Der Nio EP9 ist der Elektro-Supersportwagen, mit dem die chinesische Marke Nio 2016 ihren Namen in der Autowelt bekannt machte. Vier Elektromotoren leisten zusammen 1 Megawatt (1.360 PS), der Sprint auf 200 km/h dauert 7,1 Sekunden, die Spitze liegt bei 313 km/h. 2017 fuhr er die Nürburgring-Nordschleife in 6:45,90 Minuten – damals Rekord für Elektroautos. Gebaut wurden nur wenige Exemplare für rund 2,5 Millionen Pfund, eine Straßenzulassung hat der EP9 nicht. Hier stehen Technik, Rekorde, Preis, Stückzahl und was aus dem EP9 geworden ist, Stand Oktober 2026.

Nio EP9 Elektro-Supersportwagen
Der Nio EP9 in der Seitenansicht mit großem Heckflügel.
Bild-Quelle: NIO

Nio EP9 auf einen Blick

Nio wurde 2014 in Shanghai gegründet und hieß im Ausland zunächst NextEV. Bevor die Marke ihr erstes Serienauto verkaufte, wollte sie mit einem Paukenschlag zeigen, was sie technisch kann. Das Ergebnis war der EP9, kurz für Electric Performance 9. Vorgestellt wurde er am 21. November 2016 in der Saatchi Gallery in London, nach nur 18 Monaten Entwicklung. Gebaut hat ihn der britische Motorsport-Spezialist RML Group.

Der EP9 war nie als Serienauto gedacht, sondern als Technologieträger und Imageprojekt. Mit seinen Rundenrekorden machte er Nio weltweit bekannt, noch bevor 2018 das erste Serien-SUV ES8 auf den Markt kam. Heute verkauft Nio Elektro-SUV und Limousinen bis hin zum Flaggschiff Nio ET9.

FahrzeugklasseSupersportwagen, zweisitzig, Elektroauto für die Rennstrecke
Preisrund 2,5 Mio. Pfund (Erstkunden), später ab 1,48 Mio. US-Dollar
StatusKleinserie, nicht mehr erhältlich, keine Straßenzulassung
Antriebvier Elektromotoren mit je 250 kW, Einzelradantrieb
Leistung1 MW (1.341 hp / 1.360 PS)
Drehmomentrund 1.480 Nm
0–100 km/h2,7 s
0–200 km/h7,1 s
0–300 km/h15,9 s
Höchstgeschwindigkeit313 km/h
BatterieLithium-Ionen, 635 kg, wechselbar
Reichweitebis 427 km (normaler Fahrbetrieb)
Laden / Batteriewechselca. 45 Minuten / ca. 8 Minuten
Länge / Breite / Höhe4.888 / 2.230 / 1.150 mm
Leergewicht1.735 kg
Abtrieb24.000 N bei 240 km/h, bis 3 g Querbeschleunigung
ChassisKohlefaser-Monocoque nach LMP-Reglement

Herstellerangaben. Die Reichweite gilt für normalen Fahrbetrieb, auf der Rennstrecke ist sie deutlich geringer.

Technik: Rennwagen mit Straßenwagen-Optik

An jedem Rad sitzt ein eigener Elektromotor mit 250 kW und eigenem Getriebe, zusammen kommt der EP9 auf ein Megawatt. Ein Torque-Vectoring-System verteilt die Kraft blitzschnell auf die einzelnen Räder. Das Chassis besteht komplett aus Kohlefaser und folgt dem Reglement für Le-Mans-Prototypen, insgesamt stecken 364 kg Kohlefaser im Auto. Die Bremsen stammen vom britischen Spezialisten Alcon.

Ein großer Heckflügel mit drei Stellungen erzeugt bei 240 km/h 24.000 Newton Abtrieb – mehr als das Doppelte des Fahrzeuggewichts. Damit sind in Kurven bis zu 3 g Querbeschleunigung möglich, ein Wert, der eher an Rennwagen als an Straßenautos erinnert. Eine aktive Federung passt die Fahrhöhe 200-mal pro Sekunde an.

Nio EP9 Frontansicht
Die flache Front des EP9 mit schmalen LED-Scheinwerfern.
Bild-Quelle: NIO

Batterie und Batteriewechsel

Die Lithium-Ionen-Batterien wiegen 635 kg und sitzen in den Seitenkästen. Im normalen Fahrbetrieb reichen sie laut Nio für bis zu 427 km, bei Rennstreckentempo deutlich weniger. Geladen wird in rund 45 Minuten. Typisch für Nio: Schon der EP9 war für den Batteriewechsel ausgelegt, die Akkus lassen sich in etwa acht Minuten tauschen. Das Prinzip hat Nio später in seine Serienautos übernommen – heute betreibt die Marke rund 4.000 Wechselstationen, fast alle in China.

