BYD startet Wallbox-Sharing in der App: Nachbarn teilen Ladezeiten und Preise. Für viele EV-Fahrer kann das günstiger sein als HPC.
Wer ein E-Auto fährt, kennt das Problem: öffentliche Schnelllader sind bequem, aber teuer – und wer in einer Wohnung ohne eigenen Stellplatz lebt, hängt oft von Infrastruktur ab, die nicht in Laufweite liegt. BYD setzt genau dort an und startet in seiner App eine Funktion, die im Kern simpel ist, aber im Alltag für viele Fahrer einen echten Unterschied machen kann: private Wallboxen in derselben Wohnanlage/Community werden auffindbar und teilbar.
Die Idee dahinter ist eine Art „Laden unter Nachbarn“: Besitzer einer Heimladestation können Zeitfenster festlegen (z. B. tagsüber, wenn das eigene Auto nicht lädt), und andere BYD-Fahrer in derselben Community können diese Stationen finden, Kontakt aufnehmen und Gebühr + Zeitfenster direkt miteinander vereinbaren. Damit verschiebt sich Laden ein Stück weit von „öffentlich, anonym, teurer“ zu „lokal, planbar, oft günstiger“.
Für Nutzer ohne eigene Wallbox ist der Mehrwert klar:
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Nähe: Im besten Fall im gleichen Wohnkomplex, keine Extra-Fahrt zur Ladesäule.
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Kosten: Heimstrom ist häufig günstiger als Schnellladen, plus oft weniger Zusatzgebühren.
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Planbarkeit: Zeitfenster statt „hoffentlich ist frei“.
Für Besitzer einer Wallbox entsteht ein anderer Anreiz:
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Eine Wallbox steht (je nach Arbeitszeiten) viele Stunden am Tag ungenutzt.
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Durch Sharing kann man Einnahmen erzielen, ohne neue Hardware zu kaufen.
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Gleichzeitig steigt die Auslastung der vorhandenen Ladepunkte – genau das, was in dicht besiedelten Wohngebieten oft fehlt.
Spannend ist auch der Kontext: BYD ist nicht allein. Ähnliche Sharing-Ansätze tauchen bei anderen chinesischen Marken ebenfalls in den Ökosystem-Apps auf. Der strategische Punkt ist offensichtlich: App-Funktionen werden zum Infrastruktur-Hebel. Statt nur neue Schnellladeparks zu bauen, kann man bereits installierte Heimladepunkte teilweise „virtualisieren“ und damit nutzbar machen.
Für deutsche E-Auto-Fahrer ist das besonders interessant, weil viele der großen Ladeprobleme nicht auf der Autobahn entstehen, sondern zu Hause: Laternenparker, Mietwohnungen, Stellplätze ohne Stromanschluss. Ein funktionierendes Community-Modell könnte hier – bei passendem rechtlichen Rahmen und Zugang – mittelfristig ein Baustein sein, um Quartiersladen zu erleichtern.