CAAM-Prognose: China-Absatz NEVs (BEV+PHEV) steigt 2026 auf 19 Mio. Einheiten (+25% zu 2025).
China schreibt 2026 erneut Elektroauto-Geschichte: Nach Schätzungen der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) werden im laufenden Jahr rund 19 Millionen New Energy Vehicles (NEVs) – das sind rein elektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenautos – verkauft. Damit würde der Absatz um etwa 25 Prozent gegenüber den prognostizierten 15,2 Millionen Einheiten 2025 steigen und den Anteil der NEVs am Gesamtmarkt auf über 55 Prozent treiben. Kein anderes Land kommt auch nur annähernd an diese Dimensionen heran: Die gesamte EU lag 2025 bei unter 3 Millionen BEVs und PHEVs, Deutschland bei rund 450.000 Einheiten.
Dieser Boom hat mehrere Treiber. Erstens die anhaltende Preisoffensive chinesischer Hersteller: Modelle wie der BYD Qin Plus DM-i oder der Wuling Mini EV liegen oft unter 10.000 Euro und dominieren das Massensegment. Zweitens massive staatliche Förderung durch Subventionen, günstige Kredite und Ladeinfrastruktur-Ausbau – China hat mittlerweile über 20 Millionen öffentliche Ladepunkte. Drittens technologische Vorsprünge: LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat) sind günstiger und langlebiger als europäische NMC-Zellen, während 800V-Ladesysteme und L3-Autopilot-Features (Xpeng, Li Auto) den Alltag komfortabler machen.
Besonders Plug-in-Hybride boomen: Sie machen bereits über 30 Prozent der NEVs aus und bieten Verbrauchern Flexibilität bei langen Strecken – ein Modell, das auch in Europa an Popularität gewinnt. Top-Hersteller wie BYD (Prognose: 5 Mio. Einheiten), Geely (inkl. Zeekr: 2 Mio.) und SAIC (MG: 1,5 Mio.) treiben das Wachstum, während traditionelle Marken wie VW oder Toyota nachziehen müssen.
Was bedeutet das konkret für Deutschland und Europa?
Der Abstand wird atemberaubend: Während China 19 Millionen NEVs verkauft, kämpft die gesamte EU um die 4-Millionen-Marke. Der technologische Vorsprung – günstigere Batterien, bessere Reichweiten, fortschrittlichere Software – wird sich in Exportmodellen wie Zeekr 7GT oder MG S EV niederschlagen. Selbst mit EU-Mindestpreisen (12.01.2026 vereinbart) bleiben chinesische Autos 20–30 Prozent günstiger als vergleichbare VW ID- oder BMW-Modelle.
Für deutsche Flottenkäufer bedeutet das: Noch attraktivere Leasing-Raten ab 2027, während Privatkäufer mit Modellen unter 25.000 Euro rechnen können. Die etablierten Hersteller (VW, BMW, Mercedes) stehen unter enormem Druck: Ohne massive Kostensenkungen und Innovationen drohen Marktanteile von 20 Prozent für China bis 2030. Gleichzeitig zwingt der Wettbewerb europäische Marken zu mehr Tempo bei der Elektrofizierung – ein Segen und Fluch zugleich.
China festigt damit nicht nur seine Rolle als größter E-Auto-Markt, sondern diktiert auch globale Standards. Die EU muss entscheiden: Protektionismus oder Kooperation durch Lokalisierung (Fabriken in Ungarn, Türkei)? Der Boom in Peking verändert endgültig die Welt der Elektromobilität.