Reine Elektroautos haben im Dezember 2025 in der EU erstmals mehr Neuwagenzulassungen erzielt als Benziner. Ein Meilenstein – doch der Boom hat Schattenseiten und ist ohne Förderung fragil.

Zum ersten Mal: Elektroautos überholen Benziner in der EU – was der Dezember-Rekord bedeutet
Bild-Quelle: XPENG

Voll elektrische Pkw (BEVs) haben in der EU im Dezember 2025 erstmals mehr Neuzulassungen erreicht als benzinbetriebene Fahrzeuge. Damit wird aus einem langfristigen Trend ein klarer Wendepunkt: E-Autos sind nicht mehr Nischenprodukt, sondern im Kern des Massenmarkts angekommen. Auch wenn exakte Prozentzahlen variieren können, sprechen die Daten eine eindeutige Sprache – der Dezember war der erste Monat, in dem Stromer an der Spitze standen.

Treiber dieses Sprungs sind gleich mehrere Faktoren: Zum einen zogen viele Käufer ihre Anschaffung vor, um noch von auslaufenden oder sinkenden Förderungen zu profitieren. Zum anderen hatten einige Hersteller – darunter europäische Marken, aber auch Anbieter aus China – aggressive Rabatte und Finanzierungsaktionen aufgelegt, um CO₂-Flottenziele zu erreichen. Hinzu kommt, dass der Modellmix inzwischen deutlich breiter ist: Vom günstigen Kompaktwagen bis zum Luxus-SUV ist der Markt so divers wie nie.

Warum dieser Rekord zwar historisch – aber nicht stabil ist

So beeindruckend der Dezember-Meilenstein ist, so wichtig ist die Einordnung: Der Boom ist stark von politischen Rahmenbedingungen, Rabatten und Einmaleffekten abhängig. Experten verweisen darauf, dass viele Kunden bewusst noch vor dem Jahreswechsel zugeschlagen haben, um maximale Förderbeträge mitzunehmen oder von kurzfristigen Herstellerprogrammen zu profitieren. Ohne diese Sondereffekte könnte das Verhältnis von Benzinern und BEVs in den Folgemonaten wieder knapper ausfallen.

Dazu kommen bekannte Bremsklötze: In Teilen der EU ist die öffentliche Ladeinfrastruktur weiterhin lückenhaft, vor allem abseits der Metropolen. Gleichzeitig sorgen hohe Strompreise und Unsicherheit über zukünftige Förderpolitik dafür, dass viele Haushalte Investitionen aufschieben. In einigen Märkten sind zudem Plug-in-Hybride wieder stärker gefragt, weil sie als „sichere“ Zwischenlösung wahrgenommen werden. Kurz gesagt: Der Dezember zeigt das Potenzial des E-Auto-Markts – aber noch nicht die neue Normalität.

Deutschland und Europa: Förderung als Schlüssel für 2026

Gerade Deutschland spielt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle. Mit dem neuen 3‑Milliarden‑Euro‑Fördertopf für E-Autos, der explizit auch für Importeure aus China geöffnet ist, versucht Berlin den Markt zu stabilisieren und den Einbruch nach Ende des alten Umweltbonus auszugleichen. Die Prämien von 1.500 bis 6.000 Euro sollen vor allem Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen entlasten und die Nachfrage nach erschwinglichen Stromern ankurbeln. Für Hersteller wie BYD, MG oder Xpeng entsteht so ein zweifacher Hebel: Fördergeld plus aggressive Herstellerprogramme.

Auf EU-Ebene wirkt parallel der neue Mindestpreis-Mechanismus für chinesische Elektroautos, mit dem drohende Strafzölle in vielen Fällen entschärft werden. Hersteller können sich verpflichten, über einem vereinbarten Mindestimportpreis zu verkaufen und umgehen damit einen Großteil der Anti-Subventionsabgaben. Das erhöht die Planungssicherheit für Importeure und schafft die Basis dafür, dass günstige BEVs – inklusive solcher aus China – weiterhin einen spürbaren Beitrag zu hohen E-Auto-Anteilen leisten können.

Was das für Hersteller bedeutet – und für Käufer

Für europäische Hersteller ist der Dezember-Rekord ein zweischneidiges Signal. Einerseits zeigt er, dass die Kunden grundsätzlich bereit sind, auf vollelektrische Antriebe umzusteigen, wenn das Angebot stimmt. Andererseits geraten etablierte Marken in direkten Preis- und Technologiewettbewerb mit neuen Playern aus China, die mit günstigen Plattformen, hoher Effizienz und aggressiven Preisen auftreten. Wer den Anschluss verpasst, riskiert Marktanteile – nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei Software, Infotainment und Assistenzsystemen.

Für Käufer in Europa könnte sich 2026 als „Window of Opportunity“ erweisen. Solange Förderprogramme noch laufen, Hersteller Rabatte geben und die Konkurrenz zwischen europäischen und chinesischen Marken hoch bleibt, sind die effektiven Kaufpreise so attraktiv wie selten zuvor. Gleichzeitig sollten Interessenten genau hinschauen: Ladegeschwindigkeit, realer Verbrauch, Garantiebedingungen und Update-Politik werden im Alltag wichtiger sein als eine kurzfristige Preisaktion.

Fazit

Der Dezember 2025 markiert den Moment, in dem BEVs die Benziner in der EU erstmals überholt haben – ob daraus ein dauerhaftes neues Normal wird, entscheidet sich an Förderung, Infrastruktur und dem Tempo, in dem Hersteller ihre E-Auto-Strategien nachschärfen.

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