China will den Technik-Wettlauf im Auto bremsen: Das Industrieministerium MIIT hat mit drei weiteren Behörden am 10. Oktober einen Regelentwurf vorgelegt. Faltbare und flexible Displays sollen verboten, Zero-Gravity- und Drehsitze während der Fahrt gesperrt werden. Neue Pkw müssen mindestens 30.000 km Zuverlässigkeitstests absolvieren. Stellungnahmen sind bis 10. November möglich.

Xpeng GX Kapitänssitze

Chinas MIIT will Zero-Gravity-Sitze während der Fahrt sperren.
Bild-Quelle: Xpeng

MIIT-Entwurf: Zulassung nur noch nach ausreichenden Tests

Hinter dem Entwurf stehen das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), das Ministerium für öffentliche Sicherheit, das Umweltministerium und die Marktaufsicht SAMR. Kern ist, dass Sicherheitsbewertungen und Entwicklungstests fester Bestandteil der Typzulassung werden. Modelle, die vorgeschriebene Tests nicht bestehen, unzureichend getestet sind oder mit gefälschten Unterlagen eingereicht werden, sollen keine Zulassung erhalten.

Der Vorstoß kommt nicht überraschend. Ende August hatte Vize-Minister Xin Guobin kritisiert, dass manche „aggressiven“ Designs ohne ausreichende Erprobung in Serie gegangen seien; wir berichteten damals, dass unzureichend getestete Auto-Technik ausgesperrt werden soll. Der neue Entwurf macht daraus konkrete Vorgaben.

Faltbare Displays verboten, Zero-Gravity-Sitze nur im Stand

Bei Bildschirmen geht der Entwurf am weitesten: Faltbare und flexible Displays sollen ganz verboten werden. Zentrale Infotainment-Bildschirme, großflächige Displays und komplexe Head-up-Displays müssen auf Ablenkung, Zuverlässigkeit unter Extrembedingungen und Verhalten bei einem Unfall geprüft werden.

Sitze mit Zero-Gravity-Funktion, drehbare Sitze und Sitze mit Liegefunktion müssen technisch so abgesichert werden, dass sich diese Funktionen während der Fahrt nicht nutzen lassen. Licht, Scheibenwischer sowie Enteisung und Entfeuchtung brauchen zusätzlich zu Touch- oder Sprachbedienung physische Bedienelemente – eine Linie, die China schon mit der Pflicht für physische Tasten im Auto eingeschlagen hat. Türen, Motorhaube und Scheinwerfer soll während der Fahrt nur noch der Fahrer per Sprache bedienen dürfen.

Auch Lichtbotschaften kommen auf den Prüfstand: Für frei programmierbare Texte in Scheinwerfern und Rückleuchten sollen die Hersteller die Inhalte kontrollieren. Das ab 1. Januar 2027 geltende Verbot vollständig versenkter Türgriffe bekräftigt der Entwurf; Türgriffe brauchen eine mechanische Redundanz und genug Platz für die Hand, elektrische Komforttüren einen Einklemmschutz und eine manuelle Öffnung bei Stromausfall.

Vorgelegt 10. Oktober 2026 (Entwurf)
Behörden MIIT, Ministerium für öffentliche Sicherheit, Umweltministerium, SAMR
Faltbare und flexible Displays Verbot geplant
Zero-Gravity-, Dreh- und Liegesitze während der Fahrt gesperrt
Physische Bedienung Licht, Wischer, Enteisung, Entfeuchtung
Zuverlässigkeitstest Pkw mindestens 30.000 km
Umwelterprobung mindestens 1 Jahr, „zwei Winter, ein Sommer“
Frist neue Modelle 1. Januar 2027
Frist zugelassene Modelle 1. Juli 2027
Kommentierungsfrist bis 10. November 2026

Stand 12. Oktober 2026. Es handelt sich um einen Entwurf; Änderungen nach der Konsultation sind möglich.

