Der Xpeng G9L feiert in Paris seine Europa-Premiere.
Bild-Quelle: Xpeng
Pariser Autosalon 2026: Alle China-Marken und ihre Neuheiten im Überblick
Vom 12. bis 18. Oktober 2026 öffnet der Mondial de l’Auto auf dem Messegelände Paris Expo Porte de Versailles seine Tore; der 12. Oktober ist der Pressetag, ab dem 13. Oktober ist die Messe für Besucher geöffnet. Es ist die 91. Ausgabe einer der traditionsreichsten Automessen der Welt – und eine, die sich spürbar verändert hat. Mehr als 20 chinesische Hersteller und Marken haben sich angekündigt, fast doppelt so viele wie bei der letzten Ausgabe 2024.
Gleichzeitig fehlen bekannte Namen: BMW und Mini haben abgesagt, japanische Hersteller wie Toyota, Nissan und Mazda spielen allenfalls eine Nebenrolle. Die Lücken füllen die Chinesen. Paris wird damit – ähnlich wie zuletzt die IAA in München – zur wichtigsten europäischen Bühne für Marken aus China. Für viele von ihnen ist es der erste große öffentliche Auftritt in Europa überhaupt.
Auffällig ist das Programm: Neben reinen Elektroautos zeigen die chinesischen Hersteller so viele Plug-in-Hybride und Range-Extender wie nie zuvor. Das hat einen handfesten Grund – die EU-Sonderzölle gelten nur für reine Elektroautos aus China. Dazu kommen erste Modelle aus europäischer Fertigung. Wir stellen alle wichtigen China-Marken vor, sortiert nach Bedeutung für den deutschen Markt. Da die Messe erst beginnt, basiert diese Übersicht auf den Ankündigungen der Hersteller; wir aktualisieren sie nach dem Pressetag.
| Termin | 12. Oktober (Pressetag), 13.–18. Oktober 2026 (Publikumstage) |
|---|---|
| Ort | Paris Expo Porte de Versailles |
| China-Aussteller | mehr als 20 Hersteller und Marken (2024: rund halb so viele) |
| BYD & Denza | Dolphin G DM-i, Atto 2 DM-i, Atto 3 Evo, Sealion 5 DM-i, Seal 6; Denza Z und B5 |
| Leapmotor | Europapremiere B03, dazu B03X, B05, B10, D19 |
| Xpeng | Europapremiere G9L (gebaut in Graz), G6, G9, P7+, X9 |
| Li Auto | erster Europa-Auftritt, Li 6 (China: i6) |
| Zeekr / Geely / Lynk & Co | Zeekr 9X, 7X, 7GT; Geely E2, E5, Starray EM-i; Lynk & Co 01, 02, 08 |
| Chery / Omoda / Jaecoo | Tiggo-Hybride, Omoda 7 und 9, Jaecoo 5 und 7, weitere Europapremieren |
| Changan | Deepal S05 und S07, Avatr 11 und 12, Nevo A06 |
| GAC Aion | Aion V und Aion UT |
| Weitere | Forthing (Dongfeng), BAW, Maxus und kleinere Marken |
| Nicht angekündigt | MG, Nio, Xiaomi |
Stand: 1. Oktober 2026, Grundlage sind die bis dahin veröffentlichten Ankündigungen. Kurzfristige Änderungen sind möglich. Reichweiten nach CLTC liegen etwa 15 bis 25 Prozent über dem WLTP-Wert; China-Preise sind keine deutschen Preise.
BYD und Denza: Hybrid-Offensive und Luxus-Sportler
Der größte chinesische Hersteller kommt bereits zum dritten Mal nach Paris, verzichtet aber auf eine Weltpremiere. Stattdessen zeigt BYD die Neuheiten der vergangenen Monate – und setzt dabei stark auf Plug-in-Hybride. Im Mittelpunkt steht der kompakte Dolphin G DM-i, den BYD als besonders günstigen Plug-in-Hybriden positioniert. Dazu kommen der Atto 2 DM-i, der überarbeitete Atto 3 Evo, das SUV Sealion 5 DM-i und die Limousine Seal 6. Die Botschaft ist klar: BYD will in Europa nicht mehr nur mit Elektroautos wachsen, sondern auch mit Hybriden, die nicht unter den EU-Sonderzoll fallen.
Spektakulärer wird es bei der Luxusmarke Denza, die erstmals öffentlich in Frankreich auftritt. Im Fokus stehen der Elektro-Sportwagen Denza Z mit rund 1.000 PS und das kantige Plug-in-Geländefahrzeug B5 mit gut 500 PS – beide auf dem Weg zum europäischen Marktstart. Der Kombi Z9 GT ist bereits seit April in Europa bestellbar, zu Preisen ab 115.000 Euro, und bringt das Megawatt-Blitzladen von BYD mit.
