Opel bringt einen neuen vollelektrischen SUV auf den Markt – entwickelt in Rüsselsheim, technisch aber auf der Elektroplattform des chinesischen Partners Leapmotor. Batterie, Antrieb und elektrische Architektur kommen aus China; Design, Fahrwerk, Sicherheits- und Lichttechnik gestaltet Opel selbst. Produktionsstart ist für 2028 im spanischen Werk Figueruelas vorgesehen, wo parallel bereits der Leapmotor B10 gebaut werden soll. Stellantis vertieft damit eine Partnerschaft, die 2023 mit einem 21-Prozent-Anteil an Leapmotor begann.
Leapmotor B10 Panoramadach

Im spanischen Stellantis-Werk Figueruelas wird ab 2028 ein neuer Opel Elektro-SUV auf Leapmotor-Basis gebaut
Bild-Quelle: Leapmotor

Rüsselsheim gestaltet, Hangzhou liefert den Antrieb

Das geplante neue Opel-SUV im C-Segment ist keine schlichte Badge-Engineering-Maßnahme, bei der lediglich das Logo gewechselt wird. Laut Opel-Chef Florian Huettl soll das Fahrzeug in Rüsselsheim gestaltet und von einem gemeinsamen Team aus deutschen und chinesischen Ingenieuren in weniger als zwei Jahren zur Serienreife entwickelt werden – deutlich schneller als klassische Fahrzeugprojekte im Stellantis-Konzern.

Die Arbeitsteilung ist klar: Leapmotor liefert Batterie, Elektromotoren und die elektrische Gesamtarchitektur, die auf der aktuellen LEAP-3.5-Plattform basiert – derselben Technik, die auch im Leapmotor C10 und im Leapmotor B10 steckt. Opel verantwortet Fahrwerk, Lenkung, Sitze, Lichttechnik, Design und Bedienkonzept. Das neue Fahrzeug soll die bestehende SUV-Palette des Herstellers – Mokka, Frontera, Grandland – nach oben hin ergänzen und direkt im C-Segment der europäischen Elektroautokonkurrenz antreten.

Den Leapmotor B10 – die wahrscheinlichste technische Basis – gibt es in Deutschland bereits zu kaufen. Er ist 4.520 Millimeter lang, leistet 160 kW aus dem Hinterradantrieb, verfügt über Akkus mit 56 oder 67 kWh Kapazität und kostet ab 29.900 Euro. Mit ähnlichen Eckdaten, aber Opel-spezifischem Auftritt und europakonformem Handling-Setup, wird das künftige Schwestermodell an den Start gehen.

Figueruelas als Drehscheibe: Leapmotor und Opel im selben Werk

Das Stellantis-Werk Figueruelas bei Saragossa in Spanien wird zum zentralen europäischen Produktionsstandort für die Leapmotor-Allianz. Dort läuft seit 1982 der Opel Corsa vom Band; künftig wird eine zusätzliche Fertigungslinie für den Leapmotor B10 (europäische Produktion geplant ab 2026) und für den neuen Opel-SUV (geplanter Start 2028) aufgebaut.

Ein zweiter Produktionsstandort kommt hinzu: Leapmotor prüft, das Stellantis-Werk Villaverde bei Madrid zu übernehmen und dort ab dem ersten Halbjahr 2028 ein weiteres Leapmotor-Modell zu fertigen – für Europa sowie für den Nahen Osten und Afrika. Das auslaufende Citroën-C4-Programm macht Kapazitäten frei.

Die Produktion in Spanien hat einen entscheidenden strategischen Vorteil: Fahrzeuge, die innerhalb der EU hergestellt werden, unterliegen nicht den Ausgleichszöllen auf chinesische Elektroauto-Importe. Leapmotor und Stellantis schaffen damit eine Kostenbasis, die Importeure ohne eigene Europafertigung nicht erreichen können.

Hintergrund: Wie die Stellantis-Leapmotor-Partnerschaft entstanden ist

Der Grundstein der Partnerschaft wurde 2023 gelegt, als Stellantis 21 Prozent der Anteile an Leapmotor übernahm und damit größter Einzelaktionär des chinesischen Herstellers wurde. Gleichzeitig gründeten beide Seiten das Joint Venture Leapmotor International, an dem Stellantis 51 Prozent und Leapmotor 49 Prozent hält. Leapmotor International ist zuständig für Vertrieb, Marketing und Produktion von Leapmotor-Fahrzeugen außerhalb Chinas.