30.000 Kilometer und „zwei Winter, ein Sommer“

Neue Pkw sollen mindestens 30.000 km Zuverlässigkeitstests absolvieren. Die Umwelterprobung muss mindestens ein Jahr dauern und der Abfolge „zwei Winter, ein Sommer“ folgen, also strenge Kälte, große Hitze und wieder strenge Kälte, mit mehreren Fahrzeugen in den wichtigsten Konfigurationen. Klimakammern oder Tests auf der anderen Erdhalbkugel sind erlaubt, wenn sie mindestens gleichwertig sind.

Fahrassistenz, automatisiertes Fahren und Smart-Cockpit-Systeme müssen im echten Fahrzeug getestet werden, auch in Extremsituationen; Over-the-Air-Updates brauchen eine gründliche Validierung. Zentrale Komponenten wie Antriebsbatterie, Motor und Steuergeräte müssen die Hersteller selbst prüfen, statt sich auf Berichte der Zulieferer zu verlassen. In der Werbung dürfen sie die Grenzen neuer Funktionen nicht verschweigen oder Fähigkeiten übertreiben.

Fristen: 1. Januar und 1. Juli 2027

Ab 1. Januar 2027 müssen Anträge für neue Modelle mit innovativen Designs zusätzliche technische Parameter und Nachweise zu Sicherheit und Umwelterprobung enthalten. Bereits zugelassene Modelle müssen diese Unterlagen bis 1. Juli 2027 nachreichen. Wer danach ohne Nachweise ein Sicherheitsrisiko darstellt, muss die Produktion stoppen und die Fahrzeuge zurückrufen. Die Kommentierungsfrist endet am 10. November 2026.

Die Regeln gelten für die Zulassung in China. Fahrzeuge für Europa durchlaufen eine eigene EU-Typgenehmigung. Direkt betroffen sein kann aber, wer ein China-Modell auf eigene Faust einführt: Diese Autos werden nach chinesischen Vorgaben gebaut. Wie das funktioniert, erklärt unser Ratgeber, wie man ein China-E-Auto nach Deutschland importieren kann.

Unsere Einschätzung

Peking zieht die Notbremse bei Gimmicks, die in China zum Verkaufsargument geworden sind. Für Europa ist das eher eine gute Nachricht: Wenn chinesische Hersteller ihre Technik zu Hause länger und härter testen müssen, profitieren auch die Exportmodelle davon, die meist auf denselben Plattformen aufbauen.

Was steht im neuen MIIT-Entwurf für Autos?
Das MIIT und drei weitere Behörden legten am 10. Oktober 2026 einen Entwurf vor, der Sicherheitsbewertungen und Entwicklungstests zur Pflicht für die Zulassung macht. Er verbietet unter anderem faltbare und flexible Displays und sperrt Zero-Gravity-Sitze während der Fahrt.

Verbietet China Zero-Gravity-Sitze?
Nein, nicht grundsätzlich. Zero-Gravity-, Dreh- und Liegesitze sollen erlaubt bleiben, ihre Funktionen müssen aber während der Fahrt technisch gesperrt sein.

Wie lange müssen neue Autos in China getestet werden?
Neue Pkw sollen mindestens 30.000 km Zuverlässigkeitstests absolvieren. Die Umwelterprobung muss mindestens ein Jahr nach dem Muster „zwei Winter, ein Sommer“ dauern.

Ab wann gelten die neuen Regeln?
Neue Modelle müssen die zusätzlichen Nachweise ab 1. Januar 2027 einreichen, bereits zugelassene Modelle bis 1. Juli 2027. Bis 10. November 2026 können Stellungnahmen zum Entwurf abgegeben werden.

Gelten die chinesischen Regeln auch für Autos in Deutschland?
Nein. Sie gelten für die Zulassung in China; Fahrzeuge für Europa brauchen eine eigene EU-Typgenehmigung. Direkt importierte China-Modelle sind aber nach chinesischen Vorgaben gebaut.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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