Geely übernimmt 30 Prozent an Nio Power.
Geely steigt bei Nio Power ein: 30 Prozent am Batteriewechsel-Netz
Zwei Konkurrenten legen ihre Energie-Infrastruktur zusammen: Geely übernimmt 30 Prozent an Nio Power, der Tochter, die Nios Batteriewechselstationen und Ladesäulen betreibt. Geely bringt dafür seinen gesamten Batteriewechsel-Anbieter Yiyi Power ein, der Wechselstationen für gewerbliche Flotten betreibt und mit rund 4,1 Milliarden Yuan bewertet wird, sowie 640 Millionen Yuan in bar (etwa 83 Millionen Euro). Nio Power selbst wird mit 16 Milliarden Yuan bewertet, umgerechnet gut 2 Milliarden Euro. Im Gegenzug erhält Nio 10 Prozent an Haohan Energy, Geelys Ladesparte.
Der Anteil ist an Bedingungen geknüpft: Je nach Erreichen vereinbarter Ziele kann er auf 20 Prozent sinken oder durch eine weitere Investition von 640 Millionen Yuan innerhalb von zwei Jahren auf bis zu 34 Prozent steigen. Nach dem Abschluss hält Nio China 63,6 Prozent an Nio Power, Geely 30 Prozent und ein Wuhaner Investmentfonds 6,4 Prozent. Nio betreibt in China inzwischen 4.126 Wechselstationen und hat mehr als 125 Millionen Batteriewechsel durchgeführt; bis 2030 sollen es 10.000 Stationen werden. Geely plant parallel bis Ende 2027 mehr als 22.000 Ladestationen mit über 100.000 Ladepunkten.
Nio-Gründer William Li ordnet den Deal politisch ein: Die gemeinsame Nutzung von Lade- und Wechselinfrastruktur solle „doppelte Investitionen reduzieren und die Innovationseffizienz verbessern“. Das passt zur Kampagne Pekings gegen den ruinösen Wettbewerb in der Autobranche. Li bezeichnet Nio Power ausdrücklich als offene Plattform, der sich weitere Hersteller anschließen können. Welche Geely-Marken künftig Akkus tauschen sollen, ist noch offen.
| Deal | Geely übernimmt 30 % an Nio Power (Spanne 20–34 %) |
|---|---|
| Bewertung Nio Power | 16 Mrd. Yuan (~2,1 Mrd. €) |
| Geelys Einlage | Yiyi Power (~4,1 Mrd. Yuan) + 640 Mio. Yuan bar |
| Gegengeschäft | Nio erhält 10 % an Geelys Ladesparte Haohan Energy |
| Eigentümer danach | Nio China 63,6 % / Geely 30 % / Wuhaner Fonds 6,4 % |
| Wechselstationen China | 4.126 (Ziel: 10.000 bis 2030) |
| Wechselstationen Europa | rund 60 in sechs Ländern, Ausbau 2026 gestoppt |
| Betroffene Geely-Marken | noch nicht bekannt |
Stand: 28. September 2026. Euro-Werte umgerechnet und gerundet. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Kurzfristig: nichts. Der Deal ist klar auf China ausgerichtet, Europa kommt in den Ankündigungen nicht vor. Dort betreibt Nio rund 60 Wechselstationen in sechs Ländern, mit Schwerpunkt Norwegen und Deutschland, wo etwa 20 Stationen stehen. Der Ausbau ist allerdings praktisch eingefroren: Für 2026 sind keine neuen Stationen in Europa geplant, das europäische Team wurde stark verkleinert, in Dänemark wurde eine Station bereits wieder geschlossen. Nio-Fahrer in Deutschland sollten also nicht mit einem dichteren Netz rechnen.
Mittelfristig ist der Einstieg dennoch ein gutes Signal für das Batteriewechsel-Konzept. Mit Geely steht nun einer der größten Autokonzerne der Welt hinter Nio Power – ein Konzern, zu dem in Europa Marken wie Volvo, Polestar, Zeekr, Lynk & Co und Smart gehören. Pläne, diese Marken hierzulande auf Akkutausch umzustellen, gibt es nicht. Aber die Sparte ist finanziell stabiler, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Wechselsystem langfristig überlebt. Für Nio-Kunden, die beim Kauf auf das Batterie-Mietmodell gesetzt haben, ist das eine beruhigende Nachricht.
Der Deal zeigt, wie sich Chinas Autobranche unter politischem Druck neu sortiert: Statt dass jeder Hersteller ein eigenes Lade- und Wechselnetz baut, wird Infrastruktur geteilt. Nio bekommt Kapital und einen starken Partner für seine teuerste Sparte, Geely Zugang zum größten Wechselnetz der Welt. In Europa bleibt der Akkutausch dagegen eine Nische, deren Ausbau stagniert. Wer hierzulande einen Nio fährt, profitiert eher indirekt – durch ein finanziell stabileres Nio Power. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