Leapmotor: Neuer Kleinwagen B03 und das Flaggschiff D19
Leapmotor stellt auf dem Stand des Partners Stellantis in Halle 4 aus und feiert dort die Europapremiere des B03. Der Kleinwagen ist in China als A05 bekannt, misst 4,18 Meter und soll nach WLTP rund 390 Kilometer weit kommen. Damit zielt Leapmotor in das hart umkämpfte Segment der bezahlbaren Elektro-Kompakten, in dem auch der VW ID. Polo und der Renault 5 antreten. Daneben stehen der Crossover B03X, die Limousine B05 und das SUV B10.
Das größte Modell auf dem Stand ist der D19: Das Flaggschiff-SUV auf der neuen Plattform LEAP 4.0 ist über 5,25 Meter lang, bietet sechs oder sieben Sitze und wird in China als Elektroauto und als Range-Extender angeboten. Leapmotor ist die am schnellsten wachsende China-Marke in Deutschland und zählt europaweit bereits über 1.000 Standorte. Im spanischen Saragossa läuft seit Mitte September die Vorserie des B10 – das erste Leapmotor-Modell aus europäischer Fertigung.

Xpeng: Das Flaggschiff G9L aus Graz
Xpeng nutzt Paris für die Europapremiere des G9L. Das 5,12 Meter lange Oberklasse-SUV ist das neue Flaggschiff der Marke und wird für Europa bei Magna Steyr im österreichischen Graz montiert – nach G6, G9 und P7+ bereits das vierte Xpeng-Modell aus Graz. Als in Europa gebautes Fahrzeug entgeht der G9L dem EU-Sonderzoll. Die Elektroversionen kommen nach CLTC auf 660 bis 755 Kilometer und laden dank 800-Volt-Technik sehr schnell. Erste Auslieferungen in Europa sind um den Jahreswechsel geplant.
Daneben zeigt Xpeng sein bestehendes Programm mit den SUV G6 und G9, der Limousine P7+ und dem Großraum-Van X9. Im Mittelpunkt der Präsentation sollen die KI-gestützten Assistenz- und Cockpitsysteme stehen, mit denen sich Xpeng als Technologiemarke positioniert.

Li Auto: Der Europa-Start mit dem Li 6
Für Li Auto ist Paris der offizielle Startschuss in Europa. Der Hersteller, in China vor allem für seine großen Range-Extender-SUV bekannt, will auf der Messe seine weltweite Modellpalette und seine Pläne für Europa vorstellen. Das erste Modell für den europäischen Markt ist der Li 6, in China als i6 verkauft: ein rein elektrisches SUV mit rund 4,95 Metern Länge, einem Akku mit etwa 87 kWh und bis zu rund 720 Kilometern Reichweite nach CLTC. In China gibt es ihn mit Heckantrieb (rund 250 kW) und Allrad (rund 400 kW).
In Europa setzt Li Auto zunächst auf reine Elektroautos und tritt unter dem kurzen Markennamen „Li“ auf. Der Verkauf soll noch im vierten Quartal 2026 beginnen, über eine Mischung aus eigenen Gesellschaften, Händlern und Importeuren. Preise und WLTP-Werte für Europa stehen noch aus – sie dürften in Paris die wichtigste Nachricht werden. Für Deutschland betreibt Li Auto bereits ein Entwicklungszentrum in München.

Geely-Konzern: Zeekr 9X, Geely E2 und Lynk & Co
Der Geely-Konzern ist mit gleich drei Marken vertreten. Zeekr stellt erstmals in Paris aus und rückt das Luxus-SUV 9X in den Mittelpunkt: einen rund 5,24 Meter langen Plug-in-Hybriden mit 900-Volt-Technik und bis zu knapp 900 PS in der Europa-Version. In Deutschland ist der 9X ab 119.500 Euro bestellbar, die ersten Auslieferungen sind für Dezember 2026 bis Anfang 2027 geplant. Daneben zeigt Zeekr den Shooting Brake 7GT, das SUV 7X sowie den 001 und den X. In Deutschland baut Zeekr gerade ein Händlernetz auf.
Die Marke Geely zeigt den Elektro-Kleinwagen E2, der in Deutschland ab 19.990 Euro angeboten wird, dazu das Elektro-SUV E5 und den Plug-in-Hybriden Starray EM-i. Lynk & Co feiert seinen ersten großen öffentlichen Auftritt in Paris mit den Modellen 01, 02 und 08. Ab Januar 2027 übernimmt Volvo den Vertrieb von Lynk & Co in Europa.

