Great Wall Motor (GWM) baut sein erstes Werk in Europa: Ab dem ersten Quartal 2027 soll der Ora 5 in Bulgarien vom Band laufen, zunächst als Elektroauto. Geplant sind 50.000 Fahrzeuge pro Jahr. Damit will GWM die EU-Zusatzzölle umgehen und 2027 in Europa 60.000 Autos verkaufen.

GWM Ora 5
Den GWM Ora 5 will der Hersteller ab 2027 in Bulgarien bauen.
Bild-Quelle: GWM

Erstes GWM-Werk in Europa: die Eckdaten

Great Wall Motor hat am 27. Oktober bei seinem Tech Day in Mailand angekündigt, den Ora 5 ab dem ersten Quartal 2027 in Bulgarien zu bauen. Grundlage ist ein Fertigungsvertrag mit dem lokalen Partner Bulgaria Automotive Industry, der in Bahovitsa bei Lowetsch ein Werk betreibt. Geplant ist eine Kapazität von 50.000 Fahrzeugen pro Jahr; finanzielle Details nannte GWM nicht.

Für GWM ist es die erste Produktionsbasis in Europa. Ganz neu ist der Standort für die Marke allerdings nicht: Schon ab 2012 wurden in Bahovitsa GWM-Modelle aus Bausätzen montiert. Warum das Land für chinesische Hersteller interessant ist, haben wir im Hintergrund zu Bulgarien als E-Auto-Drehscheibe beschrieben.

ModellGWM Ora 5 (zuerst Elektroversion)
StandortBahovitsa bei Lowetsch, Bulgarien
PartnerBulgaria Automotive Industry
Produktionsstart1. Quartal 2027
Kapazität50.000 Fahrzeuge pro Jahr
Fertigungsart zum StartSKD-Montage, einige Teile lokal
Investitionssummenicht genannt
Weitere Modellespäter geplant, noch nicht benannt

Stand 28.10.2026. Angaben von GWM beim Tech Day in Mailand am 27.10.2026.

SKD-Montage zum Start – und ein klares Ziel

Zum Start setzt GWM auf SKD-Montage: Teilzerlegte Fahrzeuge kommen aus China und werden in Bulgarien fertiggestellt. „Wir werden mit der SKD-Montage beginnen, aber bereits von Anfang an einige Teile lokal beziehen“, sagte GWM-Technikchefin Nicole Wu. Zuerst läuft die Elektroversion vom Band, andere Antriebe und weitere Modelle sollen folgen.

Wu formulierte den Anspruch deutlich: „Wir wollen nicht nur Autos nach Europa verkaufen: Wir wollen Teil Europas werden.“ Von der Forschung bis zur Fertigung baue GWM ein vollständig lokalisiertes Ökosystem für Europa auf. Ein Entwicklungszentrum in München betreibt der Konzern bereits seit 2021.

Der wirtschaftliche Hintergrund: In China gebaute Elektroautos von GWM zahlen in der EU 20,7 Prozent Ausgleichszoll zusätzlich zu den regulären 10 Prozent Einfuhrzoll. Wie sich die Zusatzzölle zusammensetzen und warum Hybride ausgenommen sind, erklärt unser Überblick zu den EU-Strafzöllen auf China-E-Autos. Ob und wie stark ein in Bulgarien montierter Ora 5 davon entlastet wird, hängt auch vom lokalen Anteil an der Wertschöpfung ab – dazu hat GWM noch nichts gesagt.

Cockpit des GWM Ora 5 (China-Version)
Cockpit des Ora 5 in der China-Version.
Bild-Quelle: GWM

Große Ziele nach schwachem Jahr

GWM war einer der ersten chinesischen Hersteller in Europa, kam aber kaum voran. 2025 verkaufte der Konzern hier nur rund 3.500 Autos, knapp 30 Prozent weniger als im Vorjahr – während BYD, Chery und Leapmotor schnell wuchsen. Jetzt nennt GWM ehrgeizige Ziele: 60.000 Verkäufe in Europa 2027, ein Marktanteil von 3 bis 5 Prozent bis 2030 und mindestens zehn neue Modelle und Ableger in den nächsten zwei Jahren, auch jenseits reiner Elektroautos. Bis 2029 will GWM nach früheren Angaben 300.000 Fahrzeuge pro Jahr in Europa produzieren.

Der Ora 5 ist dabei das Schlüsselmodell. In Deutschland ist er seit August 2026 mit Benzinmotor (160 PS) ab 26.990 Euro Listenpreis zu haben; die Elektroversion mit 58,3-kWh-LFP-Akku, 150 kW (204 PS) und bis zu 435 km WLTP sollte im Spätherbst 2026 folgen. Alle Details stehen in unserem Bericht zum Deutschland-Start des Ora 5. In China kostet der Elektro-Ora-5 zwischen 99.800 und 133.800 Yuan, mit 45,3 oder 58,3 kWh und bis zu 580 km nach CLTC (nach WLTP rund 15 bis 25 Prozent weniger) – China-Preise sind allerdings keine Deutschland-Preise.

Europa-Verkäufe 2025ca. 3.500 (knapp −30 %)
Ziel Europa-Verkäufe 202760.000
Ziel Produktion Europa 2029300.000 pro Jahr
Ziel Marktanteil Europa 20303–5 %
Neue Modelle/Ablegermind. 10 in zwei Jahren
Ora 5 Elektro (DE-Daten)58,3 kWh LFP, 150 kW, bis 435 km WLTP
Ora 5 Elektro Preis Deutschlandnoch nicht veröffentlicht

Stand 28.10.2026. Ziele laut GWM, Verkaufszahl 2025 gerundet.

Einordnung

Ein Werk mit 50.000 Einheiten pro Jahr ist ein Anfang, kein Durchbruch – und SKD-Montage heißt vorerst: Ein großer Teil des Autos kommt weiter aus China. Für Käufer zählt am Ende, ob der Elektro-Ora-5 dadurch günstiger oder schneller verfügbar wird. Beides hat GWM noch nicht beziffert. Das Ziel von 60.000 Verkäufen 2027 wäre ein Sprung um mehr als das Fünfzehnfache gegenüber 2025.

Wo baut GWM den Ora 5 in Europa?
GWM lässt den Ora 5 bei einem lokalen Partner in Bulgarien bauen. Das Werk von Bulgaria Automotive Industry liegt in Bahovitsa bei Lowetsch (Lovech). GWM hat dort schon früher Autos montieren lassen.
Ab wann wird der Ora 5 in Bulgarien gebaut?
Die Produktion soll im ersten Quartal 2027 starten. Geplant ist eine Kapazität von 50.000 Fahrzeugen pro Jahr.
Welche Version des Ora 5 läuft in Bulgarien vom Band?
Zum Start baut das Werk die Elektroversion des Ora 5. Weitere Antriebe und Modelle sollen später folgen. Anfangs werden teilzerlegte Fahrzeuge (SKD) montiert, einige Teile kommen aber von Beginn an aus Europa.
Warum baut GWM in der EU?
In China gebaute Elektroautos von GWM zahlen in der EU 20,7 Prozent Ausgleichszoll zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent. Eine Fertigung in der EU kann diese Zusatzlast verringern. GWM betonte, man wolle Teil Europas werden.
Wird der Ora 5 Elektro dadurch in Deutschland günstiger?
Das ist offen. GWM hat keine Preise für in Bulgarien gebaute Fahrzeuge genannt. Der Ora 5 mit Benzinmotor startete in Deutschland im August 2026 bei 26.990 Euro Listenpreis, für die Elektroversion hat GWM noch keinen deutschen Preis veröffentlicht.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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