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Waymo Ojai: Das chinesische Zeekr-Robotaxi geht in den bezahlten Regelbetrieb

Waymo nimmt seine neue Robotaxi-Generation erstmals für kostenpflichtige Fahrten in Betrieb. Die von Zeekr gebauten Elektro-Vans mit dem Namen Ojai fahren zunächst in San Francisco, Los Angeles und Phoenix und nutzen Waymos autonomes Fahrsystem der sechsten Generation. Der Clou aus deutscher Sicht: Ausgerechnet ein chinesisches E-Auto, das man in den USA gar nicht kaufen darf, wird dort zum meistgenutzten Robotaxi – gebaut von einer Geely-Tochter, die auch in Deutschland verkauft.

Waymo Ojai Robotaxi – hellblauer autonomer Elektro-Van von Zeekr im Straßenverkehr

Der Waymo Ojai: von Zeekr gebauter, speziell für den Robotaxi-Einsatz entwickelter Elektro-Van mit Waymos Sensordach · Bild-Quelle: Waymo

3 Städte
San Francisco, Los Angeles, Phoenix
6. Gen
Waymo-Fahrsystem, 13 Kameras, 4 LiDAR, 6 Radar
−42 %
weniger Sensoren als die 5. Generation
<20.000 $
Kosten der Sensor-/Rechentechnik pro Fahrzeug
3.200+
seit 2024 in die USA importierte Zeekr-Fahrzeuge
500.000+
bezahlte Waymo-Fahrten pro Woche

Was Waymo gestartet hat

Waymo, die zu Alphabet (Google) gehörende Robotaxi-Firma, hat den freien Testbetrieb beendet und bietet die Ojai-Vans nun für zahlende Fahrgäste an. Wer in San Francisco, Los Angeles oder Phoenix eine Waymo-Fahrt bestellt, kann seit Kurzem einem Ojai zugeteilt werden – zunächst automatisch, je nach Verfügbarkeit. Später sollen Fahrgäste zwischen dem neuen Ojai-Van und der bisherigen Jaguar-I-Pace-Flotte wählen können.

Der Ojai ist Waymos erstes Fahrzeug, das von Grund auf als Robotaxi entwickelt wurde – kein umgebautes Serienauto. Ursprünglich lief er unter dem Namen Zeekr RT; im Januar 2026 tauften Waymo und Zeekr das Modell nach der kalifornischen Stadt Ojai (gesprochen „oh-hai"). Nach Monaten interner Testfahrten und einer Gratis-Phase seit dem 28. Mai 2026 folgt jetzt der kommerzielle Regelbetrieb.

Der China-Kern der Sache

Der Ojai wird von Zeekr gebaut, der Premium-Elektromarke des chinesischen Geely-Konzerns – demselben Mutterkonzern, dem auch Volvo, Polestar und Lynk & Co gehören. Das Basisfahrzeug entsteht im Zeekr-Werk in Ningbo (Provinz Zhejiang), das Design stammt aus Schweden, die Plattform ist die SEA-M-Architektur, eine für Robotaxis und Logistikfahrzeuge verfeinerte Variante von Zeekrs SEA-Baukasten.

Anschließend werden die Fahrzeuge nach Mesa (Arizona) verschifft, wo Waymo seine autonome Technik einbaut. Damit ist der meistgenutzte Robotaxi-Typ der USA im Kern ein chinesisches Elektroauto.


Die Technik: Waymos sechste Generation

Auf dem Zeekr-Van sitzt Waymos sechste Generation des „Waymo Driver". Das Sensorpaket umfasst 13 Kameras, vier LiDAR-Sensoren, sechs Radareinheiten und mehrere externe Audio-Empfänger, die etwa Einsatzfahrzeuge am Martinshorn erkennen. Trotz dieser Ausstattung nutzt die sechste Generation rund 42 Prozent weniger Sensoren als die fünfte – ein bewusster Schritt zur Kostensenkung.

Genau das ist der strategische Kern: Das neue System ist modular und lässt sich auf verschiedene Fahrzeuge übertragen – neben dem Zeekr-Van etwa auf den Hyundai Ioniq 5. Die Sensor- und Rechentechnik soll pro Fahrzeug unter 20.000 US-Dollar kosten, mehr als die Hälfte weniger als bei der Vorgängergeneration.

