Nio-CEO William Li hat auf einem hochrangigen Branchenforum in Peking eine weitreichende Forderung gestellt: Die gesamte chinesische Elektroauto-Industrie soll Batteriezellen und Chips standardisieren. Das Einsparpotenzial bezifferte er auf über 100 Milliarden Yuan — und die Ansage hat direkte Auswirkungen auf Preise und Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Marken in Europa.
Nio-Chef William Li forderte auf dem Intelligent EV Forum in Peking Industriestandards für Batteriezellen und Chips. Das Sparpotenzial: über 100 Milliarden Yuan.
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Auf dem Intelligent Electric Vehicle Development Forum 2026 in Peking, das am 11. und 12. April stattfand, hat Nio-Gründer und CEO William Li eine industriepolitisch brisante Forderung öffentlich gemacht. Li rief die gesamte chinesische Elektroauto-Industrie dazu auf, Batteriezell-Spezifikationen zu vereinheitlichen und die Vielfalt verbauter Chip-Typen drastisch zu reduzieren. Das Einsparpotenzial allein aus dieser Maßnahme bezifferte er auf über 100 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 14,5 Milliarden US-Dollar.
Die Argumentation von Li ist konkret und technisch fundiert. Batterien und Chips machen zusammen über 50 Prozent der Fahrzeugkosten aus, und genau hier entstehen durch fehlende Standardisierung massive Ineffizienzen in der gesamten Lieferkette. Als Beispiel nannte Li sein eigenes Flaggschiff, den neuen ES9: Das Fahrzeug benötigt über 1.000 verschiedene Halbleiter-Teilenummern und mehr als 4.000 individuelle Chips. Nio selbst arbeitet intern bereits daran, diese Zahl auf unter 400 zu reduzieren. Bei Batteriezellen sei die physische Konvergenz der gängigen Chemien — LFP, mittleres Nickel-NMC und hochnickeliges NMC — bereits weit genug fortgeschritten, um branchenweite Standards einzuführen.
Für den deutschen Markt ist diese Debatte aus einem wichtigen Grund relevant: Wenn sich die chinesische Industrie tatsächlich auf gemeinsame Standards einigt, sinken die Produktionskosten für alle Hersteller erheblich. Das würde die ohnehin schon aggressive Preispolitik chinesischer Elektroautos in Europa weiter verschärfen und den Kostenvorteil gegenüber deutschen Herstellern strukturell zementieren. Die Aktie von Nio in Hongkong stieg am selben Tag um über sieben Prozent, angetrieben von Lis gleichzeitig geäußerter Zuversicht, das Lieferwachstumsziel von 40 bis 50 Prozent für 2026 zu erreichen.