Waymo Ojai: Das chinesische Zeekr-Robotaxi geht in den bezahlten Regelbetrieb
Waymo nimmt seine neue Robotaxi-Generation erstmals für kostenpflichtige Fahrten in Betrieb. Die von Zeekr gebauten Elektro-Vans mit dem Namen Ojai fahren zunächst in San Francisco, Los Angeles und Phoenix und nutzen Waymos autonomes Fahrsystem der sechsten Generation. Der Clou aus deutscher Sicht: Ausgerechnet ein chinesisches E-Auto, das man in den USA gar nicht kaufen darf, wird dort zum meistgenutzten Robotaxi – gebaut von einer Geely-Tochter, die auch in Deutschland verkauft.
Der Waymo Ojai: von Zeekr gebauter, speziell für den Robotaxi-Einsatz entwickelter Elektro-Van mit Waymos Sensordach · Bild-Quelle: Waymo
Was Waymo gestartet hat
Waymo, die zu Alphabet (Google) gehörende Robotaxi-Firma, hat den freien Testbetrieb beendet und bietet die Ojai-Vans nun für zahlende Fahrgäste an. Wer in San Francisco, Los Angeles oder Phoenix eine Waymo-Fahrt bestellt, kann seit Kurzem einem Ojai zugeteilt werden – zunächst automatisch, je nach Verfügbarkeit. Später sollen Fahrgäste zwischen dem neuen Ojai-Van und der bisherigen Jaguar-I-Pace-Flotte wählen können.
Der Ojai ist Waymos erstes Fahrzeug, das von Grund auf als Robotaxi entwickelt wurde – kein umgebautes Serienauto. Ursprünglich lief er unter dem Namen Zeekr RT; im Januar 2026 tauften Waymo und Zeekr das Modell nach der kalifornischen Stadt Ojai (gesprochen „oh-hai"). Nach Monaten interner Testfahrten und einer Gratis-Phase seit dem 28. Mai 2026 folgt jetzt der kommerzielle Regelbetrieb.
Der Ojai wird von Zeekr gebaut, der Premium-Elektromarke des chinesischen Geely-Konzerns – demselben Mutterkonzern, dem auch Volvo, Polestar und Lynk & Co gehören. Das Basisfahrzeug entsteht im Zeekr-Werk in Ningbo (Provinz Zhejiang), das Design stammt aus Schweden, die Plattform ist die SEA-M-Architektur, eine für Robotaxis und Logistikfahrzeuge verfeinerte Variante von Zeekrs SEA-Baukasten.
Anschließend werden die Fahrzeuge nach Mesa (Arizona) verschifft, wo Waymo seine autonome Technik einbaut. Damit ist der meistgenutzte Robotaxi-Typ der USA im Kern ein chinesisches Elektroauto.
Die Technik: Waymos sechste Generation
Auf dem Zeekr-Van sitzt Waymos sechste Generation des „Waymo Driver". Das Sensorpaket umfasst 13 Kameras, vier LiDAR-Sensoren, sechs Radareinheiten und mehrere externe Audio-Empfänger, die etwa Einsatzfahrzeuge am Martinshorn erkennen. Trotz dieser Ausstattung nutzt die sechste Generation rund 42 Prozent weniger Sensoren als die fünfte – ein bewusster Schritt zur Kostensenkung.
Genau das ist der strategische Kern: Das neue System ist modular und lässt sich auf verschiedene Fahrzeuge übertragen – neben dem Zeekr-Van etwa auf den Hyundai Ioniq 5. Die Sensor- und Rechentechnik soll pro Fahrzeug unter 20.000 US-Dollar kosten, mehr als die Hälfte weniger als bei der Vorgängergeneration.
