Bezahlen Fahrer chinesischer Elektroautos in Deutschland tatsächlich höhere Versicherungsbeiträge – und wenn ja, warum?
Ja, für viele chinesische Elektroautos fallen in Deutschland aktuell höhere Versicherungsbeiträge an als für vergleichbare Modelle anderer Hersteller. Das liegt jedoch nicht an der Sicherheit oder Zuverlässigkeit der Fahrzeuge, sondern an Tarifmechanismen, die für neue Marken ungünstig wirken.
Doch: Es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen, einige China-E-Autos sind sogar überraschend günstig versichert.
Dieser Artikel liefert eine Analyse mit Zahlen, Beispielszenarien und einer detaillierten Erklärung aller Kostenfaktoren.
China E-Autos wie hier der XPENG G9 bieten oft mehr für’s gleiche Geld – aber wie sieht es mit den Kosten für die Versicherung aus?
Bild-Quelle: XPENG
1. Warum sind chinesische E-Autos in der Versicherung oft teurer?
Die Versicherungsbeiträge steigen aus fünf klaren, systemtechnischen Gründen:
1. Fehlende Schadendaten
Neue Marken = wenig historische Versicherungsdaten.
Typklassen werden deshalb vorsichtig hoch angesetzt, bis echte Schadenerfahrungen vorliegen.
2. Teure oder schwer verfügbare Ersatzteile
Viele Bauteile müssen importiert werden.
Besonders teuer sind:
- Windschutzscheiben großer China-SUVs
- Radarsensoren, Kameramodule
- HV-Batteriemodule
- Aluminium-Karosserieteile
- proprietäre Steuergeräte
Das erhöht die erwartete Schadenhöhe – und damit den Beitrag.
3. Weniger zertifizierte Fachwerkstätten
Je mehr Exklusivwerkstätten ein Hersteller hat, desto teurer der durchschnittliche Schaden.
Viele Versicherer kalkulieren vorsorglich mit höheren Stundensätzen.
4. Akku = teuerster Einzelposten
Moderne Akkus kosten oft:
- 8.000–16.000 € bei Kompaktklasse
- 18.000–30.000 € bei SUVs/Luxusklasse
Jeder Schaden am Hochvoltgehäuse macht die Vollkasko teurer.
5. Premium-Technik = teure Reparaturen
China-Autos haben oft:
- große Displays
- breite Panoramadächer
- fortschrittliche Sensorik
Die Displays in E-Autos wie hier dem Geely Galaxy E8 werden immer größer – gut für den Komfort – aber teuer, wenn etwas beschädigt wird.
Bild-Quelle: Geely
2. Wie viel teurer sind chinesische E-Autos wirklich?
Im Durchschnitt liegen Vollkaskobeiträge chinesischer E-Autos:
-
300–700 € pro Jahr über vergleichbaren Modellen
-
bei Premiumfahrzeugen auch 800–1.200 € darüber
Die Bandbreite ist groß, hängt aber stark vom Modell ab.
3. Konkrete Fallbeispiele – damit du die echten Kosten einschätzen kannst
Alle Beispiele basieren auf realistischen deutschen Durchschnittswerten:
-
Fahrerin/Fahrer 40 Jahre
-
SF-Klasse 15
-
15.000 km/Jahr
-
Großstadt-Region
-
Vollkasko 300 € / 150 €
Beispiel 1 – Kompaktklasse
Europäischer Kompaktstromer:
Vollkasko: 980 € pro Jahr
China-Konkurrent (ähnliche Leistung):
Vollkasko: 1.350 € pro Jahr
➜ Mehrkosten: ca. 370 € pro Jahr
➜ 5 Jahre Haltedauer: 1.850 € Mehrkosten
Beispiel 2 – Mittelklasse-SUV
Nicht-chinesisches Modell:
Vollkasko: 1.250 €
China-Mittelklasse-SUV:
Vollkasko: 1.900 €
➜ Mehrkosten: 650 € pro Jahr
➜ 5 Jahre: 3.250 € Mehrkosten
Beispiel 3 – Oberklasse / Premium
Beispiel Premium-SUV EU/USA:
Vollkasko: 1.850 €
Vergleichbarer China-Premium-Stromer:
Vollkasko: 2.700 €
➜ Mehrkosten: 850 € pro Jahr
Bei einigen Modellen können es realistisch über 1.000 € sein, insbesondere:
-
sehr große Batterie
-
starke Motoren
-
viele Sensoren
-
hohes Fahrzeuggewicht
Der Denza D9 – erwartet 2026 in Deutschland – dürfte aufgrund seiner Größe & Ausstattung eher teuer in der Versicherung werden.
Bild-Quelle: BYD / Denza
4. Welche China-Marken sind besonders teuer – und welche erstaunlich günstig?
Günstiger / moderat versicherbar
-
MG4, MG5
Gute Datenbasis, schon lange in Europa. -
BYD Dolphin, BYD Atto 3
Kompaktklasse, relativ günstige Ersatzteile. -
Leapmotor T03
Klein und leicht, daher günstig → trotz Marken-Unsicherheit.
Mittelfeld
-
BYD Seal, Seal U
Akkukosten relativ hoch → Vollkasko mittel bis hoch. -
Xpeng G6
neue Marke, aber solide Technik.
Teuer
-
Xpeng G9
800-V-System, viel Sensorik. -
Zeekr X
Premium-Einstufung. -
Zeekr 001
Leistung, Größe, Batterie → Vollkasko sehr hoch. -
NIO EL7, ET7
Premium-Technik + hohes Gewicht = hohe Schadenhöhe. -
Denza D9, Aito M9
Luxusklasse, sehr teure Teile, große Batteriesysteme.
