Das Ford-Werk Valencia wird zum gemeinsamen Produktionsstandort von Ford und Geely.
Bild-Quelle: Geely
Ford 66, Geely 34 Prozent: Das Werk Valencia wird geteilt
Das Joint Venture soll – vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen – im ersten Halbjahr 2027 die Arbeit aufnehmen. Die ersten neuen Fahrzeuge sind für 2028 vorgesehen: geplant sind drei Ford-Modelle mit unterschiedlichen Antriebsarten sowie zwei rein elektrische Geely-Modelle.
Das Werk Valencia ist nach Konzernangaben einer der produktivsten Automobilstandorte Europas mit einer möglichen Jahreskapazität von rund 500.000 Einheiten. Genau diese Unterauslastung ist der ökonomische Kern des Deals: Ford senkt seine Stückkosten durch höhere Auslastung, Geely bekommt EU-Fertigung ohne Neubau. Alex Nan, Vice President der Geely Auto Group, spricht von einem Meilenstein der globalen Entwicklung des Konzerns; Ford-Europa-Chef Jim Baumbick verweist auf ein flexibles, kosteneffizientes Industriesystem.
Zur Einordnung der Konzerngröße nennt Geely die eigenen Überseeverkäufe im ersten Halbjahr 2026: 474.228 Fahrzeuge, ein Plus von 158 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Die Konstruktion unterscheidet sich substanziell von den Wegen, die andere chinesische Hersteller gewählt haben. Wo BYD in Ungarn und der Türkei eigene Werke errichtet und Leapmotor über Stellantis auf bestehende Werke im spanischen Figueruelas zugreift, kauft sich Geely über eine Minderheitsbeteiligung in ein bestehendes, laufendes Werk eines westlichen Herstellers ein. Das kostet weniger Kapital und Zeit als ein Neubau – bedeutet aber auch, dass Geely die Fertigung nicht allein steuert.
Bemerkenswert ist die Vorgeschichte: Ford verkaufte Volvo Cars 2010 an Geely. Aus dem damaligen Verkäufer wird 16 Jahre später der Mehrheitspartner in einem gemeinsamen Werk – ein Rollenwechsel, der die Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der Branche recht genau abbildet.
| Bekanntgabe | 23. Juli 2026 |
| Standort | Ford-Werk Valencia, Spanien |
| Beteiligung Ford | 66 Prozent |
| Beteiligung Geely Auto | 34 Prozent |
| Start des Joint Ventures | 1. Halbjahr 2027 (vorbehaltlich Genehmigungen) |
| Produktionsstart neuer Modelle | 2028 |
| Geplante Modelle | 3 Ford-Modelle (verschiedene Antriebe) + 2 Geely-Elektromodelle |
| Mögliche Jahreskapazität des Werks | rund 500.000 Einheiten |
| Geely-Überseeverkäufe 1. Halbjahr 2026 | 474.228 Fahrzeuge (+158 Prozent) |
| Konkrete Geely-Modellbezeichnungen für Valencia | noch nicht bekannt |
| Investitionsvolumen | nicht veröffentlicht |
Alle Angaben nach der offiziellen Mitteilung der Geely Auto Group vom 23.07.2026. Die Halbjahreszahl bezieht sich auf den abgeschlossenen Zeitraum Januar bis Juni 2026 und wurde vom Konzern selbst veröffentlicht.
Die Meldung lässt sich nur im Kontext der Zollfrage verstehen. Seit Oktober 2024 erhebt die EU auf in China gebaute Elektroautos zusätzliche Ausgleichszölle, die je Hersteller unterschiedlich hoch ausfallen und zum regulären Einfuhrzoll von zehn Prozent hinzukommen. Wer in der EU produziert, umgeht diesen Aufschlag vollständig – deshalb ist praktisch jede Werksmeldung eines chinesischen Herstellers zugleich eine zollpolitische Meldung.
Drei Modelle haben sich herausgebildet, und Geely wählt nun das dritte. Erstens der Eigenbau: BYD errichtet Werke in Ungarn und der Türkei, mit maximaler Kontrolle, aber hohen Investitionen und langen Vorlaufzeiten. Zweitens der Konzernzugang: Leapmotor nutzt über die Beteiligung von Stellantis vorhandene Kapazitäten in Spanien, ohne selbst investieren zu müssen, bleibt dafür aber vom Partner abhängig. Drittens nun die Minderheitsbeteiligung an einem laufenden Werk eines Wettbewerbers – schnell, kapitalschonend, aber ohne Mehrheit und damit ohne letztes Wort über Volumen und Taktung.
Für die Bewertung entscheidend ist der Zeithorizont. 2028 ist in der Branche kein ferner Termin, aber auch keine Antwort auf die aktuelle Zollbelastung. Bis dahin bleiben Geely-Modelle in Deutschland Importfahrzeuge – die Preisgestaltung der nächsten zwei Jahre entscheidet sich weiter am Zollsatz, nicht am Werk in Valencia.
Häufige Fragen
FAQ: Geely-Ford-Joint-Venture in Valencia