Leapmotor – hier mit dem D99 – möchte das „Apple der Autos“ werden.
Bild-Quelle: Leapmotor
Leapmotor will das „Apple der Autos“ werden – zweite Marke ab Q4 2027
Leapmotor, über die Partnerschaft mit Stellantis die derzeit erfolgreichste China-Marke in Deutschland, hat auf seinem Technologietag im chinesischen Huzhou groß aufgetragen. Firmengründer und Chef Zhu Jiangming formulierte das Ziel unmissverständlich: Leapmotor wolle das „Apple der Autoindustrie“ werden. Der Vergleich ist Programm – Zhu verwies darauf, dass Apple weder Mobilfunk noch Touchscreen erfunden, beides aber neu zusammengesetzt habe.
Technisch stellte Leapmotor eine neue Fahrzeugarchitektur namens LEAP 5.0 vor sowie drei Kerntechnologien: das eigenentwickelte Assistenzsystem „Leapmotor World Model“ (LWM), das Hybridsystem MM-i und die Batterietechnik CTC 3.0. Bei CTC 3.0 wandert die kleine 12-Volt-Batterie in das Hauptbatteriepaket – die separate Bleibatterie entfällt, was Wartung spart und die Betriebskosten senken soll. Bemerkenswert: Alle bereits ausgelieferten Fahrzeuge mit LiDAR und leistungsfähigem Chip – bis Ende August rund 350.000 Stück – bekommen das neue World-Model-System kostenlos und auf Lebenszeit.
Der eigentliche Paukenschlag ist strategisch: Leapmotor bringt eine zweite, eigenständige Marke, deren erstes Modell im vierten Quartal 2027 debütieren und ausgeliefert werden soll. Sie wird die neue LEAP-5.0-Architektur als erste nutzen und im höheren Preissegment (über rund 300.000 Yuan) angesiedelt sein – ein klarer Aufstieg für einen Hersteller, der bisher vor allem für günstige Modelle bekannt ist. Das Konzept: das Auto als „mobiler Raum“ mit über 100 Prozent Raumeffizienz, nicht als bloßes Transportmittel. Zhu vergleicht den Sprung mit dem Wechsel vom Tasten- zum Smartphone.
| Anlass | Leapmotor Technologietag 2026 (Huzhou, 16./17. September) |
|---|---|
| Leitbild | „Apple der Autoindustrie“ (CEO Zhu Jiangming) |
| Neue Architektur | LEAP 5.0 (zuerst in der zweiten Marke) |
| Kerntechnik 1 | „World Model“ (LWM) – Assistenzsystem, kostenloses Lifetime-Upgrade |
| Kerntechnik 2 | MM-i Multi-Mode-Hybridsystem |
| Kerntechnik 3 | CTC 3.0 – 12-Volt-Batterie ins Hauptpaket integriert (keine Bleibatterie) |
| Zweite Marke | Debüt und Auslieferung ab Q4 2027, Segment über ~300.000 Yuan |
| Free-Upgrade-Flotte | ~350.000 LiDAR-Fahrzeuge (Stand Ende August) |
| Eigenfertigungstiefe | 18 Komponentenwerke, ~65 % der Fahrzeugkosten selbst produziert |
Die zweite Marke und ihr erstes Modell sind angekündigt, aber noch nicht im Detail vorgestellt; Name, Modelle und Europa-Pläne stehen aus. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Für Deutschland ist der Technologietag doppelt relevant, weil Leapmotor hier über Stellantis (Opel, Peugeot, Citroën) bereits stark verkauft – der T03 ab rund 18.900 Euro und das SUV B10 gehören zu den Aufsteigern. Die vorgestellten Technologien fließen mittelfristig in die Modelle ein, die auch nach Europa kommen: Ein kostenloses, dauerhaftes Assistenz-Upgrade für alle LiDAR-Autos ist ein handfestes Kundenversprechen, das sich von der Kurzlebigkeit vieler Software-Funktionen abhebt. Und die extreme Fertigungstiefe (rund 65 Prozent der Fahrzeugkosten selbst produziert) erklärt, warum Leapmotor seine Kampfpreise überhaupt halten kann.
Spannend ist die zweite Marke: Bisher ist Leapmotor in Deutschland der Preisbrecher. Ein höherwertiges Schwesterlabel würde die Marke nach oben öffnen – ähnlich wie Nio mit Onvo oder BYD mit Denza. Ob und wann diese neue Marke nach Europa kommt, ist offen; der Zeitplan (erstes Modell Q4 2027 in China) legt einen Europastart frühestens Ende der Dekade nahe. Für deutsche Käufer ist der Technologietag damit weniger ein konkretes Produktversprechen als ein Beleg, wie schnell und tief Leapmotor Technik entwickelt – und dass die Marke den Sprung vom Billig- zum Technologieanbieter plant.
Der „Apple der Autos“-Vergleich ist selbstbewusst, aber nicht aus der Luft gegriffen: Leapmotor entwickelt vieles selbst, hält damit die Kosten niedrig und liefert Technik in Segmente, die andere nur teuer bedienen. Das kostenlose Lifetime-Upgrade fürs Assistenzsystem ist ein cleverer Vertrauensbeweis. Die eigentliche Wette ist die zweite Marke – der Versuch, aus dem margenschwachen Preiskampf nach oben auszubrechen. Ob daraus ein „iPhone-Moment“ wird, entscheidet das erste Produkt Ende 2027. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

