Während Europa vor allem über chinesische Billig-Elektroautos diskutiert, kommt der größte Strom chinesischer Fahrzeuge derzeit gar nicht mit Stecker: Rund 76 % der Autoexporte Chinas seit 2020 sind Verbrenner, vor allem Benziner. Die jährlichen Ausfuhren stiegen von etwa 1 Mio. Fahrzeugen 2020 auf voraussichtlich über 6,5 Mio. Fahrzeuge im Jahr 2025.
Hintergrund ist der rasante EV-Boom im Inland: In China machen E-Autos und Plug-in-Hybride inzwischen fast die Hälfte der Neuwagenverkäufe aus. Das hat die Nachfrage nach klassischen Verbrennern einbrechen lassen und riesige Kapazitäten in älteren ICE-Werken freigesetzt. Statt Fabriken stillzulegen, suchen staatliche und private Hersteller neue Absatzmärkte – vor allem in Osteuropa, Lateinamerika, Afrika und Südostasien.

Zu den größten Exporteuren zählen staatliche Konzerne wie SAIC, Dongfeng, BAIC und Changan, aber auch Marken wie Chery, Geely und Great Wall. Allein Chery steigerte seine weltweiten Verkäufe von 730.000 auf 2,6 Mio. Fahrzeuge zwischen 2020 und 2024, überwiegend mit Benzin-Modellen.

Auswirkungen auf Europa

Für die EU zeigt sich ein gemischtes Bild:

  • In Osteuropa – etwa in Polen oder Teilen des Balkans – drängen chinesische Benziner in Segmenten mit noch schwacher Ladeinfrastruktur. Händler berichten von einem wachsenden Portfolio chinesischer SUVs und Pick-ups, die preislich unter etablierten Marken liegen.
  • In Westeuropa sind diese Fahrzeuge bislang weniger sichtbar, indirekt beeinflussen sie aber den Markt: Wenn europäische Hersteller etwa in Mexiko, Chile oder Südafrika Marktanteile an chinesische Benziner verlieren, sinken Skaleneffekte auch für Modelle, die später als Elektroversionen nach Europa kommen.

Klimapolitisch ist die Entwicklung heikel: Der chinesische EV-Übergang reduziert den heimischen CO₂-Ausstoß, verlagert aber einen Teil der „alten“ Technologie in Länder mit schwächeren Regulierungssystemen – darunter auch europäische Schwellenländer. Langfristig könnte dies die Erreichung globaler Klimaziele erschweren, wenn alte Flotten länger im Einsatz bleiben.

Was bedeutet das für deutsche OEMs?

  • Die Preisreferenz in Emerging Markets verschiebt sich: Wer weiterhin Verbrenner exportiert, konkurriert direkt mit chinesischen Low-Cost-Modellen.
  • Gleichzeitig erhöhen chinesische EV-Marken in Europa den Druck, schneller auf elektrische Antriebe umzustellen – während Verbrenner-Auslaufplattformen weniger Deckungsbeiträge liefern.

Die Kombination aus EV-Offensive in Europa und ICE-Offensive in Emerging Markets zeigt, wie aggressiv chinesische Industriepolitik Kapazitäten umsteuert – und wie flexibel deutsche Hersteller ihre globalen Produktportfolios trimmen müssen, um nicht gleichzeitig in Europa und in Drittstaaten Marktanteile zu verlieren.

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Philipp Wiedmaier
Über den AutorPhilipp WiedmaierGründer & Chefredakteur

Philipp Wiedmaier hat chinaelektro.de 2025 gegründet und verantwortet die Redaktion. Er wertet MIIT-Zulassungsdaten und Herstellerangaben aus und ordnet ein, welche der über 500 erfassten Modelle tatsächlich nach Deutschland kommen – mit Blick auf Preis, Zölle und Marktstart.

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