Waymo Ojai Robotaxi – Innenansicht

Innenraum des Waymo Ojai · Bild-Quelle: Waymo

MerkmalWert
FahrzeugbasisZeekr, Plattform SEA-M
Bau / EndmontageNingbo (China) / Mesa, Arizona (USA)
DesignSchweden
FahrsystemWaymo Driver, 6. Generation
Sensorik13 Kameras, 4 LiDAR, 6 Radar
Sensor-Reduktion−42 % gegenüber 5. Generation
Kosten Technik-Suiteunter 20.000 USD/Fahrzeug
KarosserieVan, flacher Boden, breite Schiebetüren
Sitzplätzebis zu 4 Fahrgäste
Ausstattung3 adaptive Displays, Ladeports, Haltegriffe, Braille-Beschriftung

Barrierefrei und geräumig

Zeekr hat den Ojai als reinrassiges Robotaxi konzipiert, was man am Innenraum merkt: flacher Boden, niedrige Einstiegshöhe, breite „aufzugartige" Schiebetüren auf beiden Seiten. Im Innenraum gibt es viel Bein- und Kopffreiheit, drei adaptive Bildschirme für Route, Musik und Klima, Ladeanschlüsse, Becherhalter, Haltegriffe und Braille-Beschriftungen für blinde Fahrgäste. Barrierefreiheit war erklärtes Entwicklungsziel.


Die Rechnung dahinter: billiger trotz Strafzöllen

Der Ojai ersetzt den bisherigen Jaguar I-Pace, der Waymo seit 2020 diente. Der wirtschaftliche Unterschied ist erheblich. Schätzungen zufolge kostet ein kompletter Ojai rund 125.000 US-Dollar, während der I-Pace-Robotaxi etwa 200.000 US-Dollar kostete. Das Basisfahrzeug von Zeekr soll bei rund 38.000 US-Dollar liegen, der Jaguar kostete etwa 75.000.

Das Bemerkenswerte: Diese Rechnung geht trotz hoher US-Strafzölle auf chinesische E-Autos auf. Waymo hat seit 2024 über 3.200 Zeekr-Fahrzeuge über den Hafen von Los Angeles importiert, mehr als 2.600 davon allein 2026 – und zahlt dabei einen Zoll von rund 127,5 Prozent. Weil Waymo aber nur „nackte" Fahrzeugkörper ohne Vernetzungstechnik importiert und die teure Technik erst in den USA einbaut, bleibt der zollpflichtige Grundpreis niedrig genug, dass die Rechnung aufgeht.

Ein E-Auto, das man fahren, aber nicht kaufen kann: US-Zölle und eine kommende Bundesvorschrift haben chinesische Pkw praktisch vom US-Markt ausgeschlossen – kein Händler verkauft dort einen Zeekr, BYD oder eine andere chinesische Marke. Über Waymo können US-Bürger nun trotzdem in einem chinesischen E-Auto mitfahren, das sie nirgends kaufen dürfen. Eine kuriose Konstellation, die zeigt, wie eng Technologie- und Handelspolitik inzwischen verzahnt sind.

Der Haken: Das US-Connected-Vehicle-Verbot ab 2027

Über dem Erfolg schwebt eine regulatorische Hürde. Ab dem Modelljahr 2027 greift eine Vorschrift des US-Handelsministeriums, die Vernetzungs- und Assistenz-Hardware oder -Software aus China und Russland in Fahrzeugen auf US-Straßen verbietet. Um die Regel zu erfüllen, werden die Zeekr-Fahrzeuge ohne jegliche vernetzte Fahrzeugtechnik verschifft; die gesamte relevante Hard- und Software installiert Waymo erst im eigenen Werk in Arizona. Ob dieses Modell dauerhaft trägt, hängt von der weiteren Auslegung der Vorschrift ab.

Waymo durchläuft derzeit ohnehin eine herausfordernde Phase: Zuletzt wurden Robotaxi-Dienste auf Autobahnen in Los Angeles, Miami, Phoenix und San Francisco ausgesetzt, um das Verhalten der Fahrzeuge in Baustellen zu verbessern; in Atlanta und San Antonio pausierte der Dienst wegen Problemen bei Überflutungen. Der Ausbau der Ojai-Flotte läuft davon unabhängig weiter – Waymo will bis Jahresende tausende Ojai-Fahrzeuge auf die Straße bringen und den Dienst auf San Diego, Las Vegas und Denver ausweiten.

