Geely will ultraschnelles Laden nach Deutschland bringen: Ladestationen mit bis zu 1.000 kW.
Bild-Quelle: Geely
Geely sucht Partner für 1.000-kW-Ladestationen in Deutschland
Geely will das ultraschnelle Laden von Elektroautos in Deutschland voranbringen. Die deutsche Vertriebsgesellschaft Geely Auto sucht dafür lokale Partner, mit denen sie gemeinsam Schnellladestationen mit einer Ladeleistung von bis zu 1.000 kW aufbauen will. Wie viele Stationen entstehen sollen, wer als Partner infrage kommt und wann die ersten Säulen in Betrieb gehen, hat Geely bislang nicht mitgeteilt.
Hintergrund ist das neue Ladesystem „Geely Smart Charging“, das der Konzern Ende September in China vorgestellt hat. Die Ladesäulen der fünften Generation liefern bis zu 2.250 kW. Mit Geelys sogenannter Shendun-Golden-Batterie, die eine Laderate von bis zu 12C verkraften soll, lädt etwa ein Zeekr 001 oder Lynk & Co 10 in 4 Minuten und 30 Sekunden von 10 auf 70 Prozent und in 8 Minuten und 40 Sekunden von 10 auf 97 Prozent. Die Fahrzeuge selbst erreichen dabei Spitzenleistungen um 1.100 kW. Erste Stationen stehen bereits in Hangzhou, Shanghai, Ningbo, Jiaxing und Xi’an.
Kern des Systems ist eine KI-Steuerung namens „Xingrui PowerMind“, die Geely gemeinsam mit dem chinesischen KI-Unternehmen StepFun entwickelt hat. Sie sagt die Akkutemperatur bis zu 30 Sekunden im Voraus vorher und passt die Ladeleistung entsprechend an. Ziel ist eine Durchschnittstemperatur unter 55 Grad und Spitzen unter 65 Grad. Eine zusätzliche Puls-Technik soll Lithium-Ionen an der Anode reaktivieren und die Zahl der Ladezyklen um bis zu 20 Prozent erhöhen. Für Europa gilt allerdings eine wichtige Einschränkung: Die 12C-Technik aus China soll hier zunächst nicht eingeführt werden.
| Plan für Deutschland | Schnellladestationen mit bis zu 1.000 kW, gemeinsam mit lokalen Partnern |
|---|---|
| Partner, Anzahl, Zeitplan | noch nicht bekannt |
| System in China | Geely Smart Charging, Ladesäulen mit bis zu 2.250 kW |
| Ladezeit (China) | 10–70 % in 4:30 Min., 10–97 % in 8:40 Min. |
| Kompatible Modelle (China) | Zeekr 001, Lynk & Co 10 |
| KI-Steuerung | Xingrui PowerMind (mit StepFun), Temperaturprognose 30 Sek. im Voraus |
| Akku-Lebensdauer | bis zu 20 % mehr Ladezyklen (Herstellerangabe) |
| 12C-Technik in Europa | zunächst nicht geplant |
Stand: 1. Oktober 2026. Lade- und Lebensdauerwerte sind Herstellerangaben aus China und noch nicht unabhängig geprüft.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Mit der Ankündigung reiht sich Geely in den Wettlauf ums Megawatt-Laden ein, den BYD mit seinem Blitzladen eröffnet hat. Auch BYD will entsprechende Ladesäulen nach Europa bringen. Für Deutschland wären Stationen mit 1.000 kW ein großer Sprung: Die meisten öffentlichen Schnelllader liefern heute zwischen 150 und 400 kW. Bemerkenswert ist der Ansatz über Partner. Geely will nicht wie Tesla ein eigenes Netz bauen, sondern sich mit lokalen Betreibern zusammentun. Beim normalen Laden arbeitet Geely in Deutschland bereits mit EnBW zusammen.
Für heutige Geely-Kunden hierzulande ändert sich vorerst nichts. Die in Deutschland angebotenen Modelle wie der Kleinwagen E2 oder der Galaxy E5 sind für solche Ladeleistungen nicht ausgelegt, und die schnellladefähigen Modelle Zeekr 001 und Lynk & Co 10 erreichen die China-Werte nur mit den dortigen Akkus. Ohne Zeitplan, ohne genannte Partner und ohne passende Europa-Modelle ist die Ankündigung vor allem ein Signal: Geely will beim Laden nicht hinter BYD zurückfallen und bereitet den Boden für kommende Modelle mit höherer Ladeleistung.
Technisch ist Geelys Ladesystem beeindruckend, für Deutschland aber noch Zukunftsmusik. Damit 1.000-kW-Säulen hierzulande etwas bringen, braucht es dreierlei: Partner, die die teure Infrastruktur mitbauen, Fahrzeuge mit Akkus, die solche Leistungen verkraften, und eine Netzanbindung, die Megawatt-Leistungen hergibt. Zu keinem der drei Punkte gibt es bisher Details. Die Ankündigung zeigt aber, wohin die Reise geht: Chinesische Hersteller machen die Ladegeschwindigkeit zum nächsten großen Verkaufsargument, auch in Europa.