Chery, Omoda und Jaecoo: Erster Auftritt der Kernmarke
Der Chery-Konzern ist erstmals mit seiner Kernmarke Chery auf dem Mondial vertreten. Gezeigt werden ausschließlich Hybridmodelle: der Tiggo 4 als Vollhybrid, der Tiggo 7 als Voll- und Plug-in-Hybrid sowie der siebensitzige Tiggo 8 als Plug-in-Hybrid. Hinzu kommen laut Chery mehrere Europapremieren, deren Namen noch nicht genannt wurden. In Frankreich ist Chery seit dem 1. September auf dem Markt, in Deutschland soll die Kernmarke im ersten Halbjahr 2027 starten.
Die Schwestermarken Omoda und Jaecoo, die in Deutschland bereits verkauft werden, zeigen die Plug-in-Hybride Omoda 7 und 9 sowie den Jaecoo 5 und den Jaecoo 7. Ob der Konzern in Paris auch seine weiteren Europa-Marken wie Lepas, iCaur oder Exlantix präsentiert, ist noch offen.
Changan, GAC und weitere Marken
Changan reist mit drei Marken an. Deepal zeigt die Elektro-SUV S05 und S07, die bereits in mehreren europäischen Ländern erhältlich sind und nun auch in Frankreich und Italien starten sollen. Die gemeinsam mit Huawei und CATL entwickelte Premiummarke Avatr stellt die Limousine Avatr 12 und das SUV-Coupé Avatr 11 aus, die Marke Nevo den Elektro-Kleinwagen A06. GAC kommt mit seiner Elektromarke Aion: Das Familien-SUV Aion V ist in Europa ab 35.990 Euro erhältlich, der kompakte Aion UT ab 27.990 Euro – Letzterer wird für Europa ebenfalls bei Magna in Österreich gebaut.
Kleiner, aber bemerkenswert sind weitere Neulinge: Forthing aus dem Dongfeng-Konzern feiert seinen Frankreich-Einstand mit mehreren SUV und einer Limousine, BAW zeigt den Geländewagen 212, der bereits in Deutschland angeboten wird, und Maxus präsentiert Nutzfahrzeuge und Vans. Nicht auf den bisherigen Ausstellerlisten stehen dagegen MG, Nio und Xiaomi. Die neue Seres-Marke Aiva hatte ihren ME7 bereits Ende September am Rande der Pariser Modewoche gezeigt.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Für deutsche Käufer ist Paris mehr als eine französische Messe. Viele der gezeigten Modelle sind bereits hierzulande bestellbar oder stehen kurz davor – etwa der Zeekr 9X, der Geely E2, die Xpeng-Modelle oder die BYD-Hybride. Andere wie der Li 6 oder der Leapmotor B03 dürften in Paris ihre europäischen Eckdaten bekommen, die dann auch für Deutschland gelten. Wer sich für ein China-Auto interessiert, bekommt in diesen Tagen den besten Überblick darüber, was 2027 auf den Markt kommt.
Zwei Entwicklungen ziehen sich durch die Messe. Erstens die Hybrid-Welle: Plug-in-Hybride und Range-Extender fallen nicht unter die EU-Sonderzölle auf chinesische Elektroautos, deshalb rücken BYD, Chery, Zeekr, Geely und Denza sie in den Vordergrund. Zweitens die Fertigung in Europa: Xpeng baut in Graz, GAC lässt ebenfalls in Österreich fertigen, Leapmotor startet in Spanien, BYD in Ungarn. Damit entfällt der Zoll für immer mehr Modelle – und chinesische Autos werden für deutsche Kunden noch einmal attraktiver. Für die deutschen Hersteller, von denen BMW gar nicht erst nach Paris kommt, ist das ein deutliches Warnsignal.
Der Pariser Autosalon 2026 bestätigt, was sich auf der IAA bereits abgezeichnet hat: Die großen Automessen in Europa werden zunehmend von chinesischen Herstellern getragen. Mit mehr als 20 Marken stellen sie einen erheblichen Teil der Aussteller, während etablierte Konzerne absagen. Spannend wird vor allem, welche Preise Li Auto, Leapmotor und Xpeng für ihre Europa-Neuheiten nennen. Denn bei der Technik haben die Chinesen längst aufgeschlossen – beim Preis entscheidet sich, wie schnell sie in Deutschland weiter Marktanteile gewinnen.

