Ein US-Regierungslabor prüft, ob chinesische LiDAR-Sensoren ein Sicherheitsrisiko in Fahrzeugen darstellen – ob sie gehackt, ferngesteuert lahmgelegt oder zur Datenweitergabe genutzt werden könnten. Das Thema betrifft auch Europa: Fast jedes neue China-E-Auto und viele westliche Modelle nutzen LiDAR von chinesischen Marktführern wie Hesai und RoboSense.

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LiDAR-Sensoren sind inzwischen in vielen Fahrzeugen zu finden.
BIld-Quelle: BYD

US-Labor prüft chinesische LiDAR-Sensoren auf Sicherheitsrisiken

Ein Labor des US-Energieministeriums, das Idaho National Laboratory, untersucht, ob chinesische LiDAR-Sensoren ein Cybersicherheits- und Überwachungsrisiko darstellen, falls sie sich in Fahrzeugen breit durchsetzen. Das berichtete zunächst TechCrunch unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Finanziert wird die Untersuchung von einem oder mehreren – nicht genannten – Unternehmen aus der Elektro- und Autonomiebranche.

Konkret geht es um drei Sorgen: Könnten die Sensoren gehackt, in großer Zahl ferngesteuert lahmgelegt oder dazu genutzt werden, detaillierte Umgebungsdaten – etwa von Straßen, Gebäuden oder Infrastruktur – nach China zu übermitteln? LiDAR erzeugt ein hochauflösendes 3D-Bild der Fahrzeugumgebung und ist zentraler Baustein moderner Assistenz- und Autonomiesysteme. Belege für eine tatsächliche Fernabschaltung im großen Stil gibt es bislang nicht; ein Firmware-Fehler legte Anfang 2024 allerdings Hesai-bestückte Fahrzeuge für über einen Tag lahm – und zeigte damit, wie verwundbar solche Systeme sein können.

Der Hintergrund ist Marktmacht: Chinesische Anbieter wie Hesai und RoboSense kontrollieren rund 80 Prozent des weltweiten LiDAR-Marktes und haben die Preise von einst bis zu 75.000 Dollar auf teils wenige Hundert Dollar gedrückt. In den USA steht Hesai auf einer Liste mutmaßlich militärnaher chinesischer Unternehmen und wehrt sich juristisch dagegen; Gesetzentwürfe zielen auf ein Verbot in staatlichen Fahrzeugen. Für den Wagen, den ein Verbraucher beim Händler kauft, gilt das bislang nicht.

Wer prüft? Idaho National Laboratory (US-Energieministerium)
Was? Sicherheitsrisiken chinesischer LiDAR-Sensoren in Fahrzeugen
Sorgen Hacking, ferngesteuerte Abschaltung, Datenabfluss nach China
Finanziert von Unternehmen der E-Auto-/Autonomiebranche (nicht genannt)
Betroffene Anbieter Hesai, RoboSense (China-Marktführer)
China-Anteil LiDAR-Weltmarkt rund 80 %
Belege für Fernabschaltung bislang keine (aber Firmware-Ausfall 2024)
Betrifft Verbraucherfahrzeuge? bislang nicht – Debatte läuft

Die Untersuchung ist ein US-Vorgang. Konkrete Ergebnisse oder Verbote für Privatfahrzeuge liegen nicht vor; Hesai und RoboSense äußerten sich auf Anfragen nicht.

Warum das auch für deutsche Käufer relevant ist

Auch wenn die Prüfung in den USA läuft, ist die zugrundeliegende Frage für Europa hochrelevant. Denn dieselben chinesischen LiDAR-Marktführer stecken in den Assistenzsystemen zahlreicher Modelle, die in Deutschland verkauft werden – nicht nur in China-Marken, sondern zunehmend auch in europäischen und US-Fahrzeugen, weil günstige chinesische Sensoren kaum zu umgehen sind. Wer heute ein modernes Auto mit LiDAR kauft, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit chinesische Sensortechnik an Bord.

Für deutsche und europäische Käufer verschiebt das den Blick von der reinen Reichweiten- und Preisfrage hin zu Datensicherheit und digitaler Souveränität. Ein vernetztes Auto sammelt permanent Umgebungs-, Standort- und Nutzungsdaten – wo diese verarbeitet und gespeichert werden, ist eine berechtigte Frage. Anders als in den USA gilt in der EU die DSGVO, die den Umgang mit personenbezogenen Daten streng regelt. Welche Daten ein modernes E-Auto tatsächlich erhebt und worauf man beim Datenschutz achten sollte, beleuchten wir im Beitrag Datenschutz bei China-E-Autos.

Einordnung

Die Debatte um chinesische LiDAR-Sensoren ist Teil eines größeren Themas: Moderne Autos sind rollende Computer voller Sensoren, Kameras und Funkmodule. Chinas Dominanz bei bezahlbarer Sensorik macht die Technik für alle Hersteller attraktiv – und wirft zugleich Fragen nach Abhängigkeit und Sicherheit auf. In Europa steht die Antwort noch aus; klar ist aber, dass Datensicherheit neben Preis und Reichweite zu einem eigenständigen Kaufkriterium wird.

Was ist LiDAR überhaupt?
LiDAR (Light Detection and Ranging) misst mit Laserpulsen die Entfernung zu Objekten und erzeugt ein hochauflösendes 3D-Bild der Umgebung. Es ist ein zentraler Sensor für Assistenz- und autonome Fahrsysteme.

Können chinesische LiDAR-Sensoren wirklich ferngesteuert werden?
Belege für eine gezielte Fernabschaltung im großen Stil gibt es bislang nicht. Ein Firmware-Fehler legte 2024 aber Hesai-bestückte Fahrzeuge für über einen Tag lahm und zeigte, dass solche Systeme grundsätzlich verwundbar sind.

Betrifft das nur chinesische Autos?
Nein. Chinesische Anbieter wie Hesai und RoboSense kontrollieren rund 80 Prozent des LiDAR-Weltmarktes. Auch europäische und US-Hersteller setzen ihre Sensoren ein – die Technik steckt also in vielen Marken.

Gibt es in Europa ein Verbot?
Nein. Die Prüfung läuft in den USA und betrifft dort bislang vor allem staatliche und militärische Fahrzeuge, nicht den Autokauf beim Händler. In Europa gilt für Fahrzeugdaten die DSGVO.

Sollte ich mir beim Autokauf Sorgen machen?
Panik ist unangebracht, ein wacher Blick sinnvoll. Datensicherheit wird neben Preis und Reichweite zu einem eigenen Kriterium. Ein Blick in die Datenschutzerklärung und die Datenschutz-Einstellungen des Fahrzeugs lohnt sich.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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redaktion@chinaelektro.de · LinkedIn