Die Europäische Kommission hat heute konkrete Bedingungen für Preis-Zusagen chinesischer Hersteller publiziert. Erste Abkommen erwartet – potenzieller Gamechanger für den deutschen Flottenmarkt und Privatkäufer?
Günstiger dürften chinesische E-Autos in Deutschland durch den EU-China-Deal nicht werden.
Bild-Quelle: Zeekr
Die Leitlinien definieren vier zentrale Säulen: Erstens muss der Mindestpreis den gesamten Subventions-Schaden plus den Zoll-Effekt kompensieren. Konkret berechnet sich das entweder als Untersuchungszeit-CIF-Preis (Cost, Insurance, Freight) zuzüglich der Gegenmaßnahme-Marge (je nach Modell 17 bis 38 Prozent) oder als Preis eines vergleichbaren EU-BEVs plus Produktionskosten und angemessene Gewinnmarge. Zweitens sind die Zusagen praktikabel umsetzbar: Automatische Anpassungen an Inflation und Wechselkurse, unabhängige externe Auditoren und Abzug von EU-Investitionen wie Fabriken in Ungarn (BYD). Drittens verbietet die EU Cross-Compensation – also kein Ausgleich durch Dumping anderer Modelle oder Märkte. Viertens erfolgt eine jährliche Überprüfung mit Sanktionen bei Verstößen, inklusive Transparenz gegenüber Verbänden wie VDA und ACEA.
Das chinesische Handelsministerium reagierte prompt und bestätigte einen „Framework-Deal“: Die EU-Richtlinien werden umgesetzt, bilaterale Gespräche mit Einzelherstellern ausgeschlossen. Dies folgt auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen im Dezember 2025 nach einer monatelangen Pattsituation. Für die betroffenen Unternehmen bedeutet das handfeste Arbeit: BYD könnte für Dolphin/Seal Zusagen um 20 Prozent Marge abgeben, Zeekr für 7X/001 rund 25 Prozent. Anträge starten Februar 2026, erste Abkommen sind für das zweite Quartal realistisch – vor der Sommer-Review der Zölle.
In Deutschland und Europa verändern diese Entwicklungen grundlegend den Markt. Statt chaotischen Dumping-Preisen entsteht Planbarkeit: Leasinggesellschaften wie ALD oder Sixt können langfristig kalkulieren, Privatkäufer erwarten stabile Einstiegspreise ab 35.000 Euro. Die deutsche Autoindustrie atmet auf – sie gewinnt z.B. Zeit für die Neue-Klasse-Offensive, ohne dass chinesische Importe den Preiswettbewerb komplett dominieren. Gleichzeitig bleibt der Druck: Chinas Skalenvorteile und EU-Investitionen (über 10 Milliarden Euro) könnten Marktanteile von aktuell 8 Prozent in Deutschland auf 15 Prozent bis 2027 treiben.
Dieser Schritt signalisiert einen Pragmatismuswechsel: Von Protektionismus zu „smartem Handel“. China bindet sich via Investitionen, die EU sichert Jobs und Einnahmen (Zoll ~2 Mrd. Euro/Jahr). Für Verbraucher: Günstige, faire EVs ohne Chaos – der grüne Übergang beschleunigt sich. Die nächsten Wochen entscheiden: Werden die chinesischen Hersteller zusagen, oder eskaliert der Streit erneut?