Fertigt Zeekr bald in Europa? Ohne den Zollaufschlag würden die Zeekr-Modelle in Deutschland noch viel interessanter.
Bild-Quelle: Zeekr
Samuelssons Angebot: Volvo-Werke als Sprungbrett in den EU-Markt
Volvo Cars-CEO Hakan Samuelsson – der im März 2025 nach dem Abgang von Jim Rowan wieder an die Konzernspitze zurückgekehrt war – hat gegenüber Automotive News unmissverständlich erklärt: Die Schwestermarken der Geely-Gruppe „sollten das Gespräch mit Volvo suchen und prüfen, ob sie unsere bereits vorhandenen Kapazitäten nutzen können.“ Er bekräftigte: „Wir können sie bei der lokalen Produktion wirklich unterstützen.“
Konkret geht es um die Nutzung der Volvo-Werke in Belgien und Schweden durch die chinesischen Konzernschwestern Zeekr, Lynk & Co und Geely Auto. Alle drei Marken verkaufen ihre in China produzierten Fahrzeuge derzeit in Europa – und zahlen dabei die seit Ende 2024 geltenden EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos. Für Zeekr belaufen sich diese Aufschläge auf bis zu 19,3 Prozent zusätzlich zum regulären Importzoll.
Durch eine Lokalisierung der Produktion entfallen diese Aufschläge. Das Modell kennt man bereits von Stellantis, das den Leapmotor C10 und B10 in Polen fertigt und damit EU-Zollfrei anbieten kann.
Was das für Zeekr und den deutschen Markt bedeutet
Zeekr ist seit 2026 offiziell in Deutschland aktiv und vertreibt Modelle wie den 7GT und den 9X direkt digital. Noch werden alle Fahrzeuge aus China importiert und mit dem EU-Zollaufschlag belastet. Eine Verlagerung der Produktion in ein Volvo-Werk würde die Fahrzeuge rechnerisch um mehrere tausend Euro günstiger machen – oder den Marge-Spielraum für Ausstattungsverbesserungen öffnen.
Lynk & Co folgt einem ähnlichen Pfad: Volvo wurde Anfang 2026 zum exklusiven Importeur der Marke für Europa ernannt. Die Integration der Produktion in bestehende Volvo-Werke wäre der logische nächste Schritt.
Die Geely-Gruppe verfolgt das erklärte Ziel, bis Ende 2026 in mehr als 90 Prozent der europäischen Märkte präsent zu sein. Das aggressive Wachstum zeigt sich in den Zahlen: Zeekr, Lynk & Co und Geely Auto erzielten bis April 2026 gemeinsam rund 14.000 Verkäufe in Europa – ein Anstieg von mehr als 300 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
| Zeekr | Premium-Elektromarke; in Deutschland aktiv mit 7GT (ab 47.990 €) und 9X (Europa Q4 2026) |
| Lynk & Co | Lifestyle-Elektromarke; Volvo wird ab 2026 alleiniger EU-Importeur |
| Geely Auto | Kernmarke; bisher begrenzte Direktpräsenz in Westeuropa |
| Volvo Cars (Mehrheitseigner: Geely) | Werke in Gent (Belgien) und Göteborg (Schweden); EU-Produktion ohne Zollaufschlag |
| EU-Zusatzzoll Zeekr | 19,3 % (seit Nov. 2024, CBAM-Verfahren) |
| Geplante EU-Produktionsstätten | noch nicht offiziell festgelegt; Verhandlungen laufen |
Quellen: EU-Kommission. EU-Zusatzzollsatz für Zeekr gemäß EU-CBAM-Verordnung Stand Ende 2024.
Geely folgt Stellantis-Playbook zur Zollumgehung
Das Muster ist nicht neu: Stellantis war der erste große Konzern, der chinesische Marken (Leapmotor) direkt in europäischen Werken fertigt und damit die EU-Zölle umging. Nun schlägt Geely denselben Weg ein – mit dem Unterschied, dass man keine neue Anlage bauen muss, sondern auf bestehende Volvo-Infrastruktur zurückgreifen kann.
Besonders das Volvo-Werk in Gent gilt als geeigneter Standort: Es produziert bereits den vollelektrischen XC40 Recharge und den C40 Recharge auf der CMA-Plattform – genau jener skalierbaren Architektur, die auch Geely und Zeekr nutzen. Technisch wäre eine Aufnahme von Zeekr-Modellen in den Produktionsmix ohne grundlegende Umbaumaßnahmen denkbar.
Für die deutschen Kunden bedeutet das: Wer jetzt ein Zeekr- oder Lynk-&-Co-Fahrzeug kauft, zahlt noch den chinesischen Importaufschlag. Wer wartet, könnte in einigen Jahren ein europäisch produziertes Modell ohne Zollnachteil erwerben.
EU-Zusatzzölle auf chinesische Elektroautos (Stand 2026)
Seit Ende 2024 erhebt die EU auf in China produzierte Elektroautos Zusatzzölle auf den regulären Importzoll von 10 Prozent. Die Aufschläge variieren je nach Hersteller: BYD zahlt 17,0 Prozent, Geely/Zeekr 19,3 Prozent, andere Hersteller bis zu 35,3 Prozent. Lokale Produktion in der EU befreit Fahrzeuge vollständig von diesen Aufschlägen – ein entscheidender Kostenvorteil.
Häufige Fragen
FAQ: Volvo, Geely und die EU-Zölle
Warum will Geely Fahrzeuge in Volvo-Werken bauen?
Die EU erhebt seit Ende 2024 Zusatzzölle auf in China produzierte Elektroautos. Durch die Verlagerung der Produktion in bestehende Volvo-Werke in Belgien oder Schweden entfallen diese Aufschläge. Das kann Fahrzeuge um mehrere tausend Euro günstiger machen.
Welche Geely-Marken könnten in Volvo-Werken gefertigt werden?
Volvo-CEO Hakan Samuelsson nannte explizit Zeekr, Lynk & Co und Geely Auto als potenzielle Nutznießer. Konkrete Modelle und Standortentscheidungen wurden noch nicht offiziell bekanntgegeben.
Ist Zeekr bereits in Deutschland erhältlich?
Ja. Zeekr ist seit 2026 offiziell in Deutschland aktiv und vertreibt Fahrzeuge wie den Zeekr 7GT (ab 47.990 Euro) und die kompakten Modelle X und 7X. Alle Fahrzeuge werden derzeit noch aus China importiert.
Welche Volvo-Werke kämen für eine Geely-Produktion infrage?
Das Volvo-Werk in Gent (Belgien) produziert bereits den XC40 Recharge und den C40 Recharge auf der CMA-Plattform, die auch von Geely-Marken genutzt wird. Das Hauptwerk in Göteborg (Schweden) ist ebenfalls EU-basiert und technisch ausbaufähig.
Werden Zeekr-Autos in Deutschland dadurch günstiger?
Mittelfristig ja. Sobald Zeekr-Fahrzeuge in Europa gefertigt werden, entfällt der EU-Zusatzzoll von 19,3 Prozent. Die Preissenkung würde je nach Modell mehrere tausend Euro betragen – oder der Spielraum fließt in bessere Ausstattung.