Die EU-Kommission bereitet Ausgleichszölle auf Plug-in-Hybride aus China vor und will damit ein Schlupfloch in der bestehenden Zollpolitik schließen. Auslöser ist der rasante Aufstieg chinesischer PHEVs: BYD hat im Mai 2026 erstmals die Spitze des deutschen PHEV-Markts übernommen – mit 4.290 Neuzulassungen. Rund 70 Prozent aller BYD-Verkäufe in Deutschland sind mittlerweile Plug-in-Hybride, da diese bislang nur dem regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent unterliegen, nicht aber den seit Ende 2024 geltenden Sonderzöllen auf reine Elektroautos.
BYD DOLPHIN G DM-i

Die EU-Kommission bereitet Ausgleichszölle auf chinesische Plug-in-Hybride vor.
Bild-Quelle: BYD

Das Schlupfloch: PHEVs bislang von EU-Sonderzöllen ausgenommen

Seit Oktober 2024 erhebt die EU wegen wettbewerbsverzerrender Subventionen Sonderzölle auf reine Elektroautos aus China. Diese fallen herstellerspezifisch aus: BYD zahlt 17 Prozent Zusatzzoll (Gesamtzoll: 27 %), Geely 18,8 Prozent (gesamt: 28,8 %) und SAIC – als nicht kooperativer Hersteller eingestuft – sogar 35,3 Prozent (gesamt: 45,3 %). Hinzu kommt der reguläre EU-Einfuhrzoll von jeweils 10 Prozent. Für Plug-in-Hybride gilt diese Regelung bislang nicht. Nur der Standard-Einfuhrzoll von 10 Prozent fällt an. Dieses Schlupfloch haben chinesische Hersteller konsequent genutzt. Bei BYD entfallen mittlerweile rund 70 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland auf Plug-in-Hybride, nur noch 30 Prozent sind reine Elektrofahrzeuge. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Verkaufszahlen für Mai 2026: BYD meldete 4.290 PHEV-Neuzulassungen in Deutschland – erstmals die Spitzenposition im deutschen Plug-in-Hybrid-Markt. Das meistgefragte Modell war der kompakte SUV Atto 2 DM-i mit 2.113 Einheiten, gefolgt vom Seal U DM-i und dem Kombi Seal 6 DM-i Touring. Mit dem jüngst eingeführten Dolphin G DM-i steht bereits der nächste PHEV-Kleinwagen in den Startlöchern.

EU-Kommission leitet Anti-Subventions-Verfahren ein

Angesichts dieser Entwicklung bereitet die EU-Kommission nun Ausgleichszölle auch für Plug-in-Hybride aus China vor. Die Vorbereitungen für ein entsprechendes Anti-Subventionsverfahren sollen bereits weit fortgeschritten sein. Die EU-Staats- und Regierungschefs haben das Vorhaben beim EU-Gipfel am 19. Juni 2026 beraten. Betroffen wären Fahrzeuge chinesischer Hersteller wie BYD, SAIC (MG) und Chery. Die geplanten Zölle sollen ebenfalls herstellerspezifisch ausgestaltet werden – ähnlich wie die bestehenden E-Auto-Sonderzölle. Experten erwarten jedoch, dass die Sätze im Schnitt niedriger ausfallen als bei reinen Stromern, weil der Anteil der Batterie an der Wertschöpfung eines Plug-in-Hybrids geringer ist und damit der subventionierte Anteil entsprechend kleiner. Bemerkenswert ist die politische Wende: Im Januar 2026 hatte ein EU-Handelssprecher entsprechende Pläne noch ausdrücklich dementiert. Die deutschen Bundesregierung signalisiert diesmal keine Ablehnung – anders als beim Abstimmungsprozess zu den BEV-Sonderzöllen, bei dem Berlin sich zunächst enthielt.
BYD PHEV-Zulassungen Deutschland Mai 2026
BYD PHEV-Marktposition Nr. 1 in Deutschland (erstmals)
BYD PHEV-Neuzulassungen gesamt Mai 2026 4.290 Einheiten
Meistverkauftes Modell: BYD Atto 2 DM-i 2.113 Einheiten
Anteil PHEVs an BYD-Gesamtverkäufen (DE) ca. 70 %
Anteil BEV an BYD-Gesamtverkäufen (DE) ca. 30 %
EU-Sonderzoll BEV (BYD, gesamt) 27 % (10 % Standard + 17 % Sonder)
EU-Sonderzoll PHEV (bislang) 10 % (nur Standard)

Quellen: BYD Pressemitteilung (Neuzulassungsdaten Mai 2026), EU-Kommission (Zollsätze). Zulassungszahlen beziehen sich auf Deutschland.

Was bedeutet das für deutsche BYD-Käufer?
Sollten die neuen Ausgleichszölle wie erwartet in wenigen Wochen in Kraft treten, würden Plug-in-Hybride chinesischer Hersteller in Europa teurer. Wie stark, hängt von den noch nicht festgelegten herstellerspezifischen Sätzen ab. BYD hat bereits beim Ungarn-Werk in Szeged auf lokale Produktion gesetzt – Fahrzeuge aus europäischer Fertigung wären von den Zöllen ausgenommen. Die dortige Serienproduktion ist jedoch erst für Ende 2026 / Q4 2026 geplant, sodass kurzfristig noch keine zollfreien „Made in Hungary“-Modelle verfügbar sein werden.

Häufige Fragen

FAQ: EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride

Warum plant die EU Zölle auf Plug-in-Hybride aus China?
Chinesische Hersteller haben seit Einführung der E-Auto-Sonderzölle (Oktober 2024) verstärkt auf Plug-in-Hybride gesetzt, da diese bislang nur dem regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent unterliegen. Die EU-Kommission will dieses Schlupfloch mit herstellerspezifischen Ausgleichszöllen schließen.
Welche chinesischen Marken sind betroffen?
Im Fokus stehen BYD, SAIC (MG) und Chery. Wie bei den bestehenden BEV-Sonderzöllen sollen die Sätze herstellerspezifisch sein. Die genauen Prozentsätze sind noch nicht festgelegt.
Wann könnten die neuen PHEV-Zölle in Kraft treten?
Laut Berichten aus EU-Kreisen soll eine Entscheidung in den kommenden Wochen fallen. Ein formales Anti-Subventionsverfahren muss eingeleitet werden, bevor endgültige Zölle verhängt werden können.
Wie hoch sind die aktuellen EU-Zölle auf chinesische Elektroautos?
BYD zahlt 27 % Gesamtzoll (10 % Standard + 17 % Sonder), Geely 28,8 % (10 % + 18,8 %) und SAIC 45,3 % (10 % + 35,3 %). Diese Sätze gelten seit Oktober 2024 und wurden von der EU-Kommission im April 2026 bestätigt.
Schützt ein in Europa produziertes BYD-Fahrzeug vor Zöllen?
Ja. Fahrzeuge, die in der EU produziert werden, sind von den Sonderzöllen ausgenommen. BYD baut in Szeged (Ungarn) sein erstes europäisches Werk auf. Die Serienproduktion ist für Q4 2026 geplant. Bis dahin bleiben alle BYD-Modelle auf dem deutschen Markt Importware aus China.

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