EU und China einigten sich am 9. Oktober auf eine Bremse für Hybrid-Exporte.
Bild-Quelle: BYD
EU und China einigen sich auf Bremse für Hybrid-Exporte
Zwei Tage lang verhandelten EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking. Am 9. Oktober verkündete Šefčovič ein „gemeinsames Verständnis“: China soll seine Exporte von Hybriden und Plug-in-Hybriden in die EU moderieren. Šefčovič sprach von der Aussicht, diese Exporte um mehr als die Hälfte zu senken, und von einem ersten, aber eben nur ersten Schritt zu einem ausgeglicheneren Handel.
Konkreter wurde er bei der Größenordnung: „Im Fall von Hybriden und Plug-in-Hybriden sprechen wir davon, die Exporte aus China in die Europäische Union über vier Jahre um mehrere Millionen Autos zu reduzieren.“ Eine Ausgangsbasis, einen Zeitplan oder einen Mechanismus – etwa Quoten oder Exportlizenzen – nannte er nicht.
Das chinesische Handelsministerium bestätigte eine Verständigung, bezeichnete sie als WTO-konform und veröffentlichte keine Zahlen. Damit endete die Runde, die wir vorab unter dem Stichwort China-Hybride im Visier beschrieben hatten, mit einem Ergebnis, das Brüssel deutlich weiter auslegt als Peking.
Warum Plug-in-Hybride aus China ins Visier geraten sind
Seit Oktober 2024 zahlen reine Elektroautos aus China neben dem regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent zusätzliche Ausgleichszölle von 7,8 bis 35,3 Prozent. Hybride und Plug-in-Hybride sind davon ausgenommen und tragen nur die 10 Prozent. Wie sich diese Regeln im Einzelnen verteilen, zeigt unsere Übersicht zu den EU-Strafzöllen und der Hybrid-Ausnahme.
Viele chinesische Hersteller haben ihr Europa-Angebot seitdem auf Plug-in-Hybride verlagert. Berichten zufolge stiegen die EU-Importe chinesischer Hybride von rund 3.800 Fahrzeugen im Oktober 2024 auf etwa 50.000 im Juli 2026 – pro Monat. Nach Zahlen des Herstellerverbands ACEA kamen chinesische Marken im ersten Halbjahr 2026 in Europa auf 14 Prozent der Vollhybrid- und 25 Prozent der Plug-in-Hybrid-Verkäufe; 2024 waren es jeweils 2 Prozent.
| Verhandlungen | 8. und 9. Oktober 2026, Peking |
| Beteiligte | Maroš Šefčovič (EU), Wang Wentao (China) |
| Ziel laut EU | Hybrid-Exporte um mehr als die Hälfte senken |
| Größenordnung laut EU | mehrere Millionen Autos über vier Jahre |
| Mechanismus und Ausgangsbasis | nicht veröffentlicht |
| Zoll heute auf China-PHEV | 10 Prozent Basiszoll |
| Zoll auf China-BEV | 10 Prozent plus 7,8 bis 35,3 Prozent |
| Anteil China-Marken an PHEV in Europa (H1 2026) | 25 Prozent (2024: 2 Prozent) |
| Nächster Termin | EU-Gipfel 15./16. Oktober 2026 |
Stand 12. Oktober 2026. Zielgröße und Zeitraum sind Angaben der EU-Seite; China hat keine Zahlen bestätigt.
Welche Modelle in Deutschland betroffen sein könnten
Welche Hersteller und Modelle eine Begrenzung treffen würde, ist nicht bekannt. Klar ist nur, welche Antriebsart im Fokus steht: Plug-in-Hybride wie der BYD Seal U DM-i, der in Deutschland bereits verkauft wird, oder das Luxus-SUV Zeekr 9X, das als Plug-in-Hybrid nach Europa kommt. Ob auch Range-Extender-Modelle (EREV) unter die Vereinbarung fallen, ist offen.
Ebenso offen ist, wie die Mengen auf einzelne Hersteller verteilt würden und ob Fahrzeuge aus europäischer Produktion chinesischer Marken anders behandelt werden. Belastbare Aussagen zu Lieferzeiten oder Preisen lassen sich deshalb noch nicht ableiten.
Nächste Schritte: EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober
Entschieden ist noch nichts. Die Ergebnisse gehen an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und an die Mitgliedstaaten, die das letzte Wort haben. Der Europäische Rat befasst sich am 15. und 16. Oktober mit dem Paket. Für Januar 2027 ist eine Videokonferenz der Minister geplant, für März 2027 die nächste Runde des Handelsdialogs.
Parallel laufen die Verfahren zu Preisverpflichtungen einzelner Hersteller im Antisubventionsverfahren gegen chinesische Elektroautos weiter. Bei Seltenen Erden und Permanentmagneten sagte China einen „grünen Kanal“ für schnellere Exportgenehmigungen in die EU zu.
Die Reaktionen fielen vorsichtig aus. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) nannte die Einigung „ein erstes positives Signal“, will aber erst die Details abwarten. ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries sprach von einer möglichen „neuen Ära chinesischer Präsenz auf dem europäischen Markt“, die geordnet verlaufen müsse. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, sah Fortschritte, aber noch keinen zentralen Durchbruch.
Für bestellte oder verfügbare Plug-in-Hybride aus China ändert sich vorerst nichts: Es gilt weiter der Basiszoll von 10 Prozent, und eine Mengenbegrenzung ist weder beschlossen noch ausgestaltet. Wer ein solches Modell ins Auge fasst, sollte die Entscheidung der EU-Staats- und Regierungschefs und die Details zum Mechanismus abwarten, bevor er mit Engpässen oder Preisänderungen rechnet.

