GWMs Elektromarke Ora bringt Ora 5 GT und Sport – wahlweise als Elektro, Hybrid oder Benziner. In Deutschland ist der Wechsel längst da: den Ora 5 gibt es hier als Benziner ab 24.990 €.
Bild-Quelle: GWM ORA
Ora baut Benziner: GWMs E-Marke vollzieht den Strategiewechsel
Es ist ein bemerkenswerter Kurswechsel: Ora, 2018 als reine Elektromarke von Great Wall Motor (GWM) gegründet, hat am 28. August die neuen Modelle Ora 5 GT und Ora 5 Sport vorgestellt – und bietet beide wahlweise als Elektroauto, Hybrid oder reinen Benziner an. Eine E-Marke, die Verbrenner verkauft: Das galt lange als Tabu, ist im chinesischen Preiskampf aber zur pragmatischen Realität geworden.
Der sportlich gezeichnete Ora 5 GT (tiefergelegt, Aero-Bodykit, großer Heckflügel) startet in China zu Aktionspreisen ab 89.800 Yuan, der Ora 5 Sport ab 71.800 Yuan (rund 10.600 Euro). Die Elektroversionen fahren bis zu 580 Kilometer (CLTC) und laden in 20 Minuten von 30 auf 80 Prozent; sie nutzen die zweite Generation der Kurz-Blade-Batterie. Möglich macht die Antriebsvielfalt GWMs „Global One“-Plattform, auf der ein Modell alle drei Antriebsarten aufnehmen kann.
Für Deutschland ist der Strategiewechsel keine ferne China-Nachricht, sondern längst Alltag: Den regulären Ora 5 verkauft GWM hierzulande bereits als reinen Benziner, als Vollhybrid und als Elektroauto – den Verbrenner ab 24.990 Euro (Aktionspreis), den Hybrid ab 26.990 Euro. GWM hatte im Oktober 2025 angekündigt, sein Europa-Angebot bewusst um Verbrenner und Vollhybride zu erweitern und zusätzlich die Marke Haval nach Europa zu bringen.
| Neu (China, 28.08.) | Ora 5 GT und Ora 5 Sport |
|---|---|
| Antriebe | Elektro, Hybrid oder reiner Benziner |
| Preis China (Aktion) | Sport ab 71.800 Yuan, GT ab 89.800 Yuan (~10.600–13.200 €) |
| E-Reichweite | bis 580 km (CLTC); 30–80 % in 20 Minuten |
| Batterie (E) | 2. Gen. Kurz-Blade (Svolt), 58,3 kWh, 150 kW |
| Plattform | GWM „Global One“ (drei Antriebe in einem Modell) |
| Ora 5 in Deutschland | Benziner ab 24.990 €, Hybrid ab 26.990 €, auch als Elektro |
| GWM-Europastrategie | Verbrenner und Hybride ergänzen; Marke Haval kommt |
Die China-Preise sind zeitlich befristete Aktionspreise. Die CLTC-Reichweite liegt nach europäischem WLTP-Standard niedriger (Ora 5 EV in Europa: rund 435 km WLTP).
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Der Fall Ora zeigt, wie chinesische Hersteller ihre Strategie an die Realität anpassen – und das betrifft Deutschland direkt. GWM tut sich in Europa schwer: Die Zusammenführung von Ora und Wey unter das Dach GWM und hohe Rabatte auf den Elektro-Kleinwagen Ora 3 brachten nicht den erhofften Schub. Die Antwort ist Antriebsvielfalt: Wer sich (noch) kein reines E-Auto zutraut, soll denselben Wagen als Hybrid oder Benziner bekommen.
Für deutsche Käufer heißt das mehr Auswahl zu Kampfpreisen – der Ora 5 tritt ab 24.990 Euro gegen VW Tiguan, BYD Atto 3 und Dacia Bigster an, wahlweise mit Verbrenner. Kritisch betrachtet verwässert es aber den E-Auto-Anspruch der Marke: Aus dem Elektro-Pionier Ora wird ein Mehrmarken-Gemischtwarenladen. Ob die Rechnung aufgeht, ist offen – klar ist nur, dass es reine E-Marken im aktuellen Marktumfeld schwer haben.
Oras Wandel vom Elektro-Pionier zum Multi-Antriebs-Anbieter ist ein Signal: Der reine E-Auto-Fokus, mit dem viele China-Marken angetreten sind, weicht dem Pragmatismus des Preiskampfs. Für europäische Käufer ist das kurzfristig gut (mehr Auswahl, günstige Preise), für die Elektromobilität ein ambivalentes Zeichen. Dass ausgerechnet in Europa, wo der Verbrenner-Ausstieg näher rückt, eine chinesische „E-Marke“ Benziner anbietet, ist eine bemerkenswerte Pointe.

