Stelato G9: Das Huawei-Luxus-SUV greift Land Rover an – über 1.000 km Reichweite
Huawei baut keine eigenen Autos, steckt aber tief in der Marke Stelato – und die bringt mit dem G9 ihr erstes großes Luxus-Offroad-SUV. Über fünf Meter lang, bis zu 586 PS, ein 120-kWh-Akku für über 700 km rein elektrisch und als Range-Extender mehr als 1.000 km Gesamtreichweite. Dazu Huaweis komplettes Technik-Arsenal von der 800-Volt-Plattform bis zum Level-3-fähigen Assistenzsystem. Der Vorverkauf in China startete bei 439.800 Yuan – rund 52.000 Euro.
Der Stelato G9 kombiniert kantiges Offroad-Design mit Huaweis Technik – bis zu 900 mm Wattiefe · Bild-Quelle: Stelato
Was ist der Stelato G9?
Stelato ist eine Premium-Automarke, die Huawei und der chinesische Staatskonzern BAIC 2024 gemeinsam gegründet haben. Sie startete mit der Luxus-Limousine S9 und dem Kombi S9T; der G9 ist das dritte Modell und das erste SUV der Marke. Verkauft wird er über Huaweis HIMA-Netz (Harmony Intelligent Mobility Alliance), zu dem auch Aito, Luxeed, Maextro und Shangjie gehören.
Wichtig zur Einordnung der Rollen: Huawei baut das Auto nicht selbst, sondern liefert die komplette Technik – Antriebsarchitektur, Fahrwerksplattform, Assistenzsystem und das Betriebssystem HarmonyOS. Die Fertigung und die Fahrzeugbasis kommen von BAIC, das mit seiner Marke „Beijing Off-Road" jahrzehntelange Geländewagen-Erfahrung mitbringt. Im September 2025 haben beide ihre Partnerschaft zu einer „strategischen Gemeinschaft" ausgebaut und rund 20 Milliarden Yuan (2,94 Mrd. US-Dollar) Investitionen über drei Jahre zugesagt.
Der G9 tritt in ein hart umkämpftes Segment. Die „9-Serie" der großen China-SUVs boomt: Li Auto L9, Aito M9, Zeekr 9X und Denza N9 machten den Anfang – bis 2026 sollen über 40 „9er"-SUVs auf dem Markt sein.
Der G9 positioniert sich im Preisband von 500.000 bis 800.000 Yuan, wo Huawei nach eigener Aussage aktuell keinen direkten Konkurrenten sieht. Der nächste Verwandte ist der Aito M9 aus demselben HIMA-Verbund (ab 479.800 Yuan).
Antrieb: EREV oder BEV – beides mit großer Reichweite
Der G9 kommt in zwei Antriebsvarianten. Die EREV-Version (Range Extender) kombiniert einen vergleichsweise großen 75-kWh-Akku mit einem Benzin-Generator und erreicht so eine Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern – rein elektrisch fährt sie einen erheblichen Teil davon, der Verbrenner dient nur als Stromerzeuger. Die BEV-Version trägt einen 120-kWh-Ternärlithium-Akku und schafft damit über 700 Kilometer nach chinesischer CLTC-Norm.
Die Systemleistung liegt bei rund 586 PS mit Allradantrieb. Herzstück ist eine globale 800-Volt-Architektur, die kurze Ladestopps ermöglicht. Trotz des kantigen, robusten Auftritts ist der G9 technisch ein Crossover mit selbsttragender Karosserie (Monocoque), kein Leiterrahmen-Geländewagen. Für leichtes Gelände ist er dennoch gerüstet: bis zu 900 mm Wattiefe, Böschungswinkel von 23 Grad vorn und 26 Grad hinten, Anhängelast bis 2.000 kg.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Länge / Breite / Höhe | 5.206 / 2.050 / 1.897 mm |
| Länge mit Heck-Reserverad | 5.377 mm |
| Radstand | 3.160 mm |
| Systemleistung | ca. 430 kW (586 PS), Allrad |
| EREV-Version | 75-kWh-Akku + Generator, >1.000 km gesamt |
| BEV-Version | 120-kWh-Akku, >700 km CLTC |
| Plattform | 800 Volt, Huawei All-Terrain-Turing |
| Karosserie | selbsttragend (Monocoque-Crossover) |
| Wattiefe | bis 900 mm |
| Böschungswinkel v/h | 23° / 26° |
| Anhängelast | bis 2.000 kg |
| Räder | bis 22 Zoll |
Huaweis Technik-Arsenal: der eigentliche Verkaufsgrund
Der G9 ist vor allem eine Technik-Demonstration. Er ist das erste Serienfahrzeug auf Huaweis neuer All-Terrain-Turing-Plattform, die extreme Untergründe beherrschen soll – laut Huawei sogar wellige Permafrost-Pisten bei über 80 km/h. Dazu kommen mehrere Branchen-Premieren:
- Qiankun ADS 5.0: Huaweis fortschrittlichstes Assistenzsystem mit einem 892-Zeilen-LiDAR auf dem Dach. Der G9 ist das erste Modell, das in Peking für Level-3-Testfahrten mit bis zu 120 km/h zugelassen wurde – Huawei nennt ihn das erste Luxus-Offroad-SUV, das um eine Level-3-Architektur herum entwickelt wurde.
- 800-Volt-Schnellladen: globale Hochvolt-Architektur für kurze Ladestopps.
- Xpixel-Scheinwerfer: können Bilder und Projektionen auf die Fahrbahn werfen.
- HarmonyOS-Cockpit: Huaweis Betriebssystem mit der aus Smartphones bekannten Vernetzung.
Einordnung: Angriff auf Land Rover – und den eigenen Konzern
Der G9 ist länger als ein Land Rover Defender 110 und zielt preislich wie konzeptionell auf die etablierte westliche Luxus-Geländewagen-Oberklasse: Range Rover, Defender, aber auch deutsche Groß-SUV. Der entscheidende Hebel ist dabei nicht das Gelände-Können – dafür fehlt dem Monocoque-Crossover der Leiterrahmen –, sondern die Kombination aus Luxus, Reichweite und Huawei-Software zu einem Preis, den die westliche Konkurrenz kaum halten kann. In China startet der G9 bei umgerechnet rund 52.000 Euro; ein vergleichbar ausgestatteter Range Rover kostet ein Vielfaches.
Gleichzeitig ist der G9 ein Symbol für Huaweis Strategie im Automarkt: Der Konzern wird nicht selbst zum Autobauer, sondern zum Technik-Lieferanten, der über die HIMA-Allianz gleich mehrere Marken mit Antrieb, Software und Assistenz versorgt – ein Modell, das an Android im Smartphone-Markt erinnert. Bislang läuft es für Stelato allerdings verhalten: Im ersten Halbjahr 2026 lieferte die Marke nur rund 21.044 Fahrzeuge aus. Der G9 soll das margenstarke SUV-Segment erschließen und die Marke bekannter machen.
Fazit
- Über 1.000 km Gesamtreichweite (EREV)
- 120-kWh-Akku und >700 km CLTC in der BEV-Version
- 586 PS, 800-Volt-Plattform, bis 900 mm Wattiefe
- Huaweis Spitzentechnik (ADS 5.0, 892-Zeilen-LiDAR)
- Level-3-Testfreigabe als erstes Modell
- Kampfpreis gegen westliche Luxus-SUV
- Monocoque-Crossover statt echtem Leiterrahmen
- moderate Böschungswinkel (23°/26°)
- kein Europa-Start angekündigt
- Stelato-Verkäufe bislang verhalten
- Level 3 nur unter Testbedingungen
- finale Serienpreise noch nicht bestätigt