Warum das für Deutschland und Europa relevant ist

Für den deutschen Markt ist die Meldung aus zwei Gründen interessant. Erstens zeigt sie, wie tief chinesische Hersteller bereits in der westlichen Mobilität stecken – nicht als Marke im Schaufenster, sondern als Technik- und Fahrzeuglieferant hinter einem US-Tech-Riesen. Zweitens ist Zeekr in Deutschland längst präsent: Die Marke verkauft seit Dezember 2025 direkt hierzulande und ist mit rund zehn Standorten vertreten. Der gleiche Konzern, der Waymos Robotaxi baut, buhlt also auch bei uns um Kunden.

Beim autonomen Fahren selbst liegt der Fokus in Deutschland noch woanders: Hier ringen Hersteller und Behörden um die Zulassung von Level-3-Systemen im Privatfahrzeug, während in den USA bereits fahrerlose Robotaxis Geld verdienen. Der Ojai ist damit auch ein Signal, wie weit der Abstand beim kommerziellen Robotaxi-Betrieb inzwischen ist.


Fazit

Der Waymo Ojai ist mehr als nur ein neues Robotaxi: Er ist ein Lehrstück über die neue Weltordnung der E-Mobilität. Ein US-Technologiekonzern setzt auf ein von einer Geely-Tochter gebautes chinesisches Elektroauto, weil es schlicht die beste und günstigste Basis liefert – und nimmt dafür sogar 127,5 Prozent Zoll in Kauf. Für Fahrgäste bringt der Ojai spürbare Vorteile: mehr Platz, Barrierefreiheit und ein moderneres Sensorpaket zu niedrigeren Kosten. Die politische Kehrseite bleibt das ab 2027 greifende Connected-Vehicle-Verbot, das die China-Abhängigkeit langfristig infrage stellt. Für den deutschen Beobachter ist die Botschaft doppelt: Chinesische Technik ist im Westen angekommen – und Zeekr, der Hersteller dahinter, verkauft seit Ende 2025 auch bei uns.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Waymo Ojai?
Der Ojai ist Waymos neues, speziell für den Robotaxi-Einsatz entwickeltes Elektro-Van-Modell. Es wird von der chinesischen Geely-Marke Zeekr gebaut und mit Waymos autonomem Fahrsystem der sechsten Generation ausgestattet. Ursprünglich hieß es Zeekr RT.
Wer baut das Waymo-Robotaxi?
Das Basisfahrzeug baut Zeekr, die Premium-Elektromarke des chinesischen Geely-Konzerns, im Werk Ningbo. Das Design stammt aus Schweden. Waymo installiert die autonome Technik anschließend in seinem Werk in Mesa, Arizona.
Wo fährt der Waymo Ojai?
Zunächst in San Francisco, Los Angeles und Phoenix. Eine Ausweitung auf San Diego, Las Vegas und Denver ist angekündigt. Wer dort eine Waymo-Fahrt bestellt, kann einem Ojai zugeteilt werden.
Kann man den Zeekr-Van in Europa kaufen?
Den speziellen Robotaxi-Van (Ojai/Zeekr RT) nicht – er ist ein Sonderfahrzeug für Waymo. Die Marke Zeekr selbst ist aber in Deutschland präsent und verkauft seit Dezember 2025 direkt hierzulande, mit rund zehn Standorten.
Warum importiert Waymo trotz hoher Zölle aus China?
Weil die Rechnung trotzdem aufgeht: Der Zoll von rund 127,5 Prozent greift auf den niedrigen Grundpreis des „nackten" Fahrzeugs (rund 38.000 USD). Die teure Sensor- und Rechentechnik baut Waymo erst in den USA ein. Ein kompletter Ojai kostet so etwa 125.000 USD – deutlich weniger als die 200.000 USD des Jaguar I-Pace.
Welche Technik steckt im Ojai?
Waymos sechste Generation mit 13 Kameras, vier LiDAR-Sensoren und sechs Radareinheiten – rund 42 Prozent weniger Sensoren als die fünfte Generation. Die Technik-Suite kostet unter 20.000 USD pro Fahrzeug und ist modular auch für andere Modelle wie den Hyundai Ioniq 5 nutzbar.
Was bedeutet das US-Verbot ab 2027?
Ab Modelljahr 2027 verbietet eine US-Vorschrift Vernetzungs- und Assistenztechnik aus China und Russland in Fahrzeugen auf US-Straßen. Waymo verschifft die Zeekr-Fahrzeuge daher ohne vernetzte Technik und baut alles Relevante erst in den USA ein. Ob das dauerhaft trägt, ist offen.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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