Der MG4 ist schon länge in Europa verfügbar und daher vergleichsweise günstig (gute Datengrundlage)
Bild-Quelle: MG
5. Tabelle: Chinesische E-Autos in Deutschland – Versicherungs-Tendenz
| Modell | Versicherungsniveau |
|---|---|
| MG4 | niedrig – moderat |
| MG5 | niedrig – moderat |
| BYD Dolphin | moderat |
| BYD Atto 3 | moderat |
| BYD Seal | mittel |
| BYD Seal U | mittel |
| Xpeng G6 | mittel – hoch |
| Xpeng G9 | hoch |
| Zeekr X | hoch |
| Zeekr 001 | sehr hoch |
| NIO EL7 | sehr hoch |
| NIO ET7 | sehr hoch |
| Leapmotor T03 | niedrig |
| Hongqi E-HS9 | sehr hoch |
6. Wie kannst du Beiträge sofort senken?
1. Werkstattbindung aktivieren
Bei chinesischen Marken spart das oft 15–25 %, weil Versicherer bevorzugte Betriebe kontrollieren können.
2. Tarife vergleichen
Gerade bei BYD, MG, Xpeng und Zeekr liegen Versicherungsangebote von verschiedenen Anbietern teilweise 600 € auseinander.
3. Fahrleistung anpassen
Viele geben zu hoch an – jeder Schritt nach unten spart Geld.
4. Höhere Selbstbeteiligung
300 € auf 500 € SB kann die Vollkasko über 10 % günstiger machen.
5. Teilkasko prüfen
Nach 3–4 Jahren bei LFP-Akkus oft sinnvoll.
6. Hersteller-Versicherung prüfen
Einige Importeure haben eigene Tarife, die Risikoaufschläge reduzieren.
7. Fazit – was bedeutet das für dich konkret?
China-E-Autos sind technisch herausragend, bieten starke Preise und hohe Qualität, aber Versicherer stufen viele Modelle noch zurückhaltend ein. Das ist kein Urteil über die Fahrzeuge, sondern ein Effekt der Marktneuheit:
-
wenig Schadenhistorie
-
teure Akkus
-
teure Sensorik
-
begrenztes Werkstattnetz
Die Folge:
Viele Modelle haben vorübergehend höhere Versicherungsbeiträge.
Doch das ist keine dauerhafte Last.
Typklassen werden jährlich neu bewertet – und sie fallen erfahrungsgemäß, sobald:
-
mehr Fahrzeuge zugelassen sind
-
mehr Reparaturdaten existieren
-
das Werkstattnetz größer wird
-
Ersatzteile verfügbarer werden
Für Käufer bedeutet das:
-
Die Versicherung beim Kauf eines China-E-Autos ist wichtig, aber kein Dealbreaker.
-
Wer sorgfältig vergleicht, spart teilweise mehrere hundert Euro.
-
Und wer bewusst wählt, kann sogar China-E-Autos finden, die nicht teurer sind als ihre europäischen Konkurrenten.
Chinesische E-Autos sind gekommen, um zu bleiben – und die Versicherungslandschaft passt sich Schritt für Schritt an.
Der XPENG G6 bewegt sich kostentechnisch im oberen Mittelfeld
Bild-Quelle: XPENG
FAQ
- Sind chinesische E-Autos immer teurer zu versichern?
Nein, aber viele Modelle liegen aktuell über dem Marktdurchschnitt. - Hat das etwas mit Sicherheit zu tun?
Nein. Die Fahrzeuge sind nicht unsicherer. - Warum sind neue Modelle teurer?
Weil Versicherern Erfahrungswerte fehlen. - Spielen Ersatzteile eine große Rolle?
Ja. Importkosten und Lieferzeiten beeinflussen die Prämie stark. - Sind Akkuschäden teuer?
Sehr. Sie gehören zu den teuersten Schadensarten. - Welche China-E-Autos sind günstig in der Versicherung?
MG4, MG5, BYD Dolphin, Leapmotor T03. - Welche sind teuer?
Zeekr 001, NIO EL7, Xpeng G9. - Ist ein Versicherungswechsel sinnvoll?
Meistens ja – Unterschiede von 300–800 € pro Jahr sind normal. - Wirkt sich V2L oder V2H auf die Versicherung aus?
Nein. - Warum sind Premium-China-Modelle teurer?
Mehr Sensoren, größere Akkus, teure Materialien. - Wann sinken die Prämien?
Sobald die Fahrzeuge länger im Markt sind. - Spielt der Wohnort eine Rolle?
Ja, wie bei allen Autos. - Kann eine Werkstattbindung helfen?
Ja, spart oft 10–25 %. - Ist eine höhere Selbstbeteiligung sinnvoll?
Ja, wenn finanziell machbar. - Wie wichtig ist der Typschlüssel?
Sehr wichtig – Tarife hängen direkt davon ab. - Sind Elektroautos generell günstiger zu versichern?
Viele ja, China-Modelle aktuell oft noch nicht. - Beeinflusst das Fahrverhalten die Prämie?
Indirekt – große Motoren bedeuten höhere Typklassen. - Können die Beiträge in Zukunft niedriger sein?
Sehr wahrscheinlich. - Ist Versicherung ein Grund gegen ein China-E-Auto?
Nein – nur ein Kostenfaktor, den man einplanen sollte. - Sollte man vor dem Kauf Angebote vergleichen?
Ja, zwingend.