Der überarbeitete i6, der als „Li 6″ nach Europa kommen soll, erhält im vierten Quartal die neue 5C-Batterie sowie den ebenfalls selbst entwickelten Mach-Chip.
Bild-Quelle: Li Auto
Li Auto ersetzt CATL: eigene Batteriezellen für die ganze Modellpalette
Li Auto reduziert seine Abhängigkeit vom weltgrößten Batteriehersteller CATL und rüstet seine Modelle schrittweise auf selbst entwickelte 5C-Batteriezellen um. Den Fahrplan dazu hat der Hersteller Anfang September öffentlich gemacht. Die eigenen Zellen – gefertigt vom Partner Sunwoda nach Li Autos Vorgaben – stecken bereits in den Modellen L8, L6 und i8; im vierten Quartal folgen weitere Baureihen.
Für Europa besonders relevant: Der überarbeitete i6, der als „Li 6″ nach Europa kommen soll, erhält im vierten Quartal die neue 5C-Batterie sowie den ebenfalls selbst entwickelten Mach-Chip; Vorbestellungen starten Ende September, Auslieferungen Anfang November. Der neue MEGA-Van und das kommende Flaggschiff-SUV i9 starten dagegen zunächst noch mit CATL-Zellen und wechseln erst zur Eigenentwicklung, sobald die Produktion ausreicht. Beim MEGA ist der CATL-Vorrat nach starker Nachfrage schon fast aufgebraucht.
Hinter dem Schritt stehen mehrere Motive. Erstens die Lieferkette: Ein Engpass bei CATL-Zellen hatte Ende 2025 zu erheblichen Verzögerungen bei den i6-Auslieferungen geführt. Zweitens die Kosten: Li Autos Fahrzeugmarge fiel im zweiten Quartal auf 9,4 Prozent (von 19,4 Prozent im Vorjahr); eigene Zellen und Chips sollen gegensteuern. Li Auto entwickelt seit 2020 an eigenen Batterien und hat zuletzt rund 2,65 Milliarden Yuan (etwa 390 Millionen Euro) in den Zell-Partner Sunwoda investiert.
| Vorhaben | Umstellung auf selbst entwickelte 5C-Batteriezellen |
|---|---|
| Fertigung | Sunwoda (nach Li Autos Vorgaben), Pack von Li Auto |
| Schon umgestellt | L8, L6, i8 |
| i6 („Li 6″ für Europa) | eigene 5C-Zelle + Mach-Chip, Q4 2026 |
| i6: Vorbestellung / Auslieferung | Ende September / Anfang November |
| MEGA & i9 | Start mit CATL, später Wechsel zu Eigenzellen |
| Motiv 1 | Lieferengpass bei CATL (verzögerte i6-Auslieferungen 2025) |
| Motiv 2 | Kosten (Q2-Fahrzeugmarge 9,4 %, Vorjahr 19,4 %) |
| Sunwoda-Investment | ~2,65 Mrd. Yuan (~390 Mio. €) |
Li Auto trennt sich nicht komplett von CATL; geplant ist ein schrittweiser Wechsel. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Für deutsche Interessenten ist vor allem eines wichtig: Der i6, der als Li 6 nach Europa kommt (Marktstart im vierten Quartal), fährt dann mit Li Autos eigener 5C-Batterie und dem hauseigenen Mach-Chip – statt mit CATL-Technik. Das kann Vorteile bei Verfügbarkeit und Preis bringen, weil Li Auto nicht mehr von den knappen CATL-5C-Zellen abhängt, die zuletzt für Lieferstaus sorgten.
Strategisch ist der Schritt ein spannender Gegentrend: Während chinesische Batteriekonzerne wie CATL den Weltmarkt dominieren, versuchen immer mehr chinesische Autohersteller, ihre Zellen selbst zu bauen – Xpeng und Xiaomi haben sich bereits von CATL gelöst, nun folgt Li Auto. Für europäische Beobachter zeigt das, wie tief die Wertschöpfung bei den China-Herstellern inzwischen reicht: Sie bauen nicht nur Autos, sondern zunehmend auch die teuerste Komponente selbst – ein weiterer struktureller Vorteil im Preiskampf.
Dass ausgerechnet ein guter CATL-Kunde – Li Auto war zuletzt viertgrößter Abnehmer – eigene Zellen baut, ist ein Signal: Die vertikale Integration erreicht die nächste Stufe. Für Kunden zählt am Ende, ob eigene Zellen Qualität, Reichweite und Preis verbessern. Für die Branche ist es ein Beleg, wie schnell chinesische Hersteller Kernkompetenzen aufbauen, die westliche Konzerne teuer einkaufen müssen. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