Das erste konkrete Ergebnis dieser Partnerschaft in Deutschland ist der Leapmotor B10, der über Stellantis-nahe Händler angeboten wird. Die jetzt bekanntgewordene Ausweitung auf einen echten Opel-Markeneintrag auf Leapmotor-Basis geht einen Schritt weiter: Es geht nicht mehr nur um den Vertrieb eines chinesischen Fahrzeugs, sondern um den Transfer von Kerntechnologie in eine europäische Marke. In diesem Punkt ist Opel damit Vorreiter innerhalb des Stellantis-Konzerns – wobei die Partnerschaft ausdrücklich so ausgelegt ist, dass die Prüfung einer ähnlichen Nutzung für Fiat, Peugeot und Citroën mittelfristig ebenfalls auf dem Tisch liegt.

Opel-SUV auf Leapmotor-Basis – Eckdaten der Kooperation
Fahrzeugsegment C-Segment SUV (oberhalb Mokka, neben Grandland)
Entwicklungsstandort Rüsselsheim (Opel) + Hangzhou (Leapmotor)
Entwicklungszeit (Ziel) unter 2 Jahre (Huettl, Opel-CEO)
Geplanter Produktionsstart 2028
Produktionsstandort Figueruelas, Spanien (Stellantis-Werk)
Technische Basis Leapmotor-Elektroplattform (LEAP 3.5)
Batterie + Antrieb (Lieferant) Leapmotor
Design, Fahrwerk, Sicherheitstechnik Opel (Rüsselsheim)
Stellantis-Anteil an Leapmotor 21 %
Leapmotor B10 Referenzpreis Deutschland ab 29.900 Euro (aktuell erhältlich)
Opel-SUV Preis noch nicht bekannt

Quelle: Stellantis Investor Day 2026, Opel-Pressemitteilungen (media.stellantis.com). Angaben zur Leapmotor B10-Plattform (LEAP 3.5) aus offiziellen Leapmotor-Herstellerunterlagen.

Warum produziert Opel in Spanien statt in Deutschland?

Das Stellantis-Werk Figueruelas gehört zu den größten Automobilfabriken Europas und verfügt über die nötige Infrastruktur, um zusätzliche Baureihen aufzunehmen. Entscheidend ist aber auch der tarifliche Aspekt: Fahrzeuge, die innerhalb der EU produziert werden, unterliegen nicht den EU-Zusatzzöllen auf chinesische Elektroauto-Importe. Eine Produktion in Spanien ist für Stellantis und Leapmotor damit wirtschaftlich deutlich attraktiver als ein Import aus China.

Häufige Fragen

FAQ: Opel-SUV auf Leapmotor-Basis

Wann kommt das neue Opel-SUV auf Leapmotor-Basis?
Der Produktionsstart ist für 2028 im spanischen Werk Figueruelas vorgesehen. Opel-CEO Florian Huettl hat eine Entwicklungszeit von unter zwei Jahren genannt; das Projekt wurde im Umfeld des Stellantis Investor Day 2026 angekündigt.
Wo wird das neue Opel-SUV gebaut?
Das Fahrzeug soll ab 2028 im Stellantis-Werk Figueruelas bei Saragossa in Spanien vom Band laufen – demselben Werk, in dem bereits ab 2026 der Leapmotor B10 produziert werden soll und seit Jahrzehnten der Opel Corsa gebaut wird.
Was bedeutet „auf Leapmotor-Basis“?
Leapmotor liefert Batterie, Elektromotoren und die elektrische Gesamtarchitektur (LEAP-3.5-Plattform). Opel entwickelt darauf aufbauend ein eigenständiges Fahrzeug mit eigenem Design, Fahrwerk, Sitzen und Lichttechnik aus Rüsselsheim. Es ist mehr als ein Rebadging, aber weniger als eine eigenständige Neuentwicklung.
Wie hängen Stellantis und Leapmotor zusammen?
Stellantis übernahm 2023 einen 21-Prozent-Anteil an Leapmotor und gründete gemeinsam das Joint Venture Leapmotor International (51 % Stellantis, 49 % Leapmotor). Das JV ist zuständig für Vertrieb und Produktion von Leapmotor-Fahrzeugen außerhalb Chinas – auch für den in Deutschland erhältlichen B10.
Beeinflusst die chinesische Basis das Fahrgefühl des neuen Opel?
Opel gibt an, Fahrwerk, Lenkung und Sicherheitstechnik selbst zu entwickeln, um ein typisch europäisches Fahrgefühl zu gewährleisten. Ob das gelingt, lässt sich erst nach einer Probefahrt beurteilen. Der Leapmotor B10, der technisch verwandt ist, wird von ersten deutschen Testern als solide bewertet.

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