Leapmotor kappt sein Jahresgewinnziel um 40 Prozent – trotz Rekord-Halbjahr. Der Stellantis-Partner, die derzeit erfolgreichste China-Marke in Deutschland, verdiente im ersten Halbjahr zwar mehr denn je, senkt seine Gewinnprognose für 2026 aber wegen steigender Rohstoffkosten von fünf auf rund drei Milliarden Yuan.

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Mit dem D99 schickte Leapmotor zuletzt einen Elektro-Van ins Rennen.
Bild-Quelle: Leapmotor

Leapmotor kappt Jahresgewinnziel um 40 Prozent – trotz Rekord-Halbjahr

Leapmotor, die über ein Joint Venture mit Stellantis vertriebene und derzeit am schnellsten wachsende China-Marke in Deutschland, hat am 24. August seine Halbjahreszahlen vorgelegt – und zugleich seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich gesenkt. Das Management erwartet für 2026 nun einen Nettogewinn von rund drei Milliarden Yuan statt der zuvor angepeilten fünf Milliarden. Als Grund nennt Leapmotor gestiegene Rohstoffkosten.

Dabei war das erste Halbjahr operativ ein Rekord. Der Umsatz stieg um 57,2 Prozent auf 38,11 Milliarden Yuan, der Nettogewinn versechsfachte sich auf 210 Millionen Yuan – das dritte profitable Halbjahr in Folge. Mit 356.487 ausgelieferten Fahrzeugen (plus 60,8 Prozent) ist Leapmotor das absatzstärkste unter Chinas jungen E-Auto-Startups; im Juli knackte die Marke als erstes dieser Startups die Marke von 100.000 Auslieferungen in einem Monat.

Der Haken liegt in der Qualität der Gewinne. Die Bruttomarge sank im Halbjahr auf 11,7 Prozent (von 14,1 Prozent), die Fahrzeugmarge liegt nur bei rund 10 bis 11 Prozent. Auch der operative Cashflow schrumpfte deutlich. Leapmotor wächst also stark über die Stückzahl, verdient pro Auto aber wenig – ein Muster, das im chinesischen Preiskampf typisch ist.

Gewinnprognose 2026 gesenkt auf ~3 Mrd. Yuan (von 5 Mrd.)
Grund gestiegene Rohstoffkosten
Umsatz H1 2026 38,11 Mrd. Yuan (+57,2 %)
Nettogewinn H1 2026 210 Mio. Yuan (+600 %; 3. profitables Halbjahr)
Auslieferungen H1 2026 356.487 (+60,8 %) – Nr. 1 der China-Startups
Bruttomarge H1 11,7 % (Fahrzeugmarge ~10–11 %)
Export H1 2026 96.294 Fahrzeuge (+372,6 %); Jahresziel ~200.000
Jahresziel Absatz 1 Mio. Fahrzeuge (bis Juli erst 45,8 % erreicht)

Alle Angaben sind Unternehmenszahlen für das erste Halbjahr 2026. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.

Was das für den deutschen Markt bedeutet

Für Deutschland ist Leapmotor der wichtigste China-Newcomer des Jahres: Über die Stellantis-Partnerschaft nutzt die Marke das Händler- und Servicenetz von Opel, Peugeot und Citroën und hatte damit vom Start weg deutlich mehr Servicepunkte als Zeekr, Nio und Xpeng zusammen. Verkauft werden hierzulande vor allem der Kleinwagen T03 (ab rund 18.900 €) und das Kompakt-SUV B10 (ab rund 29.900 €). Der Absatz zieht spürbar an – im deutschen Zulassungsranking gehört Leapmotor zu den größten Gewinnern.

Die Gewinnwarnung ist trotzdem relevant: Sie zeigt, dass selbst die erfolgreichste China-Marke in Deutschland ihre niedrigen Preise mit dünnen Margen erkauft. Für Käufer ist das kurzfristig gute Nachricht – der aggressive Preiskampf drückt die Preise. Mittelfristig stellt sich die Frage, wie lange die Hersteller diese Strategie durchhalten. Ein Pluspunkt für Europa: Leapmotor fertigt Modelle wie den B10 künftig in Spanien und umgeht damit den EU-Sonderzoll, was die günstigen Preise absichert.

Einordnung

Leapmotor verkörpert das Erfolgsrezept vieler China-Marken: enorme Stückzahlen zu Kampfpreisen, abgesichert durch einen starken Partner. Mit Stellantis im Rücken hat die Marke in Europa den entscheidenden Vorteil eines fertigen Vertriebs- und Servicenetzes. Die gesenkte Gewinnprognose erinnert aber daran, dass der chinesische Preiskampf auch die Gewinner unter Druck setzt – Wachstum und Profitabilität sind zweierlei. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

Warum senkt Leapmotor seine Gewinnprognose?
Wegen gestiegener Rohstoffkosten. Das Management erwartet für 2026 nun rund drei Milliarden Yuan Nettogewinn statt der zuvor angepeilten fünf Milliarden – ein Minus von 40 Prozent, obwohl das Halbjahr operativ ein Rekord war.

Steckt Leapmotor in Schwierigkeiten?
Nein, im Gegenteil: Umsatz und Absatz wachsen stark, das Halbjahr war profitabel. Das Problem ist die dünne Marge – Leapmotor verdient pro verkauftem Auto wenig, ein typisches Muster im chinesischen Preiskampf.

Welche Leapmotor-Modelle gibt es in Deutschland?
Vor allem den Kleinwagen T03 (ab rund 18.900 €) und das Kompakt-SUV B10 (ab rund 29.900 €). Über Stellantis nutzt Leapmotor das Netz von Opel, Peugeot und Citroën.

Sind China-Preise langfristig haltbar?
Das ist die entscheidende Frage. Die niedrigen Preise gehen zulasten der Marge. Kurzfristig profitieren Käufer, mittelfristig hängt viel davon ab, wie lange die Hersteller den Preiskampf finanzieren können.

Zahlt Leapmotor den EU-Sonderzoll?
Für importierte Modelle ja, für in Europa gefertigte nicht. Der T03 lief zeitweise in Polen vom Band, der B10 soll künftig in Spanien gebaut werden – solche EU-Produktion umgeht den Zoll und sichert die günstigen Preise.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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redaktion@chinaelektro.de · LinkedIn