Das Bundesumweltministerium stellt klar: Weniger als 15 % der neuen E-Auto-Förderanträge entfallen auf chinesische Hersteller. Ein China-Schock sei nicht belegbar.
Neue Bundesförderung trifft auf chinesischen Verkaufsboom
Seit dem 19. Mai 2026 können Käuferinnen und Käufer in Deutschland Anträge für das neue E-Auto-Förderprogramm der Bundesregierung stellen. Das Programm ist auf rund 800.000 Fahrzeuge ausgelegt und schließt neben reinen Elektroautos auch Plug-in-Hybride und Range-Extender-Fahrzeuge ein. Eine Einschränkung auf europäische Hersteller gibt es nicht: Auch Modelle von BYD, MG, Xpeng oder anderen chinesischen Marken sind förderfähig.
Genau das sorgte in den vergangenen Tagen für heftige Debatten. Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands, sagte gegenüber der Wirtschaftspresse, der Absatz chinesischer E-Automarken sei in seinen Häusern „um mehr als das Doppelte gestiegen“, sobald die neue Prämie bekannt wurde. Diese Aussage und ein Bericht, der die Frage aufwarf, ob Berlin den „China-Schock“ der heimischen Branche mit Steuergeldern verstärke, lösten eine Welle medialer Aufmerksamkeit aus.
Bundesministerium widerspricht: Datenbasis zeigt andere Zahlen
Das Bundesumweltministerium unter Minister Carsten Schneider reagierte am 17. Juni 2026 mit einem offiziellen Rundschreiben. Darin heißt es wörtlich: „Vermutungen, es würden größtenteils chinesische Hersteller vom Förderprogramm profitieren, entsprechen nicht den bislang vorliegenden Daten.“
Auf Basis der damals vorliegenden mehr als 50.000 Förderanträge ergibt sich, dass weniger als 15 Prozent der Anträge auf Fahrzeuge chinesischer Hersteller entfallen. Bei rein batterieelektrischen Fahrzeugen sei der Anteil noch niedriger als bei Plug-in-Hybriden. Das Ministerium betont, dass repräsentative Aussagen aufgrund der noch geringen Bewilligungszahl derzeit „nicht seriös“ möglich seien, und kündigt eine detailliertere Auswertung an, sobald genügend Bewilligungen vorliegen.
| Programm gestartet | 19. Mai 2026 |
| Geplante Fahrzeuge gesamt | ca. 800.000 |
| Eingegangene Anträge (Stand 17. Juni) | über 50.000 |
| Anteil chinesischer Hersteller | weniger als 15 % |
| Anteil bei reinen BEVs (chinesisch) | noch niedriger als PHEV-Anteil |
| Zuständiges Ministerium | Bundesumweltministerium (BMUKN) |
Quelle: Bundesumweltministerium, offizielle Stellungnahme vom 17. Juni 2026. Zahlen basieren auf Antragseingang, nicht auf bewilligten Fahrzeugen.
Made in Europe – kommt die Einschränkung?
Das Bundesumweltministerium erklärt, auf Basis der „geltenden europäischen Rechtslage“ sei eine Bevorzugung europäischer Fahrzeuge derzeit nicht ohne Weiteres zulässig. Sobald der geplante EU Industrial Accelerator Act eine verbindliche „Made in Europe“-Regel für Förderprogramme vorsieht, wolle Deutschland nachsteuern. Frankreich hat diesen Weg bereits ohne EU-Pflicht beschritten: Das dortige Punktesystem „Score environnemental“ bewertet den gesamten CO2-Fußabdruck inklusive Produktion und Transport – und schließt damit chinesische Fahrzeuge faktisch weitgehend aus der Förderung aus.
Häufige Fragen
FAQ: E-Auto-Förderung 2026 und chinesische Hersteller
Können chinesische E-Autos die deutsche E-Auto-Förderung 2026 erhalten?
Ja. Das Förderprogramm der Bundesregierung gilt für alle förderfähigen Fahrzeuge unabhängig vom Herstellerland – also auch für Modelle von BYD, MG, Xpeng und anderen chinesischen Marken. Eine Ausnahme für Nicht-EU-Produkte gibt es bislang nicht.
Wie hoch ist der Anteil chinesischer Marken an den Förderanträgen?
Laut erstem Datenbild des Bundesumweltministeriums entfallen weniger als 15 Prozent der über 50.000 eingegangenen Anträge auf Fahrzeuge chinesischer Hersteller. Bei reinen Elektroautos ist dieser Anteil noch geringer als bei Plug-in-Hybriden.
Was ist die Fördervoraussetzung für das E-Auto-Programm 2026?
Das Programm deckt reine Elektroautos (BEV), Plug-in-Hybride (PHEV) und Range-Extender-Fahrzeuge ab und ist auf insgesamt rund 800.000 Fahrzeuge ausgelegt. Die genauen technischen Mindestanforderungen (z. B. Mindestreichweite, Preisobergrenzen) gibt das Bundesumweltministerium heraus.
Plant Deutschland eine „Made in Europe“-Regel für die E-Auto-Förderung?
Das Bundesumweltministerium hat signalisiert, die Förderung um eine „Made in Europe“-Klausel zu ergänzen, sobald die EU im Rahmen des geplanten Industrial Accelerator Acts eine entsprechende Regel verabschiedet. Bis dahin ist eine solche Einschränkung europarechtlich nicht ohne Weiteres möglich.
Wie macht Frankreich es anders?
Frankreich nutzt ein eigenes Punktesystem namens „Score environnemental“, das den CO2-Fußabdruck eines Fahrzeugs über die gesamte Produktions- und Transportkette bewertet. Da in China produzierte Fahrzeuge wegen des dortigen Kohlestromix und des langen Transportwegs schlechte Werte erzielen, sind sie faktisch weitgehend von der französischen E-Auto-Förderung ausgeschlossen.