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Was Peking angekündigt hat
Das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) erklärte, China werde das Vorgehen Großbritanniens genau beobachten. Sollte London chinesische E-Autos beschränken, werde China „entschlossene Gegenmaßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen seiner Industrie zu schützen“. Großbritannien solle sich an die WTO-Regeln halten, „zweimal überlegen, bevor es handelt“, und nicht einfach der EU folgen.
Welche Maßnahmen konkret drohen, ließ das Ministerium offen. Bereits am 13. Oktober hatte Chinas Botschaft in London „ernste Besorgnis“ über entsprechende Berichte geäußert.
Auslöser: London rückt an Brüssel heran
Anlass der Warnung waren Äußerungen des britischen Handelsstaatsministers Anas Sarwar. Er hatte am 15. Oktober gesagt, Großbritannien und die EU müssten gegenüber der chinesischen Autoindustrie eng zusammenarbeiten und „im Gleichschritt“ handeln; die Gespräche mit den europäischen Partnern liefen. Zollsätze oder einen Zeitplan nannte er nicht.
Zuvor hatte die EU London laut Berichten aufgefordert, die Zölle auf chinesische E-Autos anzuheben – darüber hatten wir bereits berichtet, als die EU Großbritannien zu Zöllen drängte. Anfang Oktober folgten Medienberichte, wonach Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds mögliche Zölle in Höhe der EU-Sätze von bis zu 45 Prozent vorbereite; die Regierung bestätigte das weder noch dementierte sie es. Ein mögliches Motiv in London ist der Zugang zu den geplanten europäischen „Made in Europe“-Regeln. Aus Sicht der EU geht es zudem um die Sorge, chinesische Autos könnten Zölle über den Umweg Großbritannien umgehen.
Diese Zollsätze gelten in der EU
Die EU erhebt seit dem 30. Oktober 2024 für fünf Jahre Ausgleichszölle auf reine Elektroautos aus China. Sie kommen zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent hinzu. Plug-in-Hybride und Range-Extender sind von den Zusatzzöllen nicht betroffen, für sie gilt nur der Basiszoll. Großbritannien hatte 2024 auf eigene Zusatzzölle verzichtet.
| BYD | 17,0 % + 10 % Basiszoll |
| Geely | 18,8 % + 10 % Basiszoll |
| SAIC (MG) | 35,3 % + 10 % Basiszoll = 45,3 % |
| Tesla (Werk Shanghai) | 7,8 % + 10 % Basiszoll |
| Andere kooperierende Hersteller | 20,7 % + 10 % Basiszoll |
| Plug-in-Hybride / Range-Extender | nur 10 % Basiszoll |
| Großbritannien | bisher keine Zusatzzölle |
Stand 20.10.2026. EU-Ausgleichszölle auf batterieelektrische Pkw aus China, in Kraft seit 30.10.2024 für fünf Jahre.
Warum der britische Markt für Chinas Marken so wichtig ist
Ohne Zusatzzölle ist Großbritannien zum wichtigsten Wachstumsmarkt chinesischer Hersteller in Europa geworden. Laut Branchenverband SMMT kamen chinesische Marken im September 2026 auf 81.776 Neuzulassungen und 23,3 Prozent Marktanteil, nach 12,4 Prozent ein Jahr zuvor. BYD wurde mit 20.129 Zulassungen Zweiter im Gesamtmarkt, die Chery-Gruppe mit Omoda, Jaecoo und Lepas kam mit 32.823 auf Platz drei, MG auf 18.026. Mehr dazu in unserer Analyse, wie China-Marken 23 Prozent im September holten.
Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil chinesischer Marken im September bei 6,1 Prozent. Für Hersteller wie BYD, MG oder Geely, die in Großbritannien gerade ihre Händlernetze ausbauen, wären britische Zölle deshalb ein spürbarer Einschnitt.
Handelsstreit an mehreren Fronten
Die Warnung an London fällt in eine Phase, in der Europa seine Regeln gegenüber China insgesamt verschärft. Die EU und China hatten sich Anfang Oktober auf eine Begrenzung der Hybrid-Importe aus China verständigt; laut Berichten soll ab Dezember eine Quote von 350.000 Fahrzeugen pro Jahr gelten, in der EU montierte Autos sind ausgenommen. Deutschland und Frankreich wollen zudem strengere Herkunftsregeln für Kaufprämien und öffentliche Beschaffung – Details dazu in unserem Artikel, was Merz und Macron für China-Autos planen.
Parallel will die britische Regierung laut einem Bericht ihr ZEV-Mandat lockern: 2030 sollen demnach neben 60 Prozent reinen E-Autos auch Hybride einen Teil der Quote abdecken dürfen. Die Konsultation läuft bis 23. Oktober.
Für deutsche Kunden ändert sich durch den Streit zunächst nichts: Die EU-Zollsätze gelten unverändert seit Oktober 2024. Folgt Großbritannien der EU, fällt aber Europas größter zollfreier Absatzmarkt für chinesische E-Autos weg. Das dürfte den Trend beschleunigen, den wir schon beobachten: mehr Plug-in-Hybride aus China und mehr Fertigung in Europa, etwa bei BYD in Ungarn oder Leapmotor in Spanien.

