Chinas MIIT will Zero-Gravity-Sitze während der Fahrt sperren.
Bild-Quelle: Xpeng
MIIT-Entwurf: Zulassung nur noch nach ausreichenden Tests
Hinter dem Entwurf stehen das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), das Ministerium für öffentliche Sicherheit, das Umweltministerium und die Marktaufsicht SAMR. Kern ist, dass Sicherheitsbewertungen und Entwicklungstests fester Bestandteil der Typzulassung werden. Modelle, die vorgeschriebene Tests nicht bestehen, unzureichend getestet sind oder mit gefälschten Unterlagen eingereicht werden, sollen keine Zulassung erhalten.
Der Vorstoß kommt nicht überraschend. Ende August hatte Vize-Minister Xin Guobin kritisiert, dass manche „aggressiven“ Designs ohne ausreichende Erprobung in Serie gegangen seien; wir berichteten damals, dass unzureichend getestete Auto-Technik ausgesperrt werden soll. Der neue Entwurf macht daraus konkrete Vorgaben.
Faltbare Displays verboten, Zero-Gravity-Sitze nur im Stand
Bei Bildschirmen geht der Entwurf am weitesten: Faltbare und flexible Displays sollen ganz verboten werden. Zentrale Infotainment-Bildschirme, großflächige Displays und komplexe Head-up-Displays müssen auf Ablenkung, Zuverlässigkeit unter Extrembedingungen und Verhalten bei einem Unfall geprüft werden.
Sitze mit Zero-Gravity-Funktion, drehbare Sitze und Sitze mit Liegefunktion müssen technisch so abgesichert werden, dass sich diese Funktionen während der Fahrt nicht nutzen lassen. Licht, Scheibenwischer sowie Enteisung und Entfeuchtung brauchen zusätzlich zu Touch- oder Sprachbedienung physische Bedienelemente – eine Linie, die China schon mit der Pflicht für physische Tasten im Auto eingeschlagen hat. Türen, Motorhaube und Scheinwerfer soll während der Fahrt nur noch der Fahrer per Sprache bedienen dürfen.
Auch Lichtbotschaften kommen auf den Prüfstand: Für frei programmierbare Texte in Scheinwerfern und Rückleuchten sollen die Hersteller die Inhalte kontrollieren. Das ab 1. Januar 2027 geltende Verbot vollständig versenkter Türgriffe bekräftigt der Entwurf; Türgriffe brauchen eine mechanische Redundanz und genug Platz für die Hand, elektrische Komforttüren einen Einklemmschutz und eine manuelle Öffnung bei Stromausfall.
| Vorgelegt | 10. Oktober 2026 (Entwurf) |
| Behörden | MIIT, Ministerium für öffentliche Sicherheit, Umweltministerium, SAMR |
| Faltbare und flexible Displays | Verbot geplant |
| Zero-Gravity-, Dreh- und Liegesitze | während der Fahrt gesperrt |
| Physische Bedienung | Licht, Wischer, Enteisung, Entfeuchtung |
| Zuverlässigkeitstest Pkw | mindestens 30.000 km |
| Umwelterprobung | mindestens 1 Jahr, „zwei Winter, ein Sommer“ |
| Frist neue Modelle | 1. Januar 2027 |
| Frist zugelassene Modelle | 1. Juli 2027 |
| Kommentierungsfrist | bis 10. November 2026 |
Stand 12. Oktober 2026. Es handelt sich um einen Entwurf; Änderungen nach der Konsultation sind möglich.
30.000 Kilometer und „zwei Winter, ein Sommer“
Neue Pkw sollen mindestens 30.000 km Zuverlässigkeitstests absolvieren. Die Umwelterprobung muss mindestens ein Jahr dauern und der Abfolge „zwei Winter, ein Sommer“ folgen, also strenge Kälte, große Hitze und wieder strenge Kälte, mit mehreren Fahrzeugen in den wichtigsten Konfigurationen. Klimakammern oder Tests auf der anderen Erdhalbkugel sind erlaubt, wenn sie mindestens gleichwertig sind.
Fahrassistenz, automatisiertes Fahren und Smart-Cockpit-Systeme müssen im echten Fahrzeug getestet werden, auch in Extremsituationen; Over-the-Air-Updates brauchen eine gründliche Validierung. Zentrale Komponenten wie Antriebsbatterie, Motor und Steuergeräte müssen die Hersteller selbst prüfen, statt sich auf Berichte der Zulieferer zu verlassen. In der Werbung dürfen sie die Grenzen neuer Funktionen nicht verschweigen oder Fähigkeiten übertreiben.
Fristen: 1. Januar und 1. Juli 2027
Ab 1. Januar 2027 müssen Anträge für neue Modelle mit innovativen Designs zusätzliche technische Parameter und Nachweise zu Sicherheit und Umwelterprobung enthalten. Bereits zugelassene Modelle müssen diese Unterlagen bis 1. Juli 2027 nachreichen. Wer danach ohne Nachweise ein Sicherheitsrisiko darstellt, muss die Produktion stoppen und die Fahrzeuge zurückrufen. Die Kommentierungsfrist endet am 10. November 2026.
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