Chinesische Halter melden ein Absacken der Hinterachse beim sechssitzigen Tesla Model Y L – ausgerechnet jetzt, wo der Sechssitzer kurz vor dem Marktstart in Deutschland steht.
Bild-Quelle: Tesla
Tesla Model Y L: Hinterachse sackt ab – Beschwerdewelle in China
In China gerät das Tesla Model Y L unter Druck: Zahlreiche Halter berichten seit dem Sommer über ein „Absacken“ der Hinterachse. Bei dem sechssitzigen, langradständigen SUV, das Tesla seit August 2025 im Werk Shanghai baut, verringert sich der Abstand zwischen Hinterreifen und Radhaus mit zunehmender Laufleistung oder bei voller Beladung teils drastisch – in schweren Fällen passe „nicht einmal ein Finger“ mehr in den Spalt. In sozialen Medien sprechen viele Nutzer von einem systematischen Serienfehler, nicht von Einzelfällen.
Die gemeldeten Fälle variieren nach Laufleistung: Ein Halter aus der Provinz Hebei berichtete von einem schweren Absacken nach 9.000 Kilometern auf einer voll beladenen Tibet-Reise, ein Fahrer aus Shanghai von starkem Durchhängen nach knapp 30.000 Kilometern. Betroffen ist vor allem die erste Charge, die im September und Oktober 2025 ausgeliefert wurde. Über die sichtbare Absenkung hinaus berichten Halter von Folgeschäden: Die veränderte Radgeometrie führe zu ungleichmäßigem Reifenverschleiß an der Innenseite, teils bis zur Verschleißgrenze; dazu kämen Geräusche der Dämpfer und Vibrationen bei hohem Tempo.
Tesla tauscht die Federn im Rahmen der Garantie kostenlos – die vorzeitig verschlissenen Reifen müssen die Halter aber selbst zahlen. Manche berichten, dass das Problem nach der Reparatur erneut auftrat; ein Nutzer schildert ein zweites Absacken zehn Tage nach dem Werkstattbesuch. Eine offizielle Stellungnahme von Tesla China gibt es bislang nicht; der Kundendienst verweist Betroffene auf einen Inspektionstermin. Ein Rückruf ist nicht bestätigt. Als „normale“ Radhaushöhe definiert Teslas Service 784 Millimeter; Federn würden erst unterhalb von 764 Millimetern getauscht.
| Modell | Tesla Model Y L (sechssitzige Langversion, Werk Shanghai) |
|---|---|
| Marktstart China | August 2025 (nur China) |
| Problem | Absacken der Hinterachse (Radhaus-Spalt schrumpft) |
| Auslöser | zunehmende Laufleistung und/oder volle Beladung |
| Gemeldete Fälle | u. a. nach 9.000 km (beladen) bzw. rund 30.000 km |
| Vor allem betroffen | erste Charge (Sept./Okt. 2025) |
| Folgeschäden | einseitiger Reifenverschleiß, Dämpfergeräusche, Vibrationen |
| Tesla-Reaktion | Federtausch auf Garantie (Reifen zahlt Halter) |
| Offizielle Stellungnahme / Rückruf | bislang keine |
| Europa/Deutschland | Marktstart erwartet (EU-Zulassung liegt vor, noch kein Bestellstart) |
Die Angaben beruhen auf Halterberichten und Meldungen aus chinesischen sozialen Medien. Eine offizielle Bestätigung durch Tesla oder ein Rückruf liegen nicht vor.
Warum das für deutsche Familien brisant ist
Anders als man meinen könnte, ist das keine ferne China-Nachricht: Der Model Y L gehört zu den am heißesten erwarteten Tesla-Modellen für Europa. Die EU-Typgenehmigung liegt bereits vor, getarnte Erprobungswagen mit deutschen Kennzeichen wurden am Nürburgring gesichtet, und der Schriftzug „Model Y L“ tauchte schon im Code der europäischen Tesla-Konfiguratoren auf. Ein offizieller Bestellstart fehlt zwar noch, gilt aber als unmittelbar bevorstehend – viele Familien warten praktisch täglich auf die Ankündigung. Wann der Sechssitzer nach Deutschland kommt, beleuchten wir im Beitrag Tesla Model Y L in Deutschland – wann kommt der Sechssitzer?
Genau deshalb ist die Beschwerdewelle aus China ein Warnsignal statt einer Randnotiz: Es geht um dasselbe Fahrzeug, das hier bald viele große Familien kaufen wollen. Zwar ist offen, ob die für Europa gebauten Exemplare – anders als die chinesische Erstcharge – dieselben Federn und dieselbe Abstimmung erhalten; das größere Gewicht und die lange Karosserie, die das Problem begünstigen, sind aber konstruktionsbedingt. Interessenten sollten die Entwicklung im Blick behalten und beim Marktstart gezielt nach der Fahrwerksauslegung fragen. Der Fall zeigt zudem: Die in China intensiv geführte Qualitätsdebatte macht vor westlichen Marken nicht halt – ein in Shanghai gebauter Tesla steht unter demselben kritischen Blick wie die Autos chinesischer Hersteller.
Der Fall Model Y L ist ein Lehrstück über den Härtetest, den der chinesische Markt für jeden Hersteller bedeutet – auch für Tesla. Chinesische Kunden dokumentieren Mängel akribisch und tragen sie über soziale Medien nach außen, was den Druck auf die Hersteller erhöht. Für Tesla, das in China gegen erstarkende einheimische Rivalen kämpft und dessen Auslieferungen dort zuletzt deutlich sanken, kommt die Beschwerdewelle zur Unzeit – zumal ausgerechnet jetzt der Europa-Start des Modells ansteht. Ob aus den Berichten ein offizieller Rückruf wird und ob die Europa-Version anders abgestimmt ist, bleibt abzuwarten.

