BYD steht laut eigenen Angaben kurz vor der Entscheidung über ein zweites Europa-Werk in Spanien oder Frankreich – als Antwort auf die EU-Zölle.
Bild-Quelle: BYD
Zwei Teams, zwei Länder, eine Entscheidung „sehr bald“
Auf der Reuters-Konferenz „Automotive Europe“ in Frankfurt erklärte Alfredo Altavilla, BYDs Sonderberater für Europa, dass der chinesische Autobauer kurz vor der Wahl eines zweiten europäischen Fertigungsstandorts stehe. Wörtlich sagte er laut Konferenzmitschrift: „Wir haben zwei Teams, die sich in unterschiedlichen Rechtsräumen umschauen, wir sind also nah dran.“ Eine Entscheidung müsse „sehr bald“ fallen.
Als Standorte werden Spanien und Frankreich gehandelt. Anders als beim bereits laufenden Werksaufbau im ungarischen Szeged, wo die Massenproduktion laut BYD im vierten Quartal 2026 beginnen soll, verfolgt BYD hier offenbar eine andere Strategie: Statt eines Neubaus sucht der Konzern nach einer sogenannten Brownfield-Investition – also der Übernahme einer bestehenden, bereits produzierenden Autofabrik eines etablierten Herstellers. Ein konkretes Datum für die Bekanntgabe nennt BYD bislang nicht.
Warum BYD jetzt aufs Tempo drückt
Der Zeitdruck hat einen klaren Auslöser: die EU-Zölle. Auf batterieelektrische BYD-Fahrzeuge aus China wird ein Sonderzoll von 17 Prozentpunkten zusätzlich zum Basiszoll von 10 Prozent erhoben – macht in Summe rund 27 Prozent. Lokale Produktion in der EU würde diese Zusatzkosten umgehen und BYD zugleich auf geplante „Made in Europe“-Regeln vorbereiten, die lokal gefertigte Fahrzeuge künftig bevorzugen sollen.
Das Wachstum in Europa gibt der Eile zusätzlichen Nachdruck: BYDs europäische Verkaufszahlen stiegen 2025 um 270 Prozent auf knapp 188.000 Fahrzeuge und verdoppelten sich in den ersten fünf Monaten 2026 noch einmal auf über 100.000 Einheiten. Langfristig peilt BYD an, rund 70 Prozent der in Europa verkauften Fahrzeuge auch dort zu produzieren – ein Ziel, das mit nur einem Werk in Ungarn kaum erreichbar wäre.
| Werk 1 (im Bau) | Szeged, Ungarn |
| Produktionsstart Szeged | Q4 2026 (laut BYD) |
| Werk 2 (Standort) | Spanien oder Frankreich (Entscheidung ausstehend) |
| Investitionsform Werk 2 | Brownfield (Übernahme bestehender Fabrik) |
| EU-Sonderzoll auf BYD-BEV (zzgl. 10 % Basiszoll) | 17 % |
| Europa-Absatz BYD 2025 | rund 188.000 Fahrzeuge (+270 %) |
| Ziel: Lokal produzierter Anteil am Europa-Absatz | rund 70 % (langfristig) |
Quelle: Aussagen von BYD-Sonderberater Alfredo Altavilla auf der Reuters-Konferenz „Automotive Europe“ (Frankfurt) sowie BYD-Absatzangaben.
Dass BYD überhaupt öffentlich über eine Werksübernahme statt eines klassischen Neubaus spricht, ist bemerkenswert schnell – ein Brownfield-Projekt lässt sich deutlich zügiger hochfahren als eine Fabrik auf der grünen Wiese, wie sie in Ungarn gerade erst entsteht. Für deutsche Zulieferer und Standortpolitik ist das relevant, weil es zeigt, dass der Wettbewerbsdruck aus den EU-Zöllen bereits konkrete Standortentscheidungen chinesischer Hersteller beschleunigt, statt sie zu verhindern – ein Muster, das die T&E-Analyse aus dem parallelen Artikel dieses Briefings mit Zahlen unterlegt: Seit der EU-Antisubventionsuntersuchung im September 2023 wurden bereits zehn geplante China-Produktionsstätten in Europa angekündigt. Bemerkenswert ist zudem, dass weder Deutschland noch ein anderer der bisher meistgenannten Standorte (Ungarn) im aktuellen BYD-Ranking für das zweite Werk auftauchen – die Entscheidung für Spanien oder Frankreich würde die Produktionslandkarte chinesischer E-Autos in Europa also weiter von Deutschland weg verschieben, während gleichzeitig mehr BYD-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sind.
Häufige Fragen
FAQ: BYDs zweites Europa-Werk