Nio EP9 Cockpit
Das Cockpit mit Rennlenkrad, Kohlefaser und vier Bildschirmen.
Bild-Quelle: NIO

Innenraum

Innen ist der EP9 ein Rennwagen: zwei Schalensitze, viel Kohlefaser und vier Bildschirme – je einer links und rechts im Armaturenbrett, einer in der Mittelkonsole und einer im Lenkrad. Komfort spielt keine Rolle, alles ist auf Gewicht und Funktion ausgelegt.

Die Rekorde des EP9

Bekannt geworden ist der EP9 durch seine Rundenrekorde. Im Oktober 2016 umrundete er die Nürburgring-Nordschleife in 7:05,12 Minuten, am 12. Mai 2017 verbesserte Rennfahrer Peter Dumbreck die Zeit auf 6:45,90 Minuten. Damit war der EP9 damals das schnellste Elektroauto auf der Nordschleife und schneller als jeder Serienwagen zu dieser Zeit. Gefahren wurde allerdings mit Rennreifen.

Weitere Rekorde für Elektroautos stellte der EP9 auf dem Circuit of the Americas in Texas (2:11,30 Minuten), auf dem Shanghai International Circuit (2:01,11 Minuten) und auf dem Circuit Paul Ricard in Frankreich (1:52,78 Minuten) auf. Auf dem Circuit of the Americas fuhr er zudem ohne Fahrer eine Runde in 2:40,33 Minuten – damals die schnellste autonome Runde.

Nürburgring-Nordschleife (Mai 2017)6:45,90 min
Nürburgring-Nordschleife (Okt. 2016)7:05,12 min
Circuit of the Americas2:11,30 min (mit Fahrer), 2:40,33 min (autonom)
Shanghai International Circuit2:01,11 min
Circuit Paul Ricard1:52,78 min

Rekorde für Elektroautos zum jeweiligen Zeitpunkt, alle mit Rennreifen gefahren.

Nio EP9 von oben
Die Draufsicht zeigt die breite, flache Karosserie mit Seitenkästen für die Batterien.
Bild-Quelle: NIO

Wer schneller ist: Die Rekorde danach

Der Nordschleifen-Rekord des EP9 hielt nicht lange. 2019 fuhr der Rennwagen VW ID.R die Strecke in 6:05,336 Minuten. Bei straßennahen Elektroautos legten vor allem chinesische Hersteller nach: Ein Prototyp des Xiaomi SU7 Ultra schaffte 2024 6:22,091 Minuten, die Serienversion 2025 7:04,957 Minuten. Die auf 30 Stück limitierte Yangwang U9 Xtreme kam auf 6:59,157 Minuten. Für ein Auto von 2016 ist die Zeit des EP9 bis heute bemerkenswert.

Nio EP9 Heckansicht
Das Heck des EP9 mit großem verstellbarem Flügel in der Boxengasse.
Bild-Quelle: NIO

Preis, Stückzahl und Käufer

Die ersten sechs EP9 gingen an Investoren von Nio, für rund 2,5 Millionen Pfund pro Stück. 2017 kündigte Nio zehn weitere Exemplare für Privatkunden an, zu Preisen ab 1,48 Millionen US-Dollar. Wie viele davon tatsächlich ausgeliefert wurden, hat Nio nie genau veröffentlicht. Auf dem freien Markt taucht der EP9 so gut wie nie auf.

Eine Straßenzulassung hat der EP9 nicht, weder in China noch anderswo. Er ist ein reines Rennstreckenauto. Kaufen kann man ihn heute nicht mehr, einen offiziellen Nachfolger hat Nio nicht angekündigt.

Was der EP9 für Nio bedeutet

Für Nio war der EP9 ein Marketing-Coup: Er machte die damals unbekannte Marke weltweit bekannt und bewies, dass ein chinesisches Start-up Spitzentechnik bauen kann. Viele Ideen, vom Batteriewechsel bis zum Einzelradantrieb, finden sich in abgewandelter Form in späteren Nio-Modellen. Das Unternehmen selbst befindet sich heute in einer schwierigeren Lage: In Europa stellt Nio den Vertrieb auf Partner um, in Deutschland kamen von Januar bis August 2026 nur 19 neue Nio auf die Straße. Mehr zur aktuellen Lage steht auf unserer Nio-Übersicht.

Stärken
  • 1 MW (1.360 PS) aus vier Elektromotoren
  • 6:45,90 auf der Nordschleife (2017)
  • Abtrieb von 24.000 N und bis 3 g in Kurven
  • Batteriewechsel in rund acht Minuten
  • Kohlefaser-Chassis nach LMP-Reglement
Schwächen
  • Keine Straßenzulassung
  • Extrem teuer und kaum verfügbar
  • Nur wenige Exemplare gebaut
  • Rekorde inzwischen deutlich unterboten
  • Kein Nachfolger angekündigt
Unsere Einschätzung

Der Nio EP9 ist ein Stück chinesische Elektroauto-Geschichte. 2016 zeigte er der Welt, dass aus China nicht nur günstige Autos kommen, sondern auch Spitzentechnik. Heute ist er von Xiaomi und Yangwang überholt, als Pionier aber unvergessen. Wer einen EP9 sehen will, hat am ehesten auf Messen oder bei Nio-Veranstaltungen eine Chance.

Was kostet der Nio EP9?
Die ersten sechs Exemplare kosteten rund 2,5 Millionen Pfund, später wurden zehn weitere ab 1,48 Millionen US-Dollar angeboten. Heute ist der EP9 nicht mehr erhältlich.
Wie viele Nio EP9 gibt es?
Sechs gingen an Investoren, zehn weitere wurden für Privatkunden angekündigt. Die genaue Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge hat Nio nicht veröffentlicht.
Wie viel PS hat der Nio EP9?
Vier Elektromotoren mit je 250 kW leisten zusammen 1 Megawatt, also 1.341 hp oder 1.360 PS.
Wie schnell ist der Nio EP9?
Er sprintet in 2,7 Sekunden auf 100 km/h, in 7,1 Sekunden auf 200 km/h und erreicht 313 km/h.
Was ist der Nürburgring-Rekord des Nio EP9?
6:45,90 Minuten auf der Nordschleife, gefahren am 12. Mai 2017 von Peter Dumbreck. Das war damals Rekord für Elektroautos.
Ist der Nio EP9 noch der schnellste auf dem Nürburgring?
Nein. Der VW ID.R fuhr 2019 6:05,336 Minuten, ein Prototyp des Xiaomi SU7 Ultra 2024 6:22,091 Minuten.
Hat der Nio EP9 eine Straßenzulassung?
Nein. Der EP9 ist ein reines Rennstreckenauto ohne Zulassung für öffentliche Straßen.
Welche Reichweite hat der Nio EP9?
Laut Nio bis zu 427 km im normalen Fahrbetrieb. Auf der Rennstrecke ist sie deutlich geringer.
Wie lange dauert das Laden?
Rund 45 Minuten. Alternativ lassen sich die Batterien in etwa acht Minuten wechseln.
Wie schwer ist der Nio EP9?
1.735 kg, davon 635 kg Batterien.
Wie groß ist der Nio EP9?
4.888 mm lang, 2.230 mm breit und 1.150 mm hoch.
Wie viel Abtrieb erzeugt der EP9?
24.000 Newton bei 240 km/h. Damit sind bis zu 3 g Querbeschleunigung in Kurven möglich.
Wer hat den Nio EP9 gebaut?
Der britische Motorsport-Spezialist RML Group im Auftrag von Nio.
Wann wurde der Nio EP9 vorgestellt?
Am 21. November 2016 in der Saatchi Gallery in London.
Was bedeutet EP9?
Electric Performance 9.
Kann der Nio EP9 autonom fahren?
Ein speziell umgerüsteter EP9 fuhr 2017 auf dem Circuit of the Americas ohne Fahrer eine Runde in 2:40,33 Minuten. Serienmäßig ist das nicht.
Gibt es einen Nachfolger des EP9?
Nio hat keinen Nachfolger angekündigt. Gerüchte über ein Modell EP10 wurden nie bestätigt.
Hat der EP9 einen Batteriewechsel?
Ja, die Batterien lassen sich in rund acht Minuten tauschen. Nio nutzt das Prinzip heute in seinen Serienautos.
Woraus besteht das Chassis des EP9?
Aus Kohlefaser nach dem Reglement für Le-Mans-Prototypen. Insgesamt stecken 364 kg Kohlefaser im Auto.
Welche Bremsen hat der Nio EP9?
Bremsen des britischen Herstellers Alcon.
Kann man einen Nio EP9 kaufen?
Praktisch nicht. Die wenigen Exemplare sind in festen Händen und tauchen kaum auf dem Markt auf.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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redaktion@chinaelektro.de · LinkedIn