Brüssel fordert von London höhere Zölle auf China-Autos.
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EU drängt Großbritannien zu Zöllen auf chinesische E-Autos
Die Europäische Union fordert Großbritannien auf, die Zölle auf Autos aus China zu erhöhen und seine Handelspolitik enger an die der EU anzulehnen. Das wurde am 25. September bekannt. Ein EU-Vertreter brachte dabei sogar eine Zollunion ins Spiel: Sie würde „die meisten Probleme von ‚Made in Europe‘ lösen“. Hintergrund ist die Befürchtung, dass chinesische Hersteller die EU-Zölle umgehen könnten, indem sie über Großbritannien in den Binnenmarkt drängen.
Der Unterschied ist groß. Die EU erhebt seit Oktober 2024 auf in China gebaute Elektroautos Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent – zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent, was eine Gesamtbelastung von bis zu 45,3 Prozent ergibt. Großbritannien ist diesem Schritt 2024 nicht gefolgt und verlangt nur seinen regulären Autozoll von 10 Prozent. Entsprechend stark sind chinesische Marken auf der Insel: Sie kommen 2026 zusammen auf rund 16 Prozent des britischen Neuwagenmarkts.
London reagiert zurückhaltend. Die Regierung von Premierminister Andy Burnham schließt eine Rückkehr in Zollunion oder Binnenmarkt weiterhin aus und betont, über Handelsmaßnahmen nach eigenen wirtschaftlichen Interessen zu entscheiden. Gleichzeitig will Burnham, dass Großbritannien unter den geplanten „Made in Europe“-Regeln der EU als vertrauenswürdiger Partner anerkannt wird – denn die britische Autoindustrie liefert in großem Umfang Teile in europäische Lieferketten. Genau hier setzt Brüssel den Hebel an.
| Forderung der EU | höhere britische Zölle auf China-Autos, engere Abstimmung der Handelspolitik |
|---|---|
| EU-Zoll auf China-E-Autos | 10 % + 7,8 bis 35,3 % = bis zu 45,3 % |
| Britischer Zoll | regulär 10 %, keine Sonderzölle |
| Marktanteil China-Marken in UK | rund 16 % (2026) |
| Sorge der EU | Umgehung der EU-Zölle über Großbritannien |
| Hebel der EU | Zugang zu den „Made in Europe“-Regeln |
| Position Londons | keine Zollunion, keine Rückkehr in den Binnenmarkt |
| Entscheidung | offen |
Stand: 28. September 2026. Weder die EU-Kommission noch die britische Regierung haben die Forderung bislang offiziell kommentiert. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Für deutsche Autokäufer ändert sich unmittelbar nichts: Ein in China gebautes Auto bleibt auch dann ein chinesisches Produkt, wenn es über Großbritannien verschifft wird, und unterliegt beim Import in die EU dem Sonderzoll. Heikler wird es, wenn chinesische Hersteller in Großbritannien Werke aufbauen oder dort Fahrzeuge mit hohem Anteil chinesischer Komponenten montieren. Solche Autos könnten über das Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien zollfrei auf den Kontinent gelangen, sofern sie die Ursprungsregeln erfüllen. Diese Lücke will Brüssel schließen, bevor sie entsteht.
Für die deutsche Autoindustrie hat der Streit zudem eine direkte wirtschaftliche Seite. Großbritannien ist einer der wichtigsten Exportmärkte für VW, BMW, Mercedes und Co. – und dort konkurrieren sie mit chinesischen Marken, die nur 10 Prozent Zoll zahlen. Hebt London die Zölle an, würde das die deutschen Hersteller auf der Insel entlasten. Umgekehrt könnte ein abgeschotteter britischer Markt den Exportdruck chinesischer Hersteller auf den Kontinent weiter verstärken. Es geht also um mehr als um britische Handelspolitik: Es geht darum, ob Europas Zollschutz lückenlos ist.
Die Forderung zeigt, dass die EU ihre Zollpolitik gegenüber China zunehmend europaweit denkt – nicht nur innerhalb der eigenen Grenzen. Großbritannien steckt in der Zwickmühle: Günstige China-Autos sind bei britischen Käufern beliebt, gleichzeitig hängt die eigene Autoindustrie an den europäischen Lieferketten. Eine schnelle Entscheidung ist nicht zu erwarten, der Ausgang aber für Europas gesamte Handelspolitik gegenüber China relevant. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

