JAC baut bereits die hochpreisigen Maextro-Fahrzeuge für Huaweis Allianz HIMA
Bild-Quelle: HIMA/Huawei/JAC
Maserati setzt auf China-Technik: E-Modelle mit Huawei und JAC
Die traditionsreiche italienische Marke Maserati könnte ihre Zukunft ausgerechnet mit chinesischer Technik sichern. Nach übereinstimmenden Medienberichten planen Maserati und der Mutterkonzern Stellantis zwei neue Elektromodelle, die gemeinsam mit dem Tech-Konzern Huawei und dem chinesischen Autobauer JAC entwickelt werden. Im Gespräch sind ein großer elektrischer Gran Turismo und ein Mittel- bis Oberklasse-SUV – der GT soll zuerst kommen. Stellantis bestätigt Gespräche mit Partnern, kommentiert die Details aber nicht; eine endgültige Vereinbarung ist noch nicht unterschrieben.
Die Rollenverteilung ist bemerkenswert und kehrt das gewohnte Bild um: Huawei soll die Kerntechnik und die Produktdefinition liefern, JAC Entwicklung und Fertigung übernehmen – und Maserati steuert Design, Markennamen und die weltweiten Vertriebskanäle bei. Das Modell würde in China unter der Huawei-nahen Luxusmarke Maextro laufen und im Ausland ein Maserati-Emblem tragen. JAC baut bereits die hochpreisigen Maextro-Fahrzeuge für Huaweis Allianz HIMA. Der erste gemeinsame Wagen könnte laut Berichten in der zweiten Jahreshälfte 2027 in Serie gehen; eine offizielle Entscheidung wird für Dezember 2026 erwartet.
Der Hintergrund ist die tiefe Krise der Marke: Maserati verkaufte 2025 weltweit nur noch 11.127 Fahrzeuge – weniger als die Hälfte des Werts von 2023 (26.689). Wiederholt gab es Berichte über einen möglichen Verkauf, an dem auch chinesische Konzerne wie Xpeng, Xiaomi und BYD Interesse gezeigt haben sollen. Mit der Huawei-JAC-Partnerschaft versucht Stellantis nun, die Marke ohne Verkauf zu retten – durch schnelle Entwicklungszyklen, Software und E-Auto-Kompetenz, mit denen westliche Hersteller kaum mithalten können.
| Vorhaben | zwei Maserati-Elektromodelle mit China-Technik |
|---|---|
| Partner | Huawei (Kerntechnik) + JAC (Entwicklung/Fertigung) |
| Modelle | großer Elektro-GT (zuerst) und Mittel-/Oberklasse-Elektro-SUV |
| Rolle Maserati | Design, Marke, weltweiter Vertrieb |
| Markenführung | in China als „Maextro“, im Ausland als Maserati |
| Serienstart (Bericht) | zweite Jahreshälfte 2027 |
| Entscheidung erwartet | Dezember 2026 (Maserati-Investorentag) |
| Hintergrund | Absatzeinbruch: 2025 nur 11.127 Fahrzeuge (2023: 26.689) |
| Status | Berichte/Gespräche – noch nichts unterschrieben |
Die Angaben beruhen auf Medienberichten (u. a. Reuters); Stellantis bestätigt Gespräche, kommentiert Details aber nicht. Eine verbindliche Vereinbarung liegt nicht vor. Diese Einordnung ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Für deutsche Beobachter ist der Fall Maserati weniger wegen des Produkts relevant als wegen des Musters, das er bestätigt: Westliche Marken übernehmen zunehmend chinesische Technik, um zu überleben. Volkswagen entwickelt in China mit Xpeng, Volvo stützt sich auf Geely, und nun holt sich mit Maserati eine der edelsten Marken Europas ihre E-Technik von Huawei und JAC. Das ist die vielleicht deutlichste Umkehr der Kräfteverhältnisse: Nicht mehr Europa liefert die Ingenieurskunst, sondern China – Europa liefert das Image.
Konkret könnte ein Maserati mit Huawei-Technik auch in Deutschland auf den Markt kommen, wo die Marke traditionell präsent ist. Für Käufer wäre das zwiespältig: Ein Maserati mit chinesischer Software und Antriebstechnik wäre technologisch womöglich moderner als bisher – zugleich stellt sich die Frage, was ein italienischer Luxusname noch wert ist, wenn Herz und Hirn des Autos aus Shenzhen und Hefei kommen. Für die deutsche Premiumkonkurrenz (Mercedes, BMW, Audi, Porsche) ist die Nachricht ein Warnsignal: Selbst Nischenmarken werden mit China-Technik wieder wettbewerbsfähig.
Dass Maserati über Huawei und JAC nachdenkt, ist mehr als eine Randnotiz aus dem Luxussegment – es ist ein Symbol. Die Frage ist nicht länger, ob China-Technik gut genug für europäische Premiummarken ist, sondern ob diese ohne sie überhaupt noch bestehen können. Noch ist nichts unterschrieben, und die Entscheidung fällt erst im Dezember. Aber allein, dass eine Marke wie Maserati diesen Weg erwägt, zeigt, wie sehr sich das Machtgefüge der Autowelt verschoben hat. Diese Einordnung ist keine Anlageberatung.

