Nio verkauft im September nur ein Auto in Deutschland, Köln und Weiterstadt sind zu. Neue Modelle erst Ende 2027.
Bild-Quelle: Nio
Nio in Deutschland: ein Auto im September
Für Nio war der September in Deutschland ein Tiefpunkt. Nur ein einziges Fahrzeug der Marke wurde neu zugelassen, nach 20 im Vorjahresmonat ein Minus von 95 Prozent. Das ist der schwächste Monat seit Januar 2023. Seit Jahresbeginn kommt Nio auf 20 Neuzulassungen in Deutschland, nach 211 im gleichen Zeitraum 2025. In neun Monaten hat Nio damit so viele Autos verkauft wie allein im September des Vorjahres.
Der Absturz hat sich über Jahre angekündigt. 2023 kam Nio in Deutschland noch auf 1.263 Neuzulassungen, 2024 auf 398 und 2025 auf 325. Zum Vergleich: Xpeng, ebenfalls ein junger Premiumhersteller aus China, ließ im September 1.250 Autos zu und wuchs um 419 Prozent.
| Neuzulassungen September 2026 | 1 (Vorjahr: 20, −95 %) |
| Januar bis September 2026 | 20 (Vorjahr: 211, −90,5 %) |
| Gesamtjahr 2025 / 2024 / 2023 | 325 / 398 / 1.263 |
| Standorte | Köln und Weiterstadt geschlossen, Hamburg seit Juli zu, nur noch München |
| Neue Modelle für Europa | frühestens Ende 2027 |
| EU-Zoll auf Nio-Elektroautos | 30,7 % (20,7 % Ausgleichszoll plus 10 % Einfuhrzoll) |
Neuzulassungen laut Kraftfahrt-Bundesamt. Weltweit lieferte Nio im dritten Quartal 2026 dagegen 109.178 Fahrzeuge aus, 25,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Köln und Weiterstadt geschlossen, nur München bleibt
Ende September hat Nio seine Standorte in Köln-Marsdorf und in Weiterstadt bei Frankfurt geschlossen. Bereits im Juli war der Showroom in Hamburg aufgegeben worden. Als eigener Nio-Standort bleibt in Deutschland damit nur München. Auch personell hat sich das Deutschland-Geschäft ausgedünnt: Der Deutschland-Chef musste im Februar gehen, sein Stellvertreter wechselte im Juli zu Xpeng. Nio selbst begründet die Schritte mit den aktuellen Bedingungen im Automarkt und einer Optimierung des Europageschäfts.
Was Nio-Fahrer jetzt wissen sollten
Service und Reparaturen laufen künftig stärker über unabhängige Partnerwerkstätten statt über eigene Nio-Standorte. Den Ausbau neuer Batteriewechselstationen in Europa hat Nio gestoppt. Neue Modelle bringt Nio nach eigener Aussage erst Ende 2027 nach Europa, bis dahin werden in Deutschland nur Fahrzeuge der Modelljahre 2023 und 2024 verkauft. Hinzu kommt der Zoll: Als in China gebaute Elektroautos tragen Nio-Modelle in der EU insgesamt 30,7 Prozent Zoll. Wie die Sätze für die einzelnen Hersteller zustande kommen, erklärt unser Ratgeber zu den EU-Zöllen auf China-Autos.
Für Besitzer heißt das vor allem: Die Wege zur Werkstatt können länger werden, und bei Fragen zu Garantie und Ersatzteilen lohnt es sich, vorab bei Nio oder der zuständigen Partnerwerkstatt nachzufragen. Wer einen gebrauchten Nio kaufen oder verkaufen will, sollte mit sinkenden Restwerten rechnen, solange die Zukunft der Marke in Deutschland offen ist.
In China dagegen Rekorde
Der Rückzug ist ein deutsches und europäisches Problem, kein globales. Weltweit lieferte Nio im dritten Quartal 109.178 Fahrzeuge aus, ein Plus von 25,4 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 300.301. Das Akkuwechsel-Netz in China erreichte in der Feiertagswoche einen neuen Rekord von 183.664 Wechseln an einem einzigen Tag. Nio betreibt dort mehr als 4.100 Wechselstationen. Was in China funktioniert, ließ sich in Deutschland bislang nicht übertragen. Alle Modelle und Hintergründe zur Marke finden sich auf unserer Seite zu Nio.
Nios Ansatz, in Deutschland mit eigenen Häusern, Akkuwechsel und Premiumpreisen gegen etablierte Marken anzutreten, hat nicht funktioniert. Hohe Zölle, veraltete Modelle und ein dünnes Netz haben die Nachfrage fast vollständig verschwinden lassen. Erfolgreich sind derzeit China-Marken mit einem anderen Ansatz: Xpeng und Leapmotor setzen auf etablierte Händlergruppen und Partner wie Stellantis. Ob Nio Ende 2027 mit neuen Modellen einen Neustart wagt oder sich ganz zurückzieht, ist offen.

