Chinas Export-Weltmeister Chery kommt: Ab dem ersten Halbjahr 2027 verkauft der Konzern erstmals unter eigenem Namen in Deutschland – mit vier SUV der Tiggo-Familie. Überraschend: Zum Start gibt es kein reines Elektroauto, sondern nur Voll- und Plug-in-Hybride. Der Einstieg beginnt beim Tiggo 4 ab rund 22.000 Euro.

Chery Tiggo 9

Der Innenraum des Tiggo 9 von Chery.
Bild-Quelle: Chery

Chery startet 2027 in Deutschland – vier SUV, aber kein Elektroauto

Der chinesische Export-Weltmeister Chery macht Ernst: Im ersten Halbjahr 2027 verkauft der Konzern erstmals unter seiner Kernmarke Autos in Deutschland. Bisher war Chery hierzulande nur über die Submarken Omoda und Jaecoo präsent. Zum Auftakt sind vier SUV der Tiggo-Familie geplant – vom kompakten Stadt-SUV bis zum großen Siebensitzer.

Überraschend ist die Antriebsstrategie: Kein einziges der vier Modelle ist zum Start ein reines Elektroauto. Der Tiggo 4 kommt als Vollhybrid, der Tiggo 7 als Voll- und Plug-in-Hybrid, die größeren Tiggo 8 und Tiggo 9 ausschließlich als Plug-in-Hybride. Ein batterieelektrisches Chery-Modell soll erst zeitversetzt folgen – Deutschlandchef Patrick Reimers nennt frühestens Ende 2027 als Ziel; als Vorbote wird die neue Elektro-Baureihe mit dem Tiggo 3 im Herbst auf dem Pariser Autosalon gezeigt.

Die Preise zielen klar auf den Volumenmarkt. Das Einstiegs-SUV Tiggo 4 (4,32 Meter, Vollhybrid, rund 165 kW) soll zwischen 22.000 und 25.000 Euro kosten. Das Flaggschiff Tiggo 9 (4,81 Meter, Siebensitzer, Plug-in-Hybrid mit bis zu 428 PS und rund 150 Kilometern elektrischer Reichweite) ruft rund 49.000 Euro auf. Für Vertrieb und Service setzt Chery auf ein klassisches Händlermodell: zum Start rund 30 Partnerbetriebe, bis Ende 2027 mindestens 100.

Marktstart Deutschland erstes Halbjahr 2027 (Kernmarke Chery)
Start-Modelle Tiggo 4, Tiggo 7, Tiggo 8, Tiggo 9 (alle SUV)
Antriebe nur Voll- und Plug-in-Hybride – kein reines E-Auto zum Start
Tiggo 4 (Einstieg) 4,32 m, Vollhybrid ~165 kW, ca. 22.000–25.000 €
Tiggo 8 4,73 m, PHEV 205 kW, bis 90 km elektrisch, ab ~38.000 €
Tiggo 9 (Flaggschiff) 4,81 m, 7 Sitze, PHEV bis 428 PS, ~150 km elektrisch, ~49.000 €
Erstes E-Auto frühestens Ende 2027 (Baureihe Tiggo 3, Premiere Paris)
Vertrieb klassisches Händlernetz: ~30 zum Start, 100+ bis Ende 2027
Deutschland-Basis Niederlassung in Gateway Gardens (Frankfurt), Entwicklung in Raunheim

Technische Daten und endgültige Preise der deutschen Serienversionen sind noch nicht vollständig festgelegt. Die Preisangaben beruhen auf Herstellerangaben und Ableitungen aus anderen EU-Märkten.

Was das für den deutschen Markt bedeutet

Cherys Einstieg ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens die Größe: Chery ist Chinas Exportprimus (2025 weltweit 2,81 Millionen Fahrzeuge, davon 1,34 Millionen im Export) und damit kein Nischen-Exot, sondern ein Schwergewicht, das sich selbst eher an Hyundai oder Škoda misst als an anderen China-Marken. Zweitens die bewusst gestufte Strategie: erst mit bewährten Hybrid-SUV „ankommen“, Vertrieb und Marke aufbauen, dann die Elektroautos nachschieben.

Dass ausgerechnet eine China-Marke ohne reines Elektroauto startet, ist die eigentliche Pointe – und für Deutschland doppelt clever. Als Voll- und Plug-in-Hybride umgehen die Tiggo-SUV den EU-Sonderzoll, der nur reine Elektroautos trifft, und treffen zugleich den Nerv vieler deutscher Käufer, die vor dem kompletten Umstieg zögern. Für die etablierten Volumenhersteller wie VW, Hyundai und Kia bedeutet das einen weiteren preisaggressiven Rivalen genau in ihrem Kernrevier. Der Haken für Käufer: Ein Plug-in-Hybrid ist nur dann sparsam, wenn er konsequent geladen wird – sonst wird er zum schweren Verbrenner mit E-Zuschlag.

Einordnung

Chery zeigt, dass die zweite China-Welle in Deutschland anders tickt als die erste: nicht mehr nur reine Elektro-Newcomer, sondern ein etablierter Volumenkonzern, der pragmatisch mit Hybriden einsteigt, Zoll spart und ein klassisches Händlernetz aufbaut. Das ist weniger spektakulär als ein Elektro-Flaggschiff, aber womöglich gefährlicher für die deutsche Konkurrenz – weil es genau die Käufer anspricht, die noch zaudern. Ob Chery liefert, entscheidet sich an Preis, Service und der Frage, wie schnell die E-Modelle nachkommen.

Wann kommt Chery nach Deutschland?
Im ersten Halbjahr 2027 startet Chery erstmals mit seiner Kernmarke in Deutschland. Bisher war der Konzern nur über die Submarken Omoda und Jaecoo präsent.

Welche Modelle bringt Chery?
Vier SUV der Tiggo-Familie: Tiggo 4, Tiggo 7, Tiggo 8 und Tiggo 9 – vom 4,32 m langen Kompakt-SUV bis zum 4,81 m langen Siebensitzer.

Gibt es ein Elektroauto zum Start?
Nein. Alle vier Startmodelle sind Voll- oder Plug-in-Hybride. Ein reines Elektroauto ist frühestens für Ende 2027 geplant (Baureihe Tiggo 3, Premiere auf dem Pariser Autosalon).

Was kosten die Chery-SUV?
Der Tiggo 4 startet bei rund 22.000 bis 25.000 Euro, der Tiggo 8 ab etwa 38.000 Euro, das Flaggschiff Tiggo 9 bei rund 49.000 Euro. Endgültige deutsche Preise stehen noch aus.

Warum startet Chery ohne reines Elektroauto?
Aus Strategie: Mit bewährten Hybrid-SUV baut Chery zunächst Marke und Vertrieb auf. Als Hybride umgehen die Modelle zudem den EU-Sonderzoll auf reine Elektroautos und treffen zaudernde Käufer.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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