Bild-Quelle: BYD
Zwei Riesen-Displays statt Tacho und Head-up-Display
BYD hat am 16. Oktober 2026 die Giant Screen UI vorgestellt, die neue Bedienoberfläche für die dritte Generation des Tang EV. Kern ist eine neue Anordnung der Bildschirme: Direkt unter der Windschutzscheibe sitzt ein 35,4 Zoll breites Display, das Fahrdaten, Fahrzeugstatus und Navigation zeigt. Es ersetzt sowohl das klassische Kombiinstrument hinter dem Lenkrad als auch ein separates Head-up-Display. Darunter zieht sich ein 30 Zoll großer Panorama-Touchscreen über die Mitte und die Beifahrerseite.
Die Bedienoberfläche ist modular aufgebaut. Fenster für Navigation, Medien und Fahrzeuginformationen lassen sich kombinieren, in der Größe ändern und nebeneinander anordnen. In einer Dreifach-Ansicht zeigt der große Bildschirm etwa die Umgebungskamera, die Karte und den Mediaplayer gleichzeitig, auf der Beifahrerseite bleibt Platz für eigene Inhalte. BYD verspricht weitreichende Möglichkeiten zur Personalisierung. Laut Berichten ist das System zunächst den höheren Ausstattungen vorbehalten.
| 35,4-Zoll-Display unter der Frontscheibe | Tempo, Fahrzeugstatus, Navigation; ersetzt Kombiinstrument und Head-up-Display |
| 30-Zoll-Panorama-Touchscreen | über Mitte und Beifahrerseite, frei kombinierbare Fenster |
| Kombiinstrument hinter dem Lenkrad | entfällt |
| Head-up-Display | entfällt |
| KI-Begleiter | Xiao Mianbao, animiert, reagiert auf Sprache und Mimik |
| Erstes Modell | BYD Tang EV, 3. Generation (China, Q4 2026) |
Stand 18.10.2026, Herstellerangaben für China.
Abschied vom drehbaren Bildschirm
Mit der Giant Screen UI verabschiedet sich BYD in seinem neuen Flaggschiff von einem Markenzeichen: dem drehbaren Touchscreen in der Mitte, der sich per Knopfdruck vom Quer- ins Hochformat stellen lässt und in Europa etwa im Dolphin, Atto 3 und Seal steckt. Stattdessen setzt BYD auf eine feste, horizontale Bildschirmlandschaft, wie sie auch andere chinesische Hersteller und zunehmend europäische Marken verwenden.
Neu ist auch Xiao Mianbao, übersetzt etwa „kleines Brötchen“: ein animierter KI-Begleiter im Innenraum, der über Kamera und Sprache mit den Insassen interagiert und wechselnde Gesichtsausdrücke zeigt. Laut BYD-Vertriebschef Lu Tian ist das Cockpit von den Steuerpulten der Raumschiffe aus Science-Fiction-Filmen inspiriert.
Der neue Tang EV: 5,05 Meter, bis 850 km CLTC
Der Tang der dritten Generation ist ein fünfsitziges SUV und gemeinsam mit dem größeren Da Tang das Flaggschiff der Dynasty-Reihe von BYD. Gezeigt wurde er erstmals im August 2026 auf der Messe in Chengdu. Mit 5,05 Metern Länge ist er 145 mm länger als sein Vorgänger, der Radstand wächst um 130 mm auf 2,95 Meter. Im Fond gibt es über einen Meter Beinfreiheit, die Rückenlehnen lassen sich bis 130 Grad neigen.
Angetrieben wird der Tang EV laut chinesischer Typgenehmigung von einem Elektromotor an der Hinterachse mit 300 kW (408 PS), Spitze 250 km/h. Die Blade-Batterie der zweiten Generation gibt es mit 88,7 und 105,8 kWh, die Reichweite liegt bei 730 bis 850 km nach dem chinesischen CLTC-Zyklus, nach WLTP dürften es etwa 15 bis 25 Prozent weniger sein. An BYDs Flash-Ladesäulen soll der Akku von 10 auf 70 Prozent in rund fünf Minuten laden, auf 97 Prozent in etwa neun Minuten. Serienmäßig sind die Luftfederung DiSus-A und das Assistenzsystem God's Eye B mit Lidar auf dem Dach.
| Länge / Breite / Höhe | 5.045 / 1.980 / 1.760 mm |
| Radstand | 2.950 mm |
| Sitzplätze | 5 |
| Antrieb | Elektromotor hinten, 300 kW (408 PS) laut Typgenehmigung |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Batterie | Blade-Batterie 2. Generation, 88,7 oder 105,8 kWh |
| Reichweite CLTC | 730 / 830 / 850 km |
| Flash Charging | 10–70 % in ca. 5 Min., 10–97 % in ca. 9 Min. |
| Fahrwerk | Luftfederung DiSus-A |
| Assistenz | God's Eye B mit Lidar |
| Marktstart China | Q4 2026 |
| Preis | noch nicht bekannt |
Stand 18.10.2026. Daten laut BYD und chinesischer Typgenehmigung; die CLTC-Reichweite liegt nach WLTP etwa 15 bis 25 Prozent niedriger.
Kommt das Riesen-Cockpit nach Europa?
Offiziell gibt es dazu noch keine Aussage. Laut Berichten will BYD das neue Cockpit 2027 in weitere Modelle bringen, auch in günstigere Preisklassen. In Europa verkauft BYD die Tang-Familie bislang nur indirekt: Der siebensitzige Tang L kommt hier als Atto 8 auf den Markt. Ob die nächste Generation europäischer BYD-Modelle die Giant Screen UI erhält, ist offen. Der Sprachassistent und der KI-Begleiter müssten dafür ohnehin erst übersetzt und für Europa angepasst werden.
Hinzu kommen regulatorische Fragen: Euro NCAP bewertet seit 2026, ob wichtige Funktionen wie Blinker, Warnblinker, Hupe und Scheibenwischer über physische Bedienelemente erreichbar sind. Reine Touch-Cockpits haben es damit schwerer, die volle Punktzahl zu erreichen.
Zwei Displays mit zusammen über 65 Zoll Diagonale sehen spektakulär aus, ziehen aber auch viel Aufmerksamkeit auf sich. Dass Tempo und Navigation direkt unter der Windschutzscheibe liegen, verkürzt zwar den Blickweg, ersetzt aber kein echtes Head-up-Display, das Informationen in die Fahrbahn projiziert. Wie gut die Bedienung im Alltag funktioniert und wie hell und blendfrei die Bildschirme nachts sind, zeigen erst Testfahrten nach dem Marktstart in China.

