Bild-Quelle: BYD
Von 10.000 auf über 40.000 Beschäftigte
In einem Interview mit Bloomberg TV auf der Pariser Automesse am 12. Oktober nannte BYD-Vizepräsidentin Stella Li, die das gesamte Auslandsgeschäft verantwortet, erstmals eine konkrete Zielmarke für Europa: Die Belegschaft werde 2030 „absolutely over 40,000“ betragen, also auf jeden Fall über 40.000 Menschen. Derzeit steuert BYD in Europa auf rund 10.000 Beschäftigte zu. Das Engagement in Europa sei „very deep“ und „long term“ angelegt, so Li.
Rekrutieren will BYD nicht nur in der Autoindustrie, sondern auch in angrenzenden Branchen – ausdrücklich auch Fachkräfte von europäischen Herstellern und Zulieferern, die derzeit Stellen abbauen. Wie sich die neuen Stellen auf Länder, Vertrieb, Service, Entwicklung und Produktion verteilen, ließ Li offen.
| Beschäftigte BYD Europa aktuell | rund 10.000 |
| Ziel 2030 | deutlich über 40.000 |
| Erstes Europa-Werk | Szeged (Ungarn) |
| Serienstart Szeged | 4. Quartal 2026 |
| Weitere Werksstandorte im Gespräch | Frankreich, Spanien |
| Werk Türkei | Bau nicht begonnen, auf Eis gelegt |
| Verteilung der neuen Stellen | nicht bekannt |
Stand 14.10.2026. Angaben von Stella Li bzw. BYD, Stellenverteilung bislang offen.
Werk Szeged: Serienstart mit einem Jahr Verspätung
Kern der Expansion ist die Produktion vor Ort. Das Werk in Szeged sollte ursprünglich Ende 2025 anlaufen, verzögerte sich aber um rund ein Jahr. Nach einer Testproduktion seit Anfang 2026 befindet es sich laut Li in der letzten Vorbereitungsphase, die Serienfertigung soll im vierten Quartal starten. Als erstes Modell ist nach früheren Angaben der Kleinwagen Dolphin Surf vorgesehen.
Für deutsche Käufer ist das relevant, weil in der EU gebaute BYD-Elektroautos nicht unter die EU-Ausgleichszölle fallen. Auf reine Elektroautos, die BYD aus China importiert, wird zusätzlich zum Basiszoll von 10 Prozent ein Zusatzzoll von 17 Prozent fällig. Mehr zu den Regeln steht in unserem Überblick zum Import chinesischer E-Autos nach Deutschland.
Zwei weitere Werke wahrscheinlich – Türkei auf Eis
Li zufolge wird BYD wahrscheinlich zwei weitere Werke in Europa bauen, Frankreich und Spanien stehen auf der Liste. Das 2024 angekündigte Werk in der Türkei mit einer geplanten Investition von einer Milliarde US-Dollar ist dagegen auf Eis gelegt, der Bau hat nicht begonnen. Die Priorität liegt auf Ungarn.
Zur neuen Verständigung zwischen der EU und China, die die Exporte chinesischer Plug-in-Hybride nach Europa etwa halbieren soll, äußerte sich Li zurückhaltend: BYD prüfe die Auswirkungen noch und warte auf Details. Für BYD ist das Thema heikel, weil Plug-in-Hybride wie der Seal U DM-i ein wichtiger Teil des Europa-Geschäfts sind. Eine Fertigung in Europa würde den Hersteller von solchen Kontingenten unabhängiger machen.
40.000 Beschäftigte wären eine Größenordnung, die BYD in Europa vom Importeur zum etablierten Hersteller mit eigener Industrie macht. Noch ist das Ziel allerdings eine Ankündigung ohne Aufschlüsselung, und schon das Werk in Ungarn kam ein Jahr später als geplant. Entscheidend wird, ob Szeged im vierten Quartal tatsächlich in Serie geht und welche Modelle dort zu welchen Preisen vom Band laufen.

