Was Merz angekündigt hat
Nach der zweitägigen Klausur der CDU-Spitze in Berlin bestätigte Merz, dass die Stromsteuer nicht nur für Industrie und Landwirtschaft, sondern für alle Stromkunden auf das EU-Minimum sinken soll. Er wolle alles tun, um das schnell umzusetzen. Ein Datum nannte er nicht, ein Gesetzentwurf liegt noch nicht vor, und wie der Bund die Steuerausfälle gegenfinanziert, ist ebenfalls offen.
Heute zahlen Privathaushalte und die meisten Unternehmen 2,05 Cent Stromsteuer pro Kilowattstunde, ein Satz, der seit 2003 unverändert ist. Das produzierende Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft profitieren bereits seit Januar 2026 vom EU-Mindestsatz von 0,05 Cent. Für private Verbraucher liegt das EU-Minimum bei 0,1 Cent pro Kilowattstunde.
Laden zu Hause: So viel spart die Wallbox
An der heimischen Wallbox wirkt die Senkung direkt, sofern der Stromanbieter sie weitergibt. Von 2,05 auf 0,1 Cent sind es 1,95 Cent netto, inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer rund 2,32 Cent pro Kilowattstunde. Ein E-Auto mit 18 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer und 15.000 Kilometern im Jahr zieht etwa 2.700 kWh aus der Wallbox – die Ersparnis läge bei gut 60 Euro jährlich.
Zusammen mit dem Haushaltsstrom wird es spürbarer: Ein Haushalt mit 3.500 kWh Grundverbrauch plus E-Auto käme auf rund 6.200 kWh und damit auf etwa 144 Euro Entlastung im Jahr. Wer sein E-Auto über eine eigene PV-Anlage lädt, profitiert entsprechend weniger.
| Stromsteuer heute (Haushalte) | 2,05 ct/kWh |
| EU-Mindestsatz Privatverbrauch | 0,10 ct/kWh |
| Ersparnis inkl. MwSt. | ca. 2,32 ct/kWh |
| E-Auto, 2.700 kWh/Jahr | ca. 63 Euro |
| Haushalt 3.500 kWh | ca. 81 Euro |
| Haushalt plus E-Auto, 6.200 kWh | ca. 144 Euro |
| Inkrafttreten | noch offen |
Stand 13.10.2026. Eigene Beispielrechnung; setzt voraus, dass Stromanbieter die Senkung vollständig weitergeben.
Öffentliche Ladesäulen: Entlastung nicht garantiert
Unterwegs ist die Rechnung unsicherer. Ladesäulenbetreiber zählen nicht zum produzierenden Gewerbe und zahlen heute den vollen Satz. Gilt die Senkung künftig für alle Unternehmen, fielen bei ihnen rund 2 Cent netto pro Kilowattstunde weg, für Kunden wären es bei voller Weitergabe etwa 2,4 Cent brutto. Bei einem Ladepreis von 49 Cent entspräche das knapp 5 Prozent, an Schnellladern mit 79 Cent rund 3 Prozent.
Ob die Betreiber das an der Säule weitergeben, ist allerdings offen: Ladepreise werden frei kalkuliert und hängen stärker von Netzentgelten, Hardware- und Standortkosten ab als von der Stromsteuer. Wer viel öffentlich lädt, sollte deshalb eher Tarife vergleichen, als auf die Steuersenkung zu warten. Neben dem Strompreis prägen auch Posten wie die Versicherung chinesischer E-Autos die laufenden Kosten.
Was die Senkung für Käufer bedeutet
Für die Kaufentscheidung ist die Stromsteuer ein kleiner Baustein. Der Kostenvorteil eines E-Autos entsteht vor allem durch günstiges Laden zu Hause – und genau dort wirkt die Senkung am zuverlässigsten. Wer gerade über ein günstiges China-Modell nachdenkt, etwa über einen Import oder ein offiziell angebotenes Modell, sollte die Wallbox-Frage deshalb höher gewichten als die Steuer.
Die Senkung ist angekündigt, aber nicht beschlossen. Bis ein Gesetz verabschiedet ist, ändert sich am Strompreis nichts. Danach profitieren Wallbox-Lader sicher, sofern ihr Anbieter die Senkung weitergibt – an öffentlichen Ladesäulen entscheidet allein der Betreiber.

