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Nio EP9 auf einen Blick
Nio wurde 2014 in Shanghai gegründet und hieß im Ausland zunächst NextEV. Bevor die Marke ihr erstes Serienauto verkaufte, wollte sie mit einem Paukenschlag zeigen, was sie technisch kann. Das Ergebnis war der EP9, kurz für Electric Performance 9. Vorgestellt wurde er am 21. November 2016 in der Saatchi Gallery in London, nach nur 18 Monaten Entwicklung. Gebaut hat ihn der britische Motorsport-Spezialist RML Group.
Der EP9 war nie als Serienauto gedacht, sondern als Technologieträger und Imageprojekt. Mit seinen Rundenrekorden machte er Nio weltweit bekannt, noch bevor 2018 das erste Serien-SUV ES8 auf den Markt kam. Heute verkauft Nio Elektro-SUV und Limousinen bis hin zum Flaggschiff Nio ET9.
| Fahrzeugklasse | Supersportwagen, zweisitzig, Elektroauto für die Rennstrecke |
| Preis | rund 2,5 Mio. Pfund (Erstkunden), später ab 1,48 Mio. US-Dollar |
| Status | Kleinserie, nicht mehr erhältlich, keine Straßenzulassung |
| Antrieb | vier Elektromotoren mit je 250 kW, Einzelradantrieb |
| Leistung | 1 MW (1.341 hp / 1.360 PS) |
| Drehmoment | rund 1.480 Nm |
| 0–100 km/h | 2,7 s |
| 0–200 km/h | 7,1 s |
| 0–300 km/h | 15,9 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 313 km/h |
| Batterie | Lithium-Ionen, 635 kg, wechselbar |
| Reichweite | bis 427 km (normaler Fahrbetrieb) |
| Laden / Batteriewechsel | ca. 45 Minuten / ca. 8 Minuten |
| Länge / Breite / Höhe | 4.888 / 2.230 / 1.150 mm |
| Leergewicht | 1.735 kg |
| Abtrieb | 24.000 N bei 240 km/h, bis 3 g Querbeschleunigung |
| Chassis | Kohlefaser-Monocoque nach LMP-Reglement |
Herstellerangaben. Die Reichweite gilt für normalen Fahrbetrieb, auf der Rennstrecke ist sie deutlich geringer.
Technik: Rennwagen mit Straßenwagen-Optik
An jedem Rad sitzt ein eigener Elektromotor mit 250 kW und eigenem Getriebe, zusammen kommt der EP9 auf ein Megawatt. Ein Torque-Vectoring-System verteilt die Kraft blitzschnell auf die einzelnen Räder. Das Chassis besteht komplett aus Kohlefaser und folgt dem Reglement für Le-Mans-Prototypen, insgesamt stecken 364 kg Kohlefaser im Auto. Die Bremsen stammen vom britischen Spezialisten Alcon.
Ein großer Heckflügel mit drei Stellungen erzeugt bei 240 km/h 24.000 Newton Abtrieb – mehr als das Doppelte des Fahrzeuggewichts. Damit sind in Kurven bis zu 3 g Querbeschleunigung möglich, ein Wert, der eher an Rennwagen als an Straßenautos erinnert. Eine aktive Federung passt die Fahrhöhe 200-mal pro Sekunde an.
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Batterie und Batteriewechsel
Die Lithium-Ionen-Batterien wiegen 635 kg und sitzen in den Seitenkästen. Im normalen Fahrbetrieb reichen sie laut Nio für bis zu 427 km, bei Rennstreckentempo deutlich weniger. Geladen wird in rund 45 Minuten. Typisch für Nio: Schon der EP9 war für den Batteriewechsel ausgelegt, die Akkus lassen sich in etwa acht Minuten tauschen. Das Prinzip hat Nio später in seine Serienautos übernommen – heute betreibt die Marke rund 4.000 Wechselstationen, fast alle in China.
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Innenraum
Innen ist der EP9 ein Rennwagen: zwei Schalensitze, viel Kohlefaser und vier Bildschirme – je einer links und rechts im Armaturenbrett, einer in der Mittelkonsole und einer im Lenkrad. Komfort spielt keine Rolle, alles ist auf Gewicht und Funktion ausgelegt.
Die Rekorde des EP9
Bekannt geworden ist der EP9 durch seine Rundenrekorde. Im Oktober 2016 umrundete er die Nürburgring-Nordschleife in 7:05,12 Minuten, am 12. Mai 2017 verbesserte Rennfahrer Peter Dumbreck die Zeit auf 6:45,90 Minuten. Damit war der EP9 damals das schnellste Elektroauto auf der Nordschleife und schneller als jeder Serienwagen zu dieser Zeit. Gefahren wurde allerdings mit Rennreifen.
Weitere Rekorde für Elektroautos stellte der EP9 auf dem Circuit of the Americas in Texas (2:11,30 Minuten), auf dem Shanghai International Circuit (2:01,11 Minuten) und auf dem Circuit Paul Ricard in Frankreich (1:52,78 Minuten) auf. Auf dem Circuit of the Americas fuhr er zudem ohne Fahrer eine Runde in 2:40,33 Minuten – damals die schnellste autonome Runde.
| Nürburgring-Nordschleife (Mai 2017) | 6:45,90 min |
| Nürburgring-Nordschleife (Okt. 2016) | 7:05,12 min |
| Circuit of the Americas | 2:11,30 min (mit Fahrer), 2:40,33 min (autonom) |
| Shanghai International Circuit | 2:01,11 min |
| Circuit Paul Ricard | 1:52,78 min |
Rekorde für Elektroautos zum jeweiligen Zeitpunkt, alle mit Rennreifen gefahren.
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Wer schneller ist: Die Rekorde danach
Der Nordschleifen-Rekord des EP9 hielt nicht lange. 2019 fuhr der Rennwagen VW ID.R die Strecke in 6:05,336 Minuten. Bei straßennahen Elektroautos legten vor allem chinesische Hersteller nach: Ein Prototyp des Xiaomi SU7 Ultra schaffte 2024 6:22,091 Minuten, die Serienversion 2025 7:04,957 Minuten. Die auf 30 Stück limitierte Yangwang U9 Xtreme kam auf 6:59,157 Minuten. Für ein Auto von 2016 ist die Zeit des EP9 bis heute bemerkenswert.
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Preis, Stückzahl und Käufer
Die ersten sechs EP9 gingen an Investoren von Nio, für rund 2,5 Millionen Pfund pro Stück. 2017 kündigte Nio zehn weitere Exemplare für Privatkunden an, zu Preisen ab 1,48 Millionen US-Dollar. Wie viele davon tatsächlich ausgeliefert wurden, hat Nio nie genau veröffentlicht. Auf dem freien Markt taucht der EP9 so gut wie nie auf.
Eine Straßenzulassung hat der EP9 nicht, weder in China noch anderswo. Er ist ein reines Rennstreckenauto. Kaufen kann man ihn heute nicht mehr, einen offiziellen Nachfolger hat Nio nicht angekündigt.
Was der EP9 für Nio bedeutet
Für Nio war der EP9 ein Marketing-Coup: Er machte die damals unbekannte Marke weltweit bekannt und bewies, dass ein chinesisches Start-up Spitzentechnik bauen kann. Viele Ideen, vom Batteriewechsel bis zum Einzelradantrieb, finden sich in abgewandelter Form in späteren Nio-Modellen. Das Unternehmen selbst befindet sich heute in einer schwierigeren Lage: In Europa stellt Nio den Vertrieb auf Partner um, in Deutschland kamen von Januar bis August 2026 nur 19 neue Nio auf die Straße. Mehr zur aktuellen Lage steht auf unserer Nio-Übersicht.
- 1 MW (1.360 PS) aus vier Elektromotoren
- 6:45,90 auf der Nordschleife (2017)
- Abtrieb von 24.000 N und bis 3 g in Kurven
- Batteriewechsel in rund acht Minuten
- Kohlefaser-Chassis nach LMP-Reglement
- Keine Straßenzulassung
- Extrem teuer und kaum verfügbar
- Nur wenige Exemplare gebaut
- Rekorde inzwischen deutlich unterboten
- Kein Nachfolger angekündigt
Der Nio EP9 ist ein Stück chinesische Elektroauto-Geschichte. 2016 zeigte er der Welt, dass aus China nicht nur günstige Autos kommen, sondern auch Spitzentechnik. Heute ist er von Xiaomi und Yangwang überholt, als Pionier aber unvergessen. Wer einen EP9 sehen will, hat am ehesten auf Messen oder bei Nio-Veranstaltungen eine Chance.

