Brüssel soll Druck auf London machen: Berichten zufolge drängt die EU Großbritannien, die Zölle auf chinesische Autos anzuheben – offiziell bestätigt ist das nicht. Die Sorge: Über die britische Hintertür könnten Chinas Hersteller die EU-Sonderzölle von bis zu 45,3 Prozent aushebeln. Auf der Insel kommen chinesische Marken bereits auf rund 16 Prozent Marktanteil. Für Deutschland geht es um die Glaubwürdigkeit des EU-Zollschutzes – und um einen der wichtigsten Exportmärkte der eigenen Autoindustrie.

BYD Atto 2 Cockpit

Brüssel fordert von London höhere Zölle auf China-Autos.
Bild-Quelle: BYD

EU drängt Großbritannien zu Zöllen auf chinesische E-Autos

Die Europäische Union fordert Großbritannien auf, die Zölle auf Autos aus China zu erhöhen und seine Handelspolitik enger an die der EU anzulehnen. Das wurde am 25. September bekannt. Ein EU-Vertreter brachte dabei sogar eine Zollunion ins Spiel: Sie würde „die meisten Probleme von ‚Made in Europe‘ lösen“. Hintergrund ist die Befürchtung, dass chinesische Hersteller die EU-Zölle umgehen könnten, indem sie über Großbritannien in den Binnenmarkt drängen.

Der Unterschied ist groß. Die EU erhebt seit Oktober 2024 auf in China gebaute Elektroautos Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent – zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent, was eine Gesamtbelastung von bis zu 45,3 Prozent ergibt. Großbritannien ist diesem Schritt 2024 nicht gefolgt und verlangt nur seinen regulären Autozoll von 10 Prozent. Entsprechend stark sind chinesische Marken auf der Insel: Sie kommen 2026 zusammen auf rund 16 Prozent des britischen Neuwagenmarkts.

London reagiert zurückhaltend. Die Regierung von Premierminister Andy Burnham schließt eine Rückkehr in Zollunion oder Binnenmarkt weiterhin aus und betont, über Handelsmaßnahmen nach eigenen wirtschaftlichen Interessen zu entscheiden. Gleichzeitig will Burnham, dass Großbritannien unter den geplanten „Made in Europe“-Regeln der EU als vertrauenswürdiger Partner anerkannt wird – denn die britische Autoindustrie liefert in großem Umfang Teile in europäische Lieferketten. Genau hier setzt Brüssel den Hebel an.

Forderung der EU höhere britische Zölle auf China-Autos, engere Abstimmung der Handelspolitik
EU-Zoll auf China-E-Autos 10 % + 7,8 bis 35,3 % = bis zu 45,3 %
Britischer Zoll regulär 10 %, keine Sonderzölle
Marktanteil China-Marken in UK rund 16 % (2026)
Sorge der EU Umgehung der EU-Zölle über Großbritannien
Hebel der EU Zugang zu den „Made in Europe“-Regeln
Position Londons keine Zollunion, keine Rückkehr in den Binnenmarkt
Entscheidung offen

Stand: 28. September 2026. Weder die EU-Kommission noch die britische Regierung haben die Forderung bislang offiziell kommentiert. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.

Was das für den deutschen Markt bedeutet

Für deutsche Autokäufer ändert sich unmittelbar nichts: Ein in China gebautes Auto bleibt auch dann ein chinesisches Produkt, wenn es über Großbritannien verschifft wird, und unterliegt beim Import in die EU dem Sonderzoll. Heikler wird es, wenn chinesische Hersteller in Großbritannien Werke aufbauen oder dort Fahrzeuge mit hohem Anteil chinesischer Komponenten montieren. Solche Autos könnten über das Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien zollfrei auf den Kontinent gelangen, sofern sie die Ursprungsregeln erfüllen. Diese Lücke will Brüssel schließen, bevor sie entsteht.

Für die deutsche Autoindustrie hat der Streit zudem eine direkte wirtschaftliche Seite. Großbritannien ist einer der wichtigsten Exportmärkte für VW, BMW, Mercedes und Co. – und dort konkurrieren sie mit chinesischen Marken, die nur 10 Prozent Zoll zahlen. Hebt London die Zölle an, würde das die deutschen Hersteller auf der Insel entlasten. Umgekehrt könnte ein abgeschotteter britischer Markt den Exportdruck chinesischer Hersteller auf den Kontinent weiter verstärken. Es geht also um mehr als um britische Handelspolitik: Es geht darum, ob Europas Zollschutz lückenlos ist.

Einordnung

Die Forderung zeigt, dass die EU ihre Zollpolitik gegenüber China zunehmend europaweit denkt – nicht nur innerhalb der eigenen Grenzen. Großbritannien steckt in der Zwickmühle: Günstige China-Autos sind bei britischen Käufern beliebt, gleichzeitig hängt die eigene Autoindustrie an den europäischen Lieferketten. Eine schnelle Entscheidung ist nicht zu erwarten, der Ausgang aber für Europas gesamte Handelspolitik gegenüber China relevant. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

Was fordert die EU von Großbritannien?
Die EU drängt London, die Zölle auf chinesische Autos anzuheben und seine Handelspolitik stärker an die der EU anzupassen. Ein EU-Vertreter nannte eine Zollunion als beste Lösung.

Welche Zölle gelten in Großbritannien für China-Autos?
Nur der reguläre Einfuhrzoll von 10 Prozent. Die EU erhebt dagegen auf chinesische Elektroautos Sonderzölle von 7,8 bis 35,3 Prozent zusätzlich, insgesamt also bis zu 45,3 Prozent.

Wie stark sind chinesische Marken in Großbritannien?
Sie kommen 2026 zusammen auf rund 16 Prozent des britischen Neuwagenmarkts, deutlich mehr als in der EU.

Werden chinesische E-Autos in Deutschland dadurch teurer oder billiger?
Unmittelbar nicht. Ein in China gebautes Auto unterliegt beim EU-Import auch dann dem Sonderzoll, wenn es über Großbritannien kommt. Die Debatte betrifft vor allem mögliche Werke und Montage in Großbritannien.

Wie reagiert die britische Regierung?
Premierminister Andy Burnham lehnt eine Zollunion und die Rückkehr in den Binnenmarkt ab, will Großbritannien aber als vertrauenswürdigen Partner unter den „Made in Europe“-Regeln der EU anerkannt sehen.

Xpeng will 2027 in Deutschland 22.000 Autos zulassen

Xpeng will 2027 in Deutschland rund 22.000 Neuzulassungen erreichen – mehr als doppelt so viele wie im laufenden Jahr. Bis Ende September kam die Marke auf 7.023 Zulassungen (+279 %), für 2026 lautet das Ziel 10.000. Gleichzeitig soll das Händlernetz bis 2027 auf 130...

Typklassen: China-Autos holen bei Reparaturkosten auf

Bei der Kfz-Versicherung schmilzt der Vorsprung europäischer Autos gegenüber chinesischen Modellen: 2024 lagen neue europäische Fahrzeuge in der Versicherungseinstufung noch drei Typklassen besser, 2026 ist es nur noch eine. Das zeigt eine Analyse des Allianz Zentrums...

China-Hybride im Visier: EU-Handelsgespräche in Peking

EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič trifft am 8. Oktober in Peking Chinas Handelsminister. Im Fokus: die Flut an Hybridautos aus China, die den EU-Zöllen bisher entgehen. Ihre Exporte in die EU sind von 3.800 auf rund 50.000 pro Monat gestiegen. Deutschland und...

Smart #2: Der neue Fortwo kommt mit 290 km Reichweite

Der Nachfolger des legendären Fortwo nimmt Gestalt an: Der Smart #2 soll nach WLTP rund 290 Kilometer weit kommen und in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Gebaut wird der Zweisitzer von Smart, dem Gemeinschaftsunternehmen von Geely und Mercedes-Benz,...

China-Marken im September: 6,1 % Anteil, Xpeng +419 %

Jedes 16. neue Auto in Deutschland kommt inzwischen von einer chinesischen Marke: Im September erreichten sie zusammen 6,1 Prozent Marktanteil. Xpeng wuchs um 419 Prozent, Leapmotor um 191 Prozent, BYD bleibt mit 6.040 Zulassungen die Nummer eins. Im Jahresvergleich...

Tesla FSD wird TAD: Was China fehlt, was Deutschland plant

Aus Tesla FSD wird Tesla Assisted Driving (TAD): Den Namen trägt das System in China bereits, für Europa hat Tesla ihn jetzt angeboten. Was der China-Version gegenüber den USA fehlt, wie die Europa-Version abweicht und was Verkehrsminister Bilger mit Tesla vereinbart...

Stelato V8: Huaweis erster Luxus-Van mit 800 Volt

Huawei und BAIC steigen ins Geschäft mit Luxus-Vans ein: Der Stelato V8 ist 5,34 Meter lang, bietet sieben Sitze und kommt als Elektroauto mit bis zu 830 Kilometern Reichweite (CLTC) oder als Range-Extender mit bis zu 387 kW. Der Vorverkauf in China startet bei...

KBA September: 34,5 % E-Autos, BYD wächst, Tesla zieht davon

Der Elektro-Boom in Deutschland geht weiter: Im September waren laut Kraftfahrt-Bundesamt 34,5 Prozent aller Neuwagen reine Elektroautos – rund 88.600 Fahrzeuge, fast doppelt so viele wie vor einem Jahr. Chinesische Hersteller gehören zu den großen Gewinnern: BYD...

BYD im September: Bester Monat 2026, Rekord bei E-Autos

BYD hat im September 463.561 Fahrzeuge verkauft – 17 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie in keinem anderen Monat 2026. Reine Elektroautos erreichten mit 273.143 Einheiten einen Rekord, im Ausland verkaufte BYD 180.700 Autos (+154 Prozent). Das dritte Quartal...

Pariser Autosalon 2026: Alle China-Marken im Überblick

Der Pariser Autosalon 2026 (12. bis 18. Oktober) wird zur Bühne für China: Mehr als 20 chinesische Hersteller und Marken stellen aus, fast doppelt so viele wie 2024 – während BMW, Mini und die meisten Japaner fehlen. Li Auto feiert seine Europapremiere, Xpeng zeigt...

Mach ChinaElektro.de zu deiner bevorzugten Quelle auf Google – so siehst du unsere Berichte zu chinesischen E-Autos häufiger in den Schlagzeilen.

ChinaElektro.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

Kontakt:
redaktion@chinaelektro.de · LinkedIn