem Artikel zu den China-Einbrüchen von VW und Mercedes im dritten Quartal.

Hinter dem Rückgang steht neben der schwachen Konjunktur in China vor allem die heimische Konkurrenz. Lokale Hersteller wie Xiaomi und BYD haben gerade im Premium- und Elektrosegment Kunden abgeworben, die früher zu deutschen Marken gegriffen hätten. Chinesische Elektroautos bieten dort große Displays, Assistenzsysteme und kurze Ladezeiten zu Preisen, mit denen deutsche Importmodelle kaum mithalten. Einen Überblick über das Angebot des Marktführers gibt es bei den BYD-Modellen.

BMW, VW, Mercedes: Alle drei haben ihren Ausblick gesenkt

Mercedes ist der letzte der drei großen deutschen Autokonzerne, der seine Jahresprognose zurücknimmt. Zuvor hatten bereits BMW und Volkswagen ihre Ausblicke gesenkt und dabei ebenfalls auf die Schwäche in China verwiesen. Bei BMW waren die China-Auslieferungen im dritten Quartal um 24,8 Prozent eingebrochen, wie unser Artikel zum BMW-Absatz in China zeigt.

Für Mercedes kommt ein Zielkonflikt hinzu: Der Konzern setzt unter Vorstandschef Ola Källenius auf höherpreisige Modelle und muss seine Marke in China schützen, gleichzeitig aber neue Modelle finanzieren und die Kosten in Deutschland senken. Mit einer Pkw-Rendite von 2 bis 3 Prozent bleibt dafür deutlich weniger Spielraum als geplant. Detaillierte Quartalszahlen inklusive Nettogewinn will Mercedes am 28. Oktober vorlegen.

Xiaomi YU7
Xiaomi YU7 (China-Version): Mit Elektro-SUVs wie diesem greift Xiaomi in China auch Premium-Kundschaft an.
Bild-Quelle: Xiaomi
Einordnung

Die Gewinnwarnung zeigt, dass die chinesische Konkurrenz die deutschen Hersteller nicht nur in China, sondern bis in die Bilanz trifft. Weniger Ertrag aus China bedeutet weniger Geld für neue Elektromodelle und Software, also genau für die Felder, in denen chinesische Marken jetzt auch in Europa angreifen. Für deutsche Autokäufer ändert sich kurzfristig nichts an Preisen oder Modellen. Mittelfristig dürfte der Kostendruck aber die Spar- und Kooperationsprogramme der deutschen Hersteller weiter verschärfen.

Warum hat Mercedes seine Prognose für 2026 gesenkt?
Mercedes nannte am 27. Oktober 2026 zwei Gründe: ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld in China und höhere Kosten im vierten Quartal, unter anderem für Material.
Welche Rendite erwartet Mercedes jetzt im Pkw-Geschäft?
Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte soll 2026 nur noch 2 bis 3 Prozent erreichen. Zuvor hatte Mercedes 3 bis 5 Prozent angepeilt. Im dritten Quartal lag sie bei 2,5 Prozent.
Wie stark ist der Mercedes-Absatz in China gefallen?
Im dritten Quartal 2026 lieferte Mercedes in China 86.800 Pkw aus, 31 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten betrug das Minus rund 29 Prozent.
Welche chinesischen Marken setzen Mercedes in China unter Druck?
Vor allem lokale Hersteller wie Xiaomi und BYD haben Mercedes in China Marktanteile abgenommen, besonders bei Elektroautos und im Premiumsegment.
Haben auch BMW und VW ihre Prognosen gesenkt?
Ja. BMW und Volkswagen hatten ihre Ausblicke bereits vor Mercedes gesenkt und ebenfalls auf die Schwäche in China verwiesen. Mercedes war der letzte der drei großen deutschen Autokonzerne.

Mach ChinaElektro.de zu deiner bevorzugten Quelle auf Google – so siehst du unsere Berichte zu chinesischen E-Autos häufiger in den Schlagzeilen.

ChinaElektro.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

Kontakt:
redaktion@chinaelektro.de · LinkedIn