Innenraum des Waymo Ojai · Bild-Quelle: Waymo
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Fahrzeugbasis | Zeekr, Plattform SEA-M |
| Bau / Endmontage | Ningbo (China) / Mesa, Arizona (USA) |
| Design | Schweden |
| Fahrsystem | Waymo Driver, 6. Generation |
| Sensorik | 13 Kameras, 4 LiDAR, 6 Radar |
| Sensor-Reduktion | −42 % gegenüber 5. Generation |
| Kosten Technik-Suite | unter 20.000 USD/Fahrzeug |
| Karosserie | Van, flacher Boden, breite Schiebetüren |
| Sitzplätze | bis zu 4 Fahrgäste |
| Ausstattung | 3 adaptive Displays, Ladeports, Haltegriffe, Braille-Beschriftung |
Barrierefrei und geräumig
Zeekr hat den Ojai als reinrassiges Robotaxi konzipiert, was man am Innenraum merkt: flacher Boden, niedrige Einstiegshöhe, breite „aufzugartige" Schiebetüren auf beiden Seiten. Im Innenraum gibt es viel Bein- und Kopffreiheit, drei adaptive Bildschirme für Route, Musik und Klima, Ladeanschlüsse, Becherhalter, Haltegriffe und Braille-Beschriftungen für blinde Fahrgäste. Barrierefreiheit war erklärtes Entwicklungsziel.
Die Rechnung dahinter: billiger trotz Strafzöllen
Der Ojai ersetzt den bisherigen Jaguar I-Pace, der Waymo seit 2020 diente. Der wirtschaftliche Unterschied ist erheblich. Schätzungen zufolge kostet ein kompletter Ojai rund 125.000 US-Dollar, während der I-Pace-Robotaxi etwa 200.000 US-Dollar kostete. Das Basisfahrzeug von Zeekr soll bei rund 38.000 US-Dollar liegen, der Jaguar kostete etwa 75.000.
Das Bemerkenswerte: Diese Rechnung geht trotz hoher US-Strafzölle auf chinesische E-Autos auf. Waymo hat seit 2024 über 3.200 Zeekr-Fahrzeuge über den Hafen von Los Angeles importiert, mehr als 2.600 davon allein 2026 – und zahlt dabei einen Zoll von rund 127,5 Prozent. Weil Waymo aber nur „nackte" Fahrzeugkörper ohne Vernetzungstechnik importiert und die teure Technik erst in den USA einbaut, bleibt der zollpflichtige Grundpreis niedrig genug, dass die Rechnung aufgeht.
Der Haken: Das US-Connected-Vehicle-Verbot ab 2027
Über dem Erfolg schwebt eine regulatorische Hürde. Ab dem Modelljahr 2027 greift eine Vorschrift des US-Handelsministeriums, die Vernetzungs- und Assistenz-Hardware oder -Software aus China und Russland in Fahrzeugen auf US-Straßen verbietet. Um die Regel zu erfüllen, werden die Zeekr-Fahrzeuge ohne jegliche vernetzte Fahrzeugtechnik verschifft; die gesamte relevante Hard- und Software installiert Waymo erst im eigenen Werk in Arizona. Ob dieses Modell dauerhaft trägt, hängt von der weiteren Auslegung der Vorschrift ab.
Warum das für Deutschland und Europa relevant ist
Für den deutschen Markt ist die Meldung aus zwei Gründen interessant. Erstens zeigt sie, wie tief chinesische Hersteller bereits in der westlichen Mobilität stecken – nicht als Marke im Schaufenster, sondern als Technik- und Fahrzeuglieferant hinter einem US-Tech-Riesen. Zweitens ist Zeekr in Deutschland längst präsent: Die Marke verkauft seit Dezember 2025 direkt hierzulande und ist mit rund zehn Standorten vertreten. Der gleiche Konzern, der Waymos Robotaxi baut, buhlt also auch bei uns um Kunden.
Beim autonomen Fahren selbst liegt der Fokus in Deutschland noch woanders: Hier ringen Hersteller und Behörden um die Zulassung von Level-3-Systemen im Privatfahrzeug, während in den USA bereits fahrerlose Robotaxis Geld verdienen. Der Ojai ist damit auch ein Signal, wie weit der Abstand beim kommerziellen Robotaxi-Betrieb inzwischen